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Gesehen: CAVEMAN

Alte Chemiefabrik, 10. März

von Christiane Freitag, Kultur

Anna lernt Paul kennen und beide können sich auf Anhieb gut riechen. Doch Anna verhält sich rätselhaft, Paul ist verunsichert. Nein! Paul verhält sich seltsam und Anna wird nicht schlau aus ihm. Oder ist es doch andersherum? Anna berät sich mit ihren Freundinnen über das wundersame Geschöpf, sie legen sie eine Theorie über das andere Geschlecht zurecht; Paul hat sein Ziel erfasst und beginnt mit der Jagd, ist aber mindestens genauso irritiert vom vermeintlichen Objekt seiner Begierde. Die Rangelei um die gegenseitige Gunst und Aufmerksamkeit beginnt.
Nun dürfte dieses Verhalten paarungsreifer Großstädter wohl jedem bekannt vorkommen, der sich einmal im Wahnsinn der Liebeshormone verloren hat. In der Unterhaltungswelt gibt es dafür verschiedenste humoristische Erklärungsansätze – die einen mehr oder weniger gelungen, die anderen mehr oder weniger intelligent. Caveman reiht sich ein in diese lange Reihe. Es richtet sich an all jene, „die eine Beziehung führen, führten oder führen wollen“ und überrascht dabei mit erschreckend einfachen und logischen Erklärungen für die vielen Missverständnisse zwischen Männern und Frauen. Geschrieben (und übriges ursprünglich auch gespielt) von dem amerikanischen Autor Rob Becker, touren zehn Darsteller seit 2000 durch Deutschland und erklären woran es hapert. In unserem Fall war es Raúl Gonzalez, der seit 2005 regelmäßig den Caveman gibt. In einer unheimlich sympathischen Art begeisterte er die bis oben hin volle Chemiefabrik. Besonders beeindruckend sind seine ‚weiblichen Züge‘: denn die Darstellung des weiblichen Verhaltens gelingt ihm auf eine sehr ironische aber liebenswürdig, wertschätzende Weise, die für mich einzigartig ist. Was oft in die Parodie einer hysterischen Furie abrutscht, imitiert er mit dem nötigen Respekt, aber immer auch mit einem Augenzwinkern.
So ähnlich verhält es sich mit dem ganzen Stück. Pointiert und witzig aber immer mit dem nötigen Respekt wird auf gekonnte Weise mit den typischen Problemen jongliert. Caveman verzichtet auf Platituden, ohne dabei jedoch nur ein einziges Klischee auszulassen und liefert stattdessen eine intelligente Variante des Warum-Frauen-nicht-einparken-und-Männer-nicht-zuhören-können-Humors, die eine geniale und erschreckend genau Beschreibung der Beziehung zwischen Mann und Frau ergibt. Das Ein-Mann Stück erzählt die Geschichte von Heike und ihrem „Caveman“, welcher sich gerade wieder wie einer benommen hat und kurzerhand ausquartiert und vor die Tür gesetzt wurde. Verzweifelt versucht er mit allen Mitteln seine Liebste zu betören, doch nichts nützt: Männer sind Sch…kerle und Frauen haben immer Recht. Der weitere Verlauf ist von Offenbarungen über die Fehler im System Mann und Frau geprägt. Unterhaltsam führt diese Fehlersuche vorbei an Unterwäschezirkeln, dem Unterschied zwischen Zappen und Programme-Jagen und vor allem an dem zwischen dem Jagd- und Sammelverhalten. Und am Ende ist alles ganz einfach, denn Männer sind keine Sch…kerlen und Frauen haben nicht immer Recht. Keiner von beiden ist besser oder schlechter, sondern ganz einfach anders. Es sind verschiedene Kulturen, verschiedene Sprachen, die da aufeinander prallen. Eine Übersetzung der einen in die andere? Die gibt es nicht! Da gilt es sich so gut zu arrangieren, wie es nur geht, die Vorzüge des anderen lieben lernen und über die Macken des anderen hinweg zu schauen. Und so wird wohl auch die Frau-Mann-Beziehung zwischen Paul und Anna ironischerweise am besten mit viel Verständnis füreinander funktionieren.
Vier Abende an denen kein Auge trocken blieb und an dem sich jeder mindestens und garantiert einmal ertappt sieht.
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