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Waldzerstörung in Tasmanien

von fh/dh, Politik

pictures/artikel/IMG_42379147.jpgSeit nunmehr 30 Jahren toben die Auseinandersetzungen um die noch aus “Gondwana” (dem Urkontinent von vor Millionen von Jahren) stammenden Urwälder in Tasmanien (Australien).
Mittlerweile die dritte Generation von UmweltschützerInnen stellt sich der abstrusen Logik des Abholzen von einzigartigen Regenwäldern für Toilettenpapier und Parkett-Fußboden entgegen.
Doch die intakten Waldflächen werden kleiner und kleiner. Vor einem Jahr war noch die Forderung der Umweltschutzgruppen eine Fläche von 750.000 Hektar als Naturschutzreservat auszuweisen. In diversen Verhandlungen wurde diese Summe von Seiten der Regierung und der Holzfäller Lobby immer kleiner geschrumpft – unter anderem auch, weil sie besonders in den potenziell zu beschützenden Flächen radikal Wege angelegt haben und - mal hier mal da - kleine Flächen anfingen abzuschlagen. Denn wenn da schon mal ein Weg rein führt und ein ein kleiner "Coupé" angelegt wurde, dann ist dies ja eine aktive Baustelle - so die Logik der Baumfäller in Tasmanien.
Vor nun 6 Monaten gab es ein Hoffnungszeichen – 430.000 Hektar Wald wurden unter Schutz gestellt. Doch dass nun die Fällarbeiten in den einmaligen Biotopen gestoppt würden – weit gefehlt. Es wird weder von der Regierung noch von der Polizei etwas unternommen, um dies durch zu setzen.
Mehrere Gruppen von Umweltschützern sind in Tasmanien aktiv – mit unterschiedlicher Vorgehensweise. Eine der aktivsten Gruppen hält seit nun mehr als 5 Jahren 100km südwestlich von Hobart, der Hauptstadt Tasmaniens, eine der Baustelle im Wald besetzt. In dieser Zeit wurden zwei Räumungen vorgenommen, doch immer wieder kamen die lokalen AktivistInnen zurück und wurden vor allem im Sommer dabei auch von internationalen Menschen unterstützt.
Dies führte zu der Idee, einen internationalen Aktionstag durch zu führen - in den letzten 2 Jahren bereits drei mal. Denn auch wenn die Zerstörung der letzten Wälder fern ab unseres Alltags geschieht haben diese Bäume für jede/n der einmal die Chance hatte bereits dort sein zu können eine wichtige Bedeutung gewonnen. Sie sind einmalig in ihrer Artenvielfalt und geben Auskunft darüber, wie es vor Millionen von Jahren auf unserem Urkontinent Gondwana ausgesehen hat, bevor die Kontinentalplatten anfingen auseinander zu driften. Nur noch an drei Orten ist diese Artenvielfalt zu finden. Eine dieser ganz seltenen und scheuen Spezies ist der gerade im Aussterben befindliche Tasmanische Teufel. Eine seltene Krankheit hat diesen vor allem in dem von Menschen bewohnten Gebieten befallen. Allein in den noch zusammenhängenden Waldgebieten sind noch gesunde Arten anzutreffen, doch darauf wird, wie immer wenn es um Profitinteressen von internationalen Konzernen geht, keine Rücksicht genommen.
Die verrückte Situation ist aber, dass die privatisierte staatliche Forstverwaltung "Forestry Tasmania" bereits seit Jahren Verluste schreibt und Firmen wie “Ta Ann” aus Malaysia in Tasmanien den Rohstoff Holz billiger einkaufen können als zum Beispiel vor Ort auf Borneo. Wie es in Sarawak oder auch in Sabah aussieht ist bestimmt dem aufmerksamen Menschen der Blicklicht liest nicht entgangen – dort entstehen Palmöl-Plantagen, wo früher Regenwälder standen.
Die Abholzungen sind nicht nur ein lokales Problem von Tasmanien - im Zuge der Globalisierung können Produkte von der Abholzung von Regenwald überall auf der Welt gekauft werden. Die aktuelle Kampagne der Gruppen in Tasmanien beziehen sich deshalb auch auf den Hauptabnehmer-Markt in Japan sowie auf die internationale Kette “Harvey Norman” die z.B. auch in Tschechien einen Markt betreibt.

Internationaler Aktionstag

Ein weltweiter Aktionstag am 14. und 15. Februar war der Beweis der globalen Bedeutung der Wälder Tasmaniens. Hunderte von Menschen organisierten mehr als 70 Aktionen in 15 Ländern.
Mit Straßentheater, Transparenten, Demonstrationen und Projektion der Bildern von Tasmaniens Wälder auf Gebäude zeugen von arbeitsreichen 24 Stunden mit kreativen und inspirierenden Aktionen. Bei einer gewagten Aktion seilten sich AktivistInnen vom Black Mountain Tower in Canberra (Australien) ab, um die Botschaft der Unterstützung zu zeigen.
"Die weltweit einzigartigen uralten Wälder Tasmaniens sind signifikant und einzigartig. Riesige Eukalyptuswälder sind von der Rodung bedroht. Eine langfristige Perspektive, die Tasmaniens einzigartigen Naturschutzgebieten einen wirklichen Schutz für gefährdete Arten Lebensraum bietet und einen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels leistet - dafür kämpfen wir." erklärte Jenny Weber vom Huon Valley Umweltzentrum (Tasmanien, Australien) den Aktionstag.
Diese globale Aktion baute auf die Wirkung der Naturschützerin Miranda Gibson, die bereits 80 Tage (bei erscheinen der März Ausgabe) in der Spitze eines 60m hohen alten Baumes verbracht hat. Miranda hatte angekündigt, so lange auf ihrer Baumplattform zu bleiben, bis der Wald dauerhaft geschützt sei. Dies hat Menschen überall in der Welt inspiriert und so wurden sie aktiv, um auf den Missstand in Tasmanien aufmerksam zu machen. Teilweise war Miranda mit Skype direkt mit den AktivistInnen verbunden und sprach über die globale Bedeutung der Tasmanischen Wälder und nahm so auch an einer Pressekonferenz teil.
Dort sagte sie: "Es ist eine internationale Schande, dass die australische Regierung den Schutz dieser Wälder vor bereits sechs Monaten versprochen hat. In den im sogenannten Wald-Friedens Abkommen die Wälder unter Schutz stellte, aber es ist eine Zunahme der Baumfällarbeiten zu verzeichnen. Der Aktionstag am 14. und 15. Februar sendet eine klare Botschaft an 'Ta Ann' und ihre Firmenkunden, dass die internationale Gemeinschaft es nicht duldet, dass die Zerstörung dieser weltweit bedeutenden Wälder weiter geht. Wir fordern Ta Ann-Kunden wie die Parkett-Hersteller Panasonic und Eidai sowie Japans größte Hausbau-Unternehmen Seksui Haus und Daiwa House auf solange nicht weiter von Ta Ann zu kaufen, wie das Unternehmen für die Abholzung von Urwäldern Tasmaniens verantwortlich ist."
"Dieser Weltweite Aktionstag hat mir die Kraft und Inspiration gegeben, um auch auch weiterhin auf der Baumplattform zu bleiben, bis diese Wälder Schutz erhalten", sagte Frau Gibson, die bereits seit 2 Monaten auf einer 60m hohen Baumplattform verweilt. Weitere Informationen gibt es unter www.observertree.org und besonders sei an dieser Stelle auf die Flickr Bilder hingewiesen.


Eine kleine Aktion in Cottbus

In Solidarität mit den UmweltschützerInnen in Tasmanien haben in Cottbus sich am Dienstag, den 14. Februar mehrere Menschen an einer kleinen Solidaritätsaktion beteiligt. Sie kommen aus dem Umfeld von ROBIN WOOD, Greenpeace und sind in den Cottbuser Künstler-Kreisen aktiv.
Mit dieser Unterstützung ging es darum zu zeigen, dass uns der Klimawandel alle angeht und das wir die Abholzung von intakten, einmaligen Wäldern mit einer sehr großen Artenvielfalt nicht hinnehmen – weder hier in der Lausitz noch in Tasmanien – am sogenannten anderen Ende der Welt!
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