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Gesehen: ANTIGONE

Wiederaufnahmepremiere: 21. Januar 2012, Piccolo Theater Cottbus

von Christiane Freitag, Kultur

pictures/artikel/IMG_42377591.jpg„Antigone hat ja so einen langen Bart, den kann man gar nicht mehr ausmessen.“, dachte ich und ging ein wenig missmutig ins Piccolo Theater. Doch, wenn das Piccolo Theater eins kann, dann (mich) immer wieder überraschen. Denn was ich gesehen habe war die kürzeste und auch die schönste Antigone-Inszenierung, die ich mir je angeschaut habe.
Ronny Jakubaschk (Regie) hat den Staub vom alten Mythos des thebanischen Zyklus abgeklopft und eine ganz neue Antigone für junge Leute adaptiert. Frei nach Sophokles geht es hier auch immer noch um eine Antigone (Maria Schneider), die für ihre Prinzipien einsteht und gegen das Gesetz Kreons (Werner Bauer) ihren im Kampf gefallenen Bruder Polyneikes bestatten will. Denn für sie wiegt das Gesetz der Götter mehr, als das der Menschen. Weder ihre Schwester Ismene (Heidi Zengerle) noch ihr Geliebter Haimon (Hauke Grewe) können sie davon abbringen. Bis sie und Haimon am Ende, wie Romeo und Julia, nur noch den Tod als einzigen Ausweg sehen. Was hier so steif und verschroben klingt, ist jedoch realistischer als man glauben mag, und genau das hat diese Inszenierung herausgearbeitet. Es geht um die Konflikte des Erwachsenwerdens und vor allem um die Konflikte zwischen den Generationen. Mit nur wenigen Fragmenten aus dem Originaltext, einer Reduktion auf die wesentlichen Figuren, mit viel Action und Körpereinsatz aber auch viel Gefühl und manchmal auch kitschig-schöner Melodramatik und einer musikalischen Untermalung durch eingängige Popsongs, wie zum Beispiel „Letztes Jahr im Sommer“ und „Drüben auf dem Hügel“ von Tocotronic, „Süßer Vogel Jugend“ von Mia oder „Ich möchte dich gern“ von Mutabor, überzeugt diese Antigone-Inszenierung. Vor allem aber ist sie auf eine verständliche Ebene gestellt worden, von der jeder Deutschlehrer und Schüler nur träumen dürfte. Die Inszenierung ermöglicht es ihren Zuschauern den alten Klassiker neu zu entdecken und sich auch ein wenig in ihn zu verlieben.


Foto: Michael Helbig
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