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Gesehen: 5. Philharmonisches Konzert

Staatstheater Cottbus, 26. Februar 2012

von Jens Pittasch, Kultur

„Meine Komposition „Shadows of Tang" (Schatten Tangs) verwendet Bruchstücke von chinesischen und zentralasiatischen Melodien und Rhythmen, um eine Vorstellung davon zu erzeugen, wie diese Musik geklungen haben könnte, ohne es wirklich zu wissen.“ Jeffrey Roberts sagt das über sein Werk. - Nun, ich weiß wirklich nicht, ob es wichtig war, diese, seine Vorstellungen gehört zu haben.
Ohne Zweifel sind die all die modernen Stücke eine Bereicherung des Konzertprogramms, gerade auch durch die widersprüchlichen Reaktionen. Eine Anregung ist immer besser, als keine Anregung. Trotzdem fühlte ich mich nach 20 Sekunden „Shadows of Tang“ in einem der Werke, die man nicht gehört haben muss. Töne geschüttelt, nicht gerührt. Das Rütteln auf der Seidenstraße allerdings hochaufmerksam intoniert vom Philharmonischen Orchester des Staatstheaters Cottbus unter Leitung von Gastdirigent Rasmus Baumann.
Jeffrey Roberts war sechs Jahre alt, als Benjamin Britten 1976 starb. Seine „Symphony for Cello and Orchestra“ (op. 68) schrieb er 1963 für den russischen Cellisten Mstislaw Rostropowitsch. In Cottbus betritt ein Solist die Bühne, der mit dicker Samtweste, grauem Hemd und schwarzer Hose auch gut als Zimmermannsgeselle durchgehen würde und wie dieser ein Handwerk ganz besonders gut beherrscht. Mit nur einem Werkzeug übt er es aus, dem Violoncello. Nur ist Alban Gerhardt nicht Geselle, sondern Meister und musizierte mit mehr als 180 Orchestern weltweit.
Interessant, geradezu spannend baut Benjamin Britten Klangbilder auf, schafft erstaunliche Referenzen zwischen Ensemble und Soloinstrument, irgendwie scheint es eine fast filmische Sichtweise, auch wenn man deren Bilder schwer fassen kann. Mehrere Deutungen sind möglich. Hintergrundbilder und Hauptfiguren verändern ihren Charakter und tauschen gar die Rollen. Mal beide verletzlich, bald suchend, unruhig, dann sensibel, verfolgt kurz darauf.
Bei allem eine immerwährende Herausforderung, nichts zum Nebenbeihören, eher unser Sonntagskrimi, betont von gezupft gestrichenen Solo-Raffinessen. Musik zum Darauf-Einlassen, phantastisch und bemerkenswert gespielt.
Nun soll eine Pause sein, doch noch lassen die Konzertbesucher Alban Gerhardt nicht gehen. Und er bedankt sich mit einem kleinen Werk von Mstislaw Rostropowitsch selbst, einem „Zugabchen“, wie er sagt.
Haben Sie schon einmal von César Franck gehört? „Aber, mein lieber Herr, wer hat je davon gehört, dass in einer Sinfonie ein Englischhorn vorkommt?“, diese Gegenfrage stellte ein Professor des Conservatoires de Paris 1889, um seine Meinung zur Sinfonie d-Moll eben dieses Franck gebeten. Nun, meine fortwährende Frage beim Hören der Komposition des Franzosen war: ´Woher kenne ich das?´ Seine Melodien haben eine hohe Vorhersehbarkeit und entsprechend geringe Eigenständigkeit. Wäre nun Franck selbst berühmt, würde man selbstverständlich voraussetzen, von ihm sei das Original. Da er es nicht ist, hat das Werk etwas Guttenbergisches.
Schlecht ist es darum nicht, eher ein geschicktes Kompendium bekannter musikalischer Ideen. Die wiederum sind schön arrangiert und wurden von Rasmus Baumann teils raffiniert erarbeitet und von unserem Orchester mitreißend vorgetragen.
Besonders aber ist das Stück eine wirklich gelungene Ergänzung der vorangegangenen, fordernden Werke dieses Abends. Langweilig ist nie, was wir hören. Francks Klänge bäumen sich gelegentlich auf und finden im zweiten Satz auch eigenständige Elemente. Um dann schnell wieder zurückzufinden, in einen Anflug von „U-Musik“. Gut gemacht, wie gesagt, und um die einleitende Frage des Professors zu beantworten, durchaus eine Sinfonie.
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