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Professor Schluchter verlässt die BTU

von Daniel Häfner, Bildung

pictures/artikel/IMG_42378656.jpgNach zahlreichen politischen Auseinandersetzungen steht es nun fest: Professor Dr. Wolf Schluchter verlässt die Universität in Cottbus zum 1. März. Der Lehrstuhl für „Sozialwissenschaftliche Umweltfragen“ verwaist damit und auch eine mögliche Nachfolge als Direktor des „Humanökologischen Zentrums“ ist ungeklärt.
Professor Schluchter wirkte seit 1994 an der BTU Cottbus und war maßgeblich dafür verantwortlich, Ingenieuren auch die sozialen und ökologischen Dimensionen ihres Handelns näher zu bringen. Auf den Lehrstuhl berufen wurde er, weil er damals einer der wenigen Soziologen war, die sich mit Umweltfragen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch befassten.
In zahlreichen Forschungsvorhaben beschäftigten sich vor allem mit den Themen Umweltbewusstsein und Bürgerbeteiligung. Seine Triplex-Methode zur Beteiligung von Menschen an Planungsprozessen lag scheinbar in der Entwicklung auch lange vor der Zeit – wurde sie doch in ähnlicher Form in den Schlichtungsgesprächen zu Stuttgart21 von Heiner Geißler eingesetzt und ist nun auch für die atomare Endlagersuche in der engeren Wahl.
Im letzten Semester fand so auch eine bundesweit beachtete Ringvorlesung „End-Sorge Atommüll?“ zur atomaren Endlagersuche statt, die auch im Internet nachverfolgt werden kann.
Professor Schluchter arbeite selbst in den 1970er Jahren in einem Forschungsinstitut, welches sich mit der Zersetzung von Bürgerinitiativen beschäftigte. Über diese Forschung gelangte er zur Anti-AKW-Bewegung, weil er feststellte, dass Partizipation doch besser seien als unethische Mittel zur Durchsetzung von Profitinteressen in der Energiewirtschaft. Vor diesem Hintergrund schrieb er auch den ersten Pro-AKW-Krimi „Die unheimliche Logik des Halma“.
Professor Schluchter wirkte aber auch direkt in die Region hinein, u.a. mit dem Projekt „Lernende Lausitz“. Einige dieser Ergebnisse sind in dem Buch „Krise als Chance“ enthalten, in welchem Beiträge der Ringvorlesungen zusammen gefasst wurden. Das Themenspektrum umfasst Probleme der regionalen Entwicklung der Lausitz, des Umgangs mit dem industriekulturellen Wandel in der Region bis hin zu Auswirkungen der Krise auf Umweltprobleme. Knapp dreißig namhafte Vertreter aus Wissenschaft und Praxis sind in dem Werk vertreten.
Als Vorsitzender des Akademischen Senats der BTU setzte sich Wolf Schluchter für die BTU als „Umweltuniversität“ mit dem Schwerpunkt Erneuerbarer Energien ein – ein Vorschlag, der unter anderem auch von der sogenannten Lausitzkommission aufgegriffen wurde. Unter seiner Leitung als Zentraler Umweltbeauftragter wurde die Universität auch nach dem höchsten Standard (EMAS III) als umweltfreundliche Universität eingestuft.
In einem Interview mit der Blicklicht im Jahr 2009 erklärte Prof. Schluchter: „Ich glaube, wir müssen viel stärker visionär denken als bisher. Denn ohne Visionen kann man die Realität nicht erkennen. Und wenn man die Realität nicht erkennt, kann man auch nichts konstruktiv voranbringen. Eine Universität wie die BTU ist dafür prädestiniert, neue Wege zu gehen.
Und man sollte nie vergessen: Produktivität darf auch Spaß machen.“
Professor Schluchter wird im April eine Abschiedsvorlesung halten – aus diesem Anlass werden wir in der Blicklicht dann auch ein Interview veröffentlichen.
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