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Gesehen: 4. Philharmonisches Konzert

Staatstheater Cottbus, 20. Januar 2012

von Christiane Freitag, Kultur

Das vierte philharmonische Konzert stand ganz im Zeichen von Komponisten jüngerer Zeit: Werke von George Gershwin (Ein Amerikaner in Paris und Concerto in F), Charles Ives (Three Places in England) und Leonard Bernstein (Sinfonische Tänze aus „West Side Story“) füllten das Große Haus bis fast zum letzten Platz und beglückten die Zuhörer. In Form von Jörg-Peter Mittmann (Phantasma) war auch wieder die Uraufführung eines Auftragswerkes vertreten, das trotz Moderne einigermaßen melodisch daher kam.
Doch am Beginn stand der Klassiker „Ein Amerikaner in Paris“.
Und so sah man eben jenen durch das Orchester zum Leben erweckt á la „Singin‘ in the Rain“; ihn aber auch tanzend und über die eine oder anderer kulturelle Eigenheit verwundert, singend durch Paris wandeln. Eine imaginäre Leinwand senkte sich, und man sah seinen Gesichtsausdruck, als er zum ersten Mal den Eifelturm betrachtet, seine Begeisterung über den herrlichen Ausblick, den man vor allem abends von Mont-Martre aus über ganz Paris hat, und man sieht ihn, wie er sich in einem dieser kleinen, niedlichen Bistros einer Pariser Seitengasse niederlässt und ganz verliebt in diese Stadt ist.
Von Paris aus ging es mit Mittmanns „Phantasma“ in eine nächtliche Stadtszenerie, und diesmal wandelt ein einsamer Wanderer. Und während es anfangs stilistisch, wie die bisherigen kontemporären Werke klingt, wird es im weiteren Verlauf immer melodiöser, bis es zum Schluss - unterstützt durch Geiger die im Foyer des Großen Hauses - sogar ‚fantastisch‘ wird.
Abgeschlossen wurde der erste Teil mit einem weiteren Gershwin-Werk – dem Concerto in F (Klavierkonzert F-Dur). Er schrieb es 1925, nachdem ihn ein Jahr zuvor sein Werk „Rhapsody in Blue“ weltberühmt machte. Das Concerto steht dem jedoch in keinster Weise nach, sondern besticht durch einen eigenen, aber Gershwin-typischen Charakter. Dirigent Evan Christ schaffte es genau diesen aus seinem Orchester heraus zu kitzeln. Bei der Uraufführung spielte Gershwin übrigens selbst den Solopart am Klavier. Als Solist in Cottbus war wieder einmal der großartige Tzimon Barto zu erleben. Es ist jedes Mal aufs Neue faszinierend, wie gefühlvoll und gleichzeitig bestimmt er sich durch die Werke spielt, wie Orchester und Klavier harmonieren. Man könnte viele Floskeln, wie virtuos, begabt oder fingerfertig über ihn verlieren. Die beschreiben nur nicht ansatzweise das Liveerlebnis. Einfach großartig!
Charles Ives Werk „Three Places” eröffnete nach der Pause den zweiten Teil des Abends. „Three Places“ ist die musikalisch-eigenwillige Beschreibung drei seiner Heimatorte in Neu-England. Mit marsch- und liederartigen Motiven, die im Übrigen typisch für die Werke Ives‘ sind, lässt er seine Zuhörer zunächst durch Neu-England schleichen und dann poltern. Eindeutig das Werk, das an diesem Abend aus dem Rahmen fällt.
Den Abschluss bildeten die sinfonischen Tänze aus „West Side Story“ von Leonard Bernstein. Sie gaben dem Abend, nach dem etwas strapazierenden Ives, noch einmal richtig Schwung. Nicht nur das Orchester und ein tanzender Dirigent hatten Spaß, sondern auch das Publikum. Man sah tippende Füße und wippende Köpfe. Die eingängigen Nummern, die als eine Art Potpourri gespielt wurden, ließen den Abend schwungvoll ausklingen.
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