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Gesehen: Songs For Swinging Lovers

Staatstheater Cottbus, Kammerbühne, Premiere 18. Februar 2012

von Jens Pittasch, Kultur

pictures/artikel/IMG_42377051.jpgWir haben einen neuen, großartigen Nachtclub in Cottbus.
Zumindest immer dann, wenn in der Kammerbühne „Songs For Swinging Lovers“ läuft, das neue Stück von Mirko Mahr - eine gesungene und getanzte Hommage an Frank Sinatra. Hans-Holger Schmidt gab dem Anlass eine mehr als würdige Einrichtung. Er nutzt den gesamten Bühnenraum für eine schicke Bandbühne und zwei sehr variabel nutzbare Bartresen und lässt an den verbleibenden Seiten direkt die Gäste Platz nehmen. An weißen Tischen mit dezent roten Lampen, eigene Getränke sind erlaubt und vorhanden.
Auch wer auf der normalen Zuschauerseite Platz nimmt, hat mehr Raum als sonst. Die Stuhlreihen sind aufgelöst, dazwischen finden sich kleine Stellflächen für Sekt und Wein oder auch ein Bier. Vorbeugend weist eine Tafel am Eingang darauf hin, dass auch geraucht wird, allerdings nur von Frank (Sinatra) alias Heiko Walter.
Bestens vorbereitet auf die 90 Minuten ohne Pause bestaunen wir noch das Bühnenbild, als dieses in Rauch und Dunkel verschwindet. Hinter sich verziehenden Schleiern sitzt ein Mann einsam am Klavier, klimpert ein bisschen in Erinnerungen, gießt sich noch einen Whiskey ein, zündet sich eine Zigarette an und stimmt „Moon River“ an.
Mit diesem ersten von 22 Titeln beginnt ein Abend der Erinnerung dieses Mannes, Erinnerungen gestaltet in Tanz, Musik, kurzen Texten und Gesang.
Choreograph Mirko Mahr fand zu jedem Moment eigene, gefühlvolle Bewegungen - kleine, getanzte Geschichten, die Jennifer Hebekerl, Inmaculada Marín López, Denise Ruddock, Venira Welijan, István Farkas, Aslanbek Kotsoev, Marek Ludwisiak und Christian Schreier ausdrucksstark und sicher umsetzten.
Doch Musik und Tanz erzählen nicht allein, auch wenn sie das könnten. Ab und an denkt Frank laut über sein Leben nach, besinnt sich, in ein fernes Licht schauend, das ihn zu sich ruft. Philipp J. Neumann lieferte diese, die Handlung begleitenden Worte des Sängers.
Eine Überraschung hält der Barkeeper für uns bereit. Vermutlich haben Tanz-Kenner den eleganten, älteren Herren über edle Getränke erkannt und somit seinen eigentlichen Auftritt erwartet. Auch ich werde nun gern in Erinnerung behalten, was für eine bemerkenswerte Stepptanz-Einlage Thomas E. Fletcher auf dem Tresen bietet. Es sei verraten, er hat die 60-iger Lebensjahre hinter sich gelassen, wirbelt jedoch nicht nur im Stück über die Bühne, sondern ist auch der Tanz-Trainer für Dirk Neumann, der seinen Part nach einigen Vorstellungen übernimmt.
Verwundert bemerke ich dann, dass der Barmann beginnt, seinen Club aufzuräumen. Sind 1 ½ Stunden bereits vorbei? Die Gäste sind gegangen. Frank bleiben wieder nur Einsamkeit und Erinnerung. Mit „My Way“ beschließt der ganz ausgezeichnete Heiko Walter diesen Abend und stellt erneut seine besondere Klasse für solche Aufgaben heraus.
Wie er, sind noch drei weitere Künstler während des gesamten Abends ohne Pause gefordert. Ganz zu Beginn mussten sie ihre Barplätze verlassen und begleiteten Tanz und Gesang musikalisch. Am Klavier und musikalischer Leiter: Frank Bernard, am Kontrabass: Frank Zocher und am Schlagzeug: Reinhart Wronna - eine Club-Band der Extraklasse.
Sehr schön und sehr persönlich übrigens auch die Vorstellung jedes Mitwirkenden durch Heiko Walter, eingebaut in den Schluss und den berechtigt langen, freudigen Applaus.


Foto: Marlies Kross
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