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Tom Lüneburger – Lights Tour

11. Februar 2012, Gladhouse Cottbus

von Christiane Freitag, Kultur

Als ich den großen Saal im Gladhouse betrete, den ich bis jetzt nur als bebende, volle Tanzlokalität oder Theater-/Filmaufführungsraum kannte, muss ich staunen. Kleine runde Tische mit Teelichtern, Teelichter auf dem Bühnenrand, eine alte Wohnzimmerlampe auf der Bühne. Nun gut, dann kenne ich den Saal jetzt eben auch als überdimensionales, gemütliches Wohnzimmer. Aus meinem Verdutzen reißt mich schließlich ein charmanter, blonder Liam Gallagher-(in seinen guten Zeiten)-Verschnitt aus England, der sich in landestypischer Höflichkeit und mit liebenswert-lückenhaften Deutschkenntnissen als Lee MacDougall vorstellt. In der folgenden Stunde erfahre ich in bester musikalischer Manier, was es heißt nach seinem vielversprechenden Studium der Komposition und Produktion im regionalen Fischverarbeitungsbetrieb zu arbeiten, diesen Job zu verlieren und dann alles auf eine Karte – die Musik – zu setzen und schließlich die Chance zu bekommen, das zu machen, wovon man schon immer geträumt hat. Der Wahllondoner hat in seiner steilen aber jungen Karriere schon viel erlebt, und eben diese Erfahrungen teilt er beim Singen, so dass es sich anfühlt als hätte man einen vertrauten Freund lange nicht gesehen und müsste sich auf den neusten Stand bringen. Das, kombiniert mit originellem Gitarrenspiel, einer einfühlsamen Stimme und niedlichstem, britischen Akzent, macht ihn zu einem echten Geheimtipp in der Singer-/Songwriterlandschaft.
Nach einem recht epischen Intro folgte Tom Lüneburger auf dem Fuße, unterstützt durch seine Band Stoffel (Christoph Clemens) und noch mehr Kerzen. „Was hat es eigentlich mit diesen Kerzen auf sich“, frage ich mich, bis es mir dämmert: Kerzen, Lichter, „Lights“. Denn „Lights“ ist Tom Lüneburgers neues Album (einen Bericht darüber gibt’s weiter hinten im Heft). Aha! Deswegen wurde aus dem Gladhouse das Wohlfühl-Wohnzimmer. Gut gelaunt und voller Energie legen die beiden also los. Zwischen den Songs – einem Mix aus alten und neuen Liedern – albern sie, machen Späße, erzählen Anekdoten und verbreiten gute Laune. Vor allem aber machen sie einfach glücklich. Liveerlebnis bleibt eben Liveerlebnis. Dass das Publikum sich während des ganzen Abends leider nicht von seiner impulsivsten Seite zeigte tat für mich jedoch der Tatsache, keinen Abriss, dass man diesen Freitagabend dank Lee MacDougall und Tom Lüneburger nicht hätte besser verbringen können.
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