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Gesehen: SLUM DOGS

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von Jens Pittasch, Kultur

pictures/artikel/IMG_42429191.jpgSehr viel Lobendes habe ich an dieser Stelle schon geschrieben über die BÜHNEacht. Doch jeder Faden reißt einmal oder reibt sich zumindest stark auf.
Slum Dogs. Slumdog Millionaire? - Ach nein, nicht Indien, da steht Gorki auf dem Plakat: „Nachtasyl“. Der lebte zur vorletzten Jahrhundertwende in Russland. Eine Nacht mit den Obdachlosen dieser Zeit stellt man sich besser nicht vor. Offenbar wollte das auch Mathias Neuber nicht (Bearbeitung und Regie) und verlegte das Stück nicht nur ins Heute, sondern dabei in eine Big-Brother-TV-Situation. Gescheiterte Gestalten aller Art lungern, von Kameras beobachtet, in einem Keller. Der Zuschauer sieht nicht nur das, sondern auch den Produzenten des Ganzen via Monitor. Ganze 15 Mitwirkende lässt Mathias Neuber auf seiner Bühne agieren, das sind nur zwei weniger, als bei Gorki, für die vielleicht sinnvolle Verdichtung des Ganzen, auf die Möglichkeiten des kleinen Theaters und der Darsteller, jedoch zu viele.
Sowohl das Original (immerhin Gorkis erfolgreichstes Schauspiel), als auch die neuen Ideen bieten eine Menge Reibungsfläche für gutes Theater. Als zu Beginn die acht wirren Figuren auf der Bühne stehen verwischen Irrenhaus und Big-Brother sehenswert. Auch fällt sehr positiv auf, dass es hier (für Laientheater eher selten) wirklich gute, männliche Schauspieler gibt. Und für ein Studententheater ist das breite Altersspektrum der Akteure erstaunlich und eine Bereicherung (5 Mitfünfziger, sonst um die Zwanzig). Zu schnell aber verliert sich alles in Einzelleistungen, gelegentlich auch in gute Szenen, wird jedoch nie zum Stück.
Ja - es wird noch ersichtlich, worum es geht. Braucht der (schwache) Mensch die Lüge (um sich und der Welt etwas vorzumachen)? Sein, was man ist oder sein möchte? Was ist man überhaupt? Wie wird man, was man gern wäre - und, woher weiß man, was man sein könnte? Was macht Gewinner aus? Und sind das denn Gewinner? Was ist Inszenierung am eigenen Schein? Wo sind Lüge und Wahrheit, wo ist Show und wo Realität?
Die weiße Bühne rief geradezu danach, dies nicht nur in den leeren Raum zu werfen, sondern die Zweifel auszudrücken, vielleicht sogar Antworten zu erspielen. Doch die Fähigkeiten des gesamten Ensembles erreichen genau an dieser Stelle ihre (bisherigen!) Grenzen.


Foto: Johannes Zantow
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