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Gesehen: TV-NOIR No.3

13. Februar, WELTSPIEGEL

von Jens Pittasch, Kultur

pictures/artikel/IMG_42377205.jpgEin Geheimtipp sind die Konzerte im „Weltspiegel“ nun nicht mehr. Und das ist sehr gut so, verdienen doch Ralf Zarnoch und sein Team jeden einzelnen Besucher.
Ein Tipp aber ist die Musik-Reihe „TV-Noir“ weiterhin. Nicht viele, doch ein paar Gäste hätten auch bei deren dritter Auflage noch Platz gefunden. Und die nächste Chance ergibt sich vielleicht noch im März, leider stand bis Redaktionsschluss das Datum noch nicht fest. Wir werden auf kultur-cottbus.de rechtzeitig informieren, wann „die dunkle Melancholie Kat Frankies und der verschlafenen Folk des Tele-Frontmanns Francesco Wilking“ (PM) zu hören sein werden.
Am eisigen Dreizehnten-Februar-Montagabend hatten es sich ein paar Schweizer und ein Schwarzwälder im Kino-TV-Wohnzimmer gemütlich gemacht. Zuerst griff Moritz Krämer zur Gitarre, - und ich erschrak ein bisschen. Das Instrument klang ulkig und der Gesang, wie mit ´nem Tennisball im Mund. Zwar nüchtern und Deutsch, doch mit schwerer Zunge und schwer verständlich. Da man, wie Moritz vor dem zweiten Lied erläutert, dessen Inhalt sowieso nicht verstehen kann (unabhängig von der Aussprache), erzählt er erst einmal die Geschichte dazu. Die ist recht kompliziert und in der Tat irgendwie ohne Bezug zu irgendwas. Doch das ist eben Moritz Krämer. Als er etwas später das Nuscheln vergisst, werden die Worte der Songs verständlich. Worum es geht aber, lässt sich schwer fassen. Die Lieder sind wie im Moment dahingesungene Gedanken. Die Worte dazwischen unordnen die Eindrücke weiter.
Doch was spielt das für eine Rolle, da man Musik auch einfach nur hören kann. „We Invented Paris“ haben zwar offenbar Paris erfunden (invented), singen aber englisch. Und wenn man das nicht sehr gut kann, sind Stimmen einfach schöne Instrumente. Diese Schweizer, um Erfinder und Frontmann Flavian Graber, nutzen keine Alphörner (bisher jedenfalls nicht) dafür neben Gitarre und Bass aber ein seltsames Schlagwerk, ein indisches Harmonium, ein Xylophon und elektronisches Tastenwerk. Sie nennen sich selbst europäisches Künstlerkollektiv und einen Zusammenschluss von Freunden, was ihrer Musik eine wundervolle Vielfalt und Lebendigkeit bringt. Die Spielfreude hält sie auch nicht auf der Bühne, so dass sie gleich mehrfach an diesem Abend mitten ins Publikum klettern (waghalsig über Kinostühle), sich im Saal verteilen und wir uns sehr dankbar einbezogen fühlen. Sie selbst machen das gern, wie sie sagen, als Erinnerung an ihre erste Tour. Die führte, mangels Bekanntheit, nicht durch Clubs, sondern - für Kost und Logis - durch Wohnzimmer. Dieses Wohnzimmer ist etwas größer, doch wir fühlen uns so wohl, wie zu Hause.
Ein zweites Mal ist Moritz Krämer dran. Der einsam, verträumt, schräge Schwarzwälder. Ein bisschen wirkt er, wie zu spät von dort weggezogen. Und singt auch schon von einer, der es wirklich so ging. Dann legt er die Gitarre weg und setzt sich ans Piano. Was folgt, ist Moritz Krämers bester Song. Überhaupt hört man sich langsam rein in seine skurrilen Texte und Melodien, gewöhnt sich an seine Einzigart und beginnt ihn zu mögen.
Auch bei „We Invented Paris“ macht die Melancholie Platz und es kommt richtig Schwung in die Bergjungs. Beatboxend sollte eine Zugabe den Abend beenden, da die Elektronik aber zickt, wurde es ein Solo mit Harmonium, rein akustisch, Beine von der Bühne baumelnd, Entspannung pur. Danke TV-Noir & Weltspiegel.


www.tapeterecords.de/artists/moritz-kraemer/
www.weinventedparis.com/album/

Foto: Carsten Bunar
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