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Orgel-Wunschkonzert

Stefan Kießling, Klosterkirche, 2.3.2012

von Jens Pittasch, Kultur

pictures/artikel/IMG_42375231.jpgEin Wunschkonzert. Irgendwie erinnerte mich das Motto an eine ganz schreckliche Fernsehsendung, die sich meine Großeltern nicht entgehen ließen. Glücklicherweise steht hier das Wort „Orgel“ am Anfang, und die Neugierde besiegt wirkungsvoll Erika Radtke und „Die goldene Note“.
Die Ansagerin des DDR-Fernsehens könnte auch gut die Oma des Organisten Stefan Kiesling sein, der die Idee hatte, seinen Zuhörer die Gestaltung ihres Konzertes zu überlassen. Schriftlich in der Gemeinde oder elektronisch im Internet stand eine sehr große Stück-Auswahl bereit. Mir zumindest ging es so, dass ich den größten Teil der genannten Komponisten nicht kannte - und eben darum wählte ich deren Werke. Hinzu noch den Klassiker, die Bach-Toccata und eine Kiesling-Improvisation.
Offenbar ging es den anderen Abstimmenden ähnlich. Im Infoheft des Abends fand sich die Voting-Hitliste: Improvisation, Bach, Unbekannte. Im Programmablauf allerdings fehlte Bach, vermutlich von Stefan Kiesling geschickt so arrangiert, um den „Orgelhit“ als Zugabe spielen zu können.
An den Anfang gesetzt hatte er Orgelmusik, wie man sich diese typischerweise vorstellt (Sonata in g, Oskar Lindberg) , doch schon folgten drei bemerkenswert, zarte Lied-Variationen (Arild Sandvold), bevor eine besondere Art (der hier so bezeichneten) Rockmusik durch die Kirche wallte (Hungarian Rock, György Ligeti), die auf der Orgel allerdings munter jazzig herüberkam.
Stefan Kieslings erwähnte Improvisationen führten zu modernen, akzentstarken Klängen der deutlichen und vieler Zwischentöne. Er eröffnet Phantasiewelten, für jeden die ganz eigene.
Fast schon wollte ich dies zum Höhepunkt des Abends erklären, doch wurde dieser vierte knapp vom fünften Teil des Konzertes überholt. Für die Vielfalt der Stimmungen der „Symphonie Nr. 5 f-moll, op. 42“ (Charles-Marie Widor) benötigte Kiesling gleich zwei Helfer an den Registern.
Während die bisherigen Kompositionen eher neueren Datums waren (ca. 1900 bis heute) führte der Applaus der zirka 40 Besucher nun zur Zugabe mit Altmeister Bach.
Doch - was erklang da? Jedenfalls nicht Toccate und Fuge d-moll. Verwunderte Blicke und für uns nicht sichtbar vermutlich ein schmunzelnder Stefan Kiesling. „So“, erklärte er kurz darauf, „nun spiele ich das Stück noch einmal, diesmal richtig herum.“ Ahhh, interessant, auch rückwärts klingt Bach also nicht schlecht.
In jedem Fall erlebten wir einen sehr schönen Beginn des Wochenendes. Vielen Dank!


Webtipp: www.stefan-kiessling.de

Foto: Klaus Gärtner
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