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Konzert für Jazztrompete & Orgel

„Duo Zia“, Klosterkirche, 3.2.2012

von Jens Pittasch, Kultur

Das Läuten, das so manche Piccolo-Veranstaltung im alten Haus untermalte, führt die (leider nur) zirka 40 Gäste dieses besonderen Konzertes Richtung 20 Uhr.
Bei Außentemperaturen von weniger als 10 Grad minus ist es im Gemäuer von 1300 leider kühl und zugig. Doch die Glocke verklingt, die Orgel setzt ein, die Trompete folgt, - und die Klänge des Duo Zia lassen die Kälte einige Zeit vergessen.
Marcus Rust muss sich mit seinem kleinen Blasinstrument geradezu zurückhalten. Diese Königin der Instrumente, die Orgel der Klosterkirche, erweist sich als zu schwach und gibt Christian Grosch keine Chance. Auch in ihren Solopassagen und als jazziger Dialogpartner ist sie viel zu dezent und bleibt leider nur Begleitung und Hintergundmusik. Das war so nicht beabsichtigt antworten mir die Musiker nach dem Konzert. Auf ihrer CD „Many And Great Are Thy Things“ ist nachzuhören, wie sie es beabsichtigten. Doch auch in Cottbus finden beide schnell eine Abstimmung, die den Abend zu einem Erlebnis werden lässt.
„Zia“ ist ein Wort aus der fast unbekannten Sprache der Pueblo-Indianer. Und von Indianern bis zu Indern, vom Gestern bis zum Heute spannt sich die musikalisch-geistige Reise von Marcus Rust und Christian Grosch. Durch Zeiten und durch Kulturen, durch jüdische und indianische, durch westliche und fernöstliche. Auch mal mit Trommeln der Dakota Hymne, geheimnisvoll, sphärisch, sich aufschwingend in gemeinsamer Improvisation.
Um im nächsten Titel, einem indischen Bhajan, ebenfalls begleitet von leichtem Trommeln, in eine wundervolle Leichtigkeit, fast Jenseitigkeit, zu gleiten.
Doch Aufwachen! Es Gospelt. Wir sind erneut in einer anderen Welt geistlicher Musik. Jazzig, frech eilt die Trompete voraus. Gefolgt von der Orgel mit ihrer großen, wenngleich hier dünnen, Stimmenvielfalt. Den erneuten Wechsel bringt eine von Marcus Rusts liebsten Schlaflied-Erinnerungen, „Weißt du, wieviel Sternlein stehen?“ Doch nicht, wie wir es kennen. Eine eher beunruhigende Besinnlichkeit singt seine Trompete, irrlichternd begleitet die Orgel. Um sich dann zum ganzen Himmelszelt zu steigern.
Am Ende des Abends wird der Trompeter zum Organisten und der Organist zum sehr guten Sänger. Christian Grosch stimmt einen Luther-Choral an, aus dem sich aus der ehrwürdigen, alten Vorlage - nach fliegendem Wechsel - eine würdige, neue Version des Duo Zia entwickelt, in der sie Jazztrompete und Orgel freien Lauf lassen.
Das sehr schöne Konzert findet viel Applaus. Und vor dem kalten Heimweg gibt es noch eine Zugabe. Nicht mehr fern auf der Empore, sondern bei uns im Kirchenschiff steht ein frierendes Klavier, nur zum Klingen gebracht für ein Spiritual dessen Freude und Wärme bis nach Hause vorhalten.
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