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Energieland

Ein Film über beide Seiten von CCS

von Daniel Häfner, Politik

Es ist kein umstrittener, aber ein vieldiskutierter Film, den die junge Regisseurin Johanna Ickert zum Thema CO2-Endlagerung gedreht hat. Diskutiert wird der Film wohl vor Allem, weil er von Vattenfall finanziert wurde – der Konzern aber keinen Einfluss auf den Film haben sollte.
Den Hochschulen im Land Brandenburg geht es finanziell schlecht und deshalb sind sie genötigt – oder besser sollen sie genötigt werden immer mehr Projekte mit externen Geldgebern, vor allem aus der Wirtschaft, zu realisieren. Als potenter Geldgeber wollte der Vattenfall-Konzern nun auch mit der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) kooperieren – und einen Film über die Bürgerinitiativen und die Auseinandersetzungen in Ostbrandenburg in Auftrag geben. Die wellen in der HFF schlugen hoch, denn eine Einflussnahme von Seiten der Wirtschaft auf die – freie – Dokumentarfilmkunst sollte nicht einfach hingenommen werden. Und so bahnte sich ein Kompromiss an – der aber immer noch weiter zu Diskussionen führen sollte: Vattenfall finanziert einen Film, der aber unabhängig gedreht werden soll. Und gerade dies war natürlich eine Vorlage für Gerüchte, Vermutungen, Unterstellungen, Diskussionen und auch Streitigkeiten in und um die HFF, mit den Bürgerinitiativen und auch dem Konzern.
Nun ist der Film fertig gestellt und in der Ankündigung heißt es: „Der Stromkonzern Vattenfall will in Ostbrandenburg ein CO2-Endlager für seine Kohlekraftwerke errichten - und damit das Weltklima retten. Die Gegner der CCS-Technologie fürchten nicht nur die Risiken der Verpressung, sondern eine Zementierung des bestehende Energiesystems. Ein Film über die demokratischen Herausforderungen der Energiewende.“ Zwar ist das Thema CCS zumindest in Ostbrandenburg scheinbar – vorerst – vom Tisch, doch die Diskussionen gehen weiter – auch um den Film.
Und so heiß es von der einen Seite: „Der DokFilm war eine Sensation zum osteuropäischen Filmfestival 2011 Schwerpunkt Lausitz. Geplant als Vattenfall-Werbefilm zur breiteren Technologieakzeptanz von CCS in der Bevölkerung, hat die junge Regie-Studentin Johanna Ickert die Vattenfall-'Drittmittel' genutzt, um ohne Fragen und Namen, nur mit Antworten, die Persona zur jeweiligen Seite der Barrikade Stellung nehmen zu lassen. Ein guter Film zur Meinungsbildung.“
Andere kritisieren den Film immer noch, weil er Vattenfall zu gut dastehen lasse und eine Polarisierung der Auseinandersetzung vornehme, in der auf der einen Seite (bloß) emotionale Bürgerinitiativen und auf der anderen der große profitorientierte, aber rationale Konzern stünde.
Doch was soll noch mehr über den Film geschrieben werden? Der Hintergrund ist klar und es gibt im Februar gleich drei Möglichkeiten, den Film im Obenkino zu sehen – und sich eine eigene Meinung zu bilden. Initiiert von attac, zur Verfügung gestellt und unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg wird es den Film zu sehen geben – und als besonderes Highlight wird es am 16. Februar nach der Filmvorführung ein Gespräch mit der Regisseurin geben – die berichtet, wie es ihr mit dem Film ergangen ist – und sie wird auch Fragen beantworten – obwohl sie sich schon vieles gehört hat – an Vorwürfen – aber auch an Lob. Und vielleicht sollte auch dies nicht vergessen werden: es handelt sich bei dem Film um ihre Abschlussarbeit – und ästhetisch ist der Film allemal sehenswert.
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