Home Artikel Nachrichten Heft Suche Termine

Das war: Das 2. Lausitzer Klima-und Energiecamp 2012

von Petra Altmaier, Pressegruppe, Umwelt

Das Klimacamp in der Lausitz - genauer in Cottbus - ist vorüber. Und solche Camps haben neben einer politischen Dimension immer auch eine persönliche - weil die Menschen an solchen gemeinsamen Erfahrungen wachsen. Um verschiedene Dimensionen und Perspektiven darzustellen haben wir gleich drei - verschiedene - Abschlusstexte zur Veröffentlichung ausgewählt. Diese stammen, wie die Fotos, von sehr engagierten Menschen bei der Organisation des Camps - denen wir auf diese Weise auch danken wollen


pictures/artikel/IMG_46251984.jpgvon einer Teilnehmerin
Vom 11. bis 19. August fand das 2. Lausitzer Klimacamp in der Lausitz im Cottbuser Strombad statt – der Standortvariante Z, nachdem eine entsprechende Fläche in Jänschwalde/Janšojce nicht wieder gefunden werden konnte.
Um die notwendigen Veränderungen für ein Leben ohne Kohle- und Atomstrom anzugehen, wurden zahlreiche Bildungsbausteine als Workshops angeboten – und zwar kostenlos für alle. Dazu gehörten Informationen über die Auswirkungen des Klimawandels und mögliche Alternativen sowie Hintergründe zur Braunkohleverstromung und der Brechung der Macht von Großkonzernen.
Leider waren die Mobilisierungserfolge in Cottbus nicht so groß wie im letzten Jahr in Jänschwalde/Janšojce.
Dennoch wurden die vielfältigen Bildungs-, Aktions-, und Diskussionsangebot des Klimacamps von den Besuchern angenommen. Trotz Polizeirepression im Vorfeld waren Einwohner*innen aus dem Jänschwalde/Janšojce häufig zu Gast im Camp – ein großer Erfolg und ein Zeichen der Verwurzelung des Camps in der Region.
Eingebettet in das Programm des Camps waren eine Demonstration in Cottbus, eine Blockade am Kraftwerk Jänschwalde und symbolische Aktionen zum Besuch des Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck. Die Demonstration am … war von Student*innen der BTU Cottbus und dem Klimacamp gestaltet worden. Die Universität Cottbus wehrt sich gegen die Fusion mit der Fachhochschule Lausitz zur „Energie-Universität“ – die Klimacamper warfen dem Politiker vor „Unter Platzeck gehen Uni und Klima baden“.
Theater unter der Brücke – solch einen Veranstaltungsort hatten selbst Schauspieler und eingefleischte Theatergänger noch nicht erlebt: Die Berliner Company, ein politisches Wandertheater, spielte ein rasantes, abwechslungsreiches und faktenfundiertes Musical, eine Klimakatastrophe mit Musik „So heiß gegessen wie gekocht“ unter der Stadtringbrücke neben dem Strombad. Die Zuschauer gaben viel Szenenapplaus.
Den Abschluss des Klimacamps bildete am Sonntagvormittag ein deutsch-sorbischer Freiluft-Gottesdienst im Cottbuser Strombad mit der Jänschwalder Pfarrerin Gabriele Neumann und dem „Braunkohle“-Pfarrer Matthias Berndt aus Atterwasch/Wótšwaš. Die Predigt gab Mut gewonnen werden, trotz aller Widrigkeiten weiterhin gegen Missstände und für die Bewahrung der Schöpfung konsequent einzutreten.
Die Repressionsversuche in Jänschwalde/Janšojce verliefen für Vattenfall weitgehend erfolglos – so fand etwa das Freundschaftsspiel zwischen dem SG Jänschwalde und dem FC Klimacamp trotz Verhinderungsstrategien und massiver Polizeipräsenz statt.
Es bleibt zu hoffen, dass Gegner*innen der Braunkohleverstromung und der damit einhergehenden Zerstörung der Lausitz/Łužyca keine weiteren Repressionen erfahren müssen.

von Petra Altmaier
Mit einer Auftaktdemonstration am Samstagsmittag und der Auftaktparty abends im Club Mangold begann am 11. August das 2. Klimacamp in der Lausitz, dass bis zum 19.08. im Cottbuser Strombad stattfand. Dieses erwies sich trotz Standortvariante Z (nachdem alle Möglichkeiten, eine Wiese in und um Jänschwalde/Janšojce zu finden, gescheitert waren) bei einer Woche Sonnenschein und der direkten Nähe zur Spree als idealer Veranstaltungsort.
Die Veränderung beginnt im Bewusstsein und wird mit Bildungsbausteinen, wie wir uns ein Leben ohne Energie aus Kohle und Atom vorstellen, mit Informationen von tatsächlichen Fakten über Klimawandel, bereits jetzt möglichen Alternativen, Hintergründen zur Braunkohleverstromung und Konzernpropaganda, unterlegt. Bildung als Waffe.
Erkläre mir, und ich werde vergessen, zeige mir, und ich werde mich erinnern, beteilige mich und ich werde es verstehen. (Konfuzius)
Das respektvolle, solidarische Miteinander der Campteilnehmer zeigte schon im Ansatz, dass eine bessere Welt möglich ist. Die vielen Dankes-Bekundungen am Ende des Klimacamps haben gezeigt, dass sich das große vielfältige Bildungs-, Aktions-, und Diskussionsangebot, mit dem ein Klimacamp wirbt, auch angenommen und mit Leben gefüllt wurde.
Symbolische Aktionen, um auf das Thema aufmerksam zu machen wie das „Badengehen“ eines Eisbärs im Cottbuser Amtsteich während der studentischen Demonstration am 14.08. gegen die Fusionierung von BTU und FH Lausitz zur „Energie-Universität“ unter dem Motto „Unter Platzeck gehen Uni und Klima baden“ und die bunte, kreative Blockade der Kraftwerksstraße angelehnt an die spanischen Assemblea, mit Plenas und Konsensfindung zu allen Belangen während der Blockade und spontanen – und gut besuchten – Workshops gaben den Beteiligten die Möglichkeit, auch nach außen aktiv zu werden.

Aus dem Hip Hop-Workshop mit „Reimteufel“ ist folgender Refrain entstanden:

Dickes C im Osten an der Spree
Wir sind hier und Vattenfall tut’s weh
Wenn Kohle zu Energie wird, wird Widerstand zur Pflicht
Uns’ re Überzeugung: anders geht es nicht!


Die leckere vegane Verpflegung für die rund 300 Teilnehmer übernahm Wam Kat, der weltberühmte politischen Volxküchen-Koch, der seit über 30 Jahren für Menschen während politischer Aktionen kocht. Ohne Mampf kein Kampf.
(siehe: Wam Kat’s 24 kulinarische Rezepte zur Weltverbesserung ISBN 978-3-936086-36-2)
Den Abschluss des Klimacamps bildete am Sonntagmorgen ein Freiluft-Gottesdienst unter zwei alten Eichen im Cottbuser Strombad mit der Pfarrerin aus Jänschwalde, Frau Neumann und dem „Braunkohle“-Pfarrer Berndt aus Atterwasch/Wótšwaš. Die Predigt, die aus dem Leben des Propheten Jeremias berichtete, gab Mut, trotz aller Widrigkeiten weiterhin gegen die Missstände und vor allem für die Bewahrung der Schöpfung konsequent einzutreten.
Das Samenkorn Widerstand wurde in die umgegrabene Lausitzer Braunkohlegegend gelegt, gelbe Kreuze wurden als Zeichen für den Widerstand gegen eine fossile und undemokratische Energieerzeugung verteilt.
Interessant wäre noch die Beantwortung der Frage, wie viele Jahre noch die Polizeidirektion mit einer falschen Gefahreneinschätzung den erhöhten Polizeieinsatz gegen Klimacamper zu rechtfertigen versucht?
Die schlechten Mobilisierungserfolge – wer in Cottbus hat nichts von dem Klimacamp in der Nachbarschaft gewusst oder getraute sich nicht, allein dorthin zu gehen? - beantworte ich gern mit einer Liedzeile von meiner Lieblingsband:
Das ist doch nicht so’ n Drama, wir üben das ein paar Mal, eines schönen Tages klappt das schon! Das ist doch hier nicht Kuba, Björn Beton [Sänger von Fettes Brot], aber super wär’ das schon – stürzt das System mit Revolution“ (meine Auslegung: der Revolutionsgedanke von der 4. Revolution, der gewünschten Energiewende nach Hermann Scheer)
Es war eine runde Sache und viele Teilnehmer nahmen einen positiven Energieschub aus der Lausitz in ihre Heimat zurück.

von der Pressegruppe
Nach acht Tagen ist das Klimacamp Cottbus am 19. August erfolgreich zu Ende gegangen. Rund 300 Klimaschützer*innen nahmen an zahlreichen Workshops, Diskussionsrunden, bunten Aktionen und einer mehrstündigen Blockade vor dem Vattenfall-Kraftwerk in Jänschwalde teil.
Die Organisator*innen und Aktivist*innen zeigten sich mit dem zweiten Klimacamp in der Lausitz sehr zufrieden. „Durch unseren bunten und kreativen Protest haben wir deutlich gemacht, dass es sehr wohl Alternativen zur herrschenden Energiepolitik gibt. Wie schon im Klimacamp im Rheinland haben sich in der Lausitz lokal Betroffene und bundesweit Aktive zusammengefunden, um gemeinsam gegen Braunkohle und für die Energiewende zu kämpfen“, so Alexander Schwarz, Pressesprecher des Klimacamps.
Auf über 50 Bildungsveranstaltungen setzten sich die Teilnehmer*innen mit Themen rund ums Klima und alternativer Energieversorgung auseinander. Vom Workshop zu regionaler Ernährung über einen Tagebaubesuch in Lacoma mit der Grünen Liga Cottbus bis hin zu Gesprächsrunden über Energiekämpfe waren zahlreiche Themen vertreten. Unter anderem diskutierten die Klimaschützer*innen mit lokalen Bürger*innen bei einem Kneipenbesuch über die Herausforderungen eines langfristigen Strukturwandels in der Lausitz. Im Theaterstück “So heiß gegessen wie gekocht” von der Berliner Compagnie wurden auch viele Anwohner*innen, die vom Braunkohletagebau betroffen sind, über die Folgen des Klimawandels anschaulich und humorvoll aufgeklärt. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf dem Camp wurde heiß, biologisch und vegan gekocht, um so ressourcenschonend wie möglich zu leben.
Höhepunkt des Klimacamps war eine Demonstration mit anschließender Sitzblockade vor dem Vattenfall-Kraftwerk Jänschwalde. Mit rund 150 Leuten besetzten die Klimacamper*innen für mehrere Stunden eine Zufahrtsstraße und ein Kraftwerksgleis, auf dem Kohlezüge verkehren. Alexander Schwarz sagte dazu: „Unser Protest vor Ort richtet sich sowohl gegen die Klimaschädlichkeit des zweitgrößten Kohlekraftwerks Deutschlands als auch gegen die fatalen sozialen Folgen des Braunkohleabbaus. Vattenfall plant derzeit drei neue Tagebaue aufzuschließen, was zur zwangsweisen Umsiedlung von 1.500 Menschen in den Dörfern Atterwasch, Grabko und Kerkwitz führen würde. Wir fordern von der Landesregierung, den langfristigen Strukturwandel in der Lausitz einzuleiten, die Energiewende zu ermöglichen und damit auch die selbstgesteckten Klimaschutzziele zu erreichen.“
Bedroht von der Abbaggerung ist auch die sorbische Kultur in der Lausitz, worauf die sorbische Band ‚BerlinskaDroha‘ und der ‚Geigerzähler mit Atze Wellblech‘ im Abschlusskonzert des Camps aufmerksam machten. Neben diesen heizte dem Publikum auch der ‚Reimteufel‘ aus Leipzig mit knackigen Beats ein. Am Sonntag rundete ein Abschlussgottesdienst mit Pfarrer Matthias Bernd aus Atterwasch das Programm ab.
Bestärkt durch den Austausch, mit vielen praktischen Ideen im Kopf und Plänen für die nächsten Treffen in der Tasche, gehen die Klimaschützer*innen nun in ihre lokalen Zusammenhänge zurück. Die Klimabewegung trifft sich zur Planung weiter gemeinsamer Aktionen das nächste Mal vom 9.-11. November 2012 in Köln bei einer Konferenz zu ‚Energiekämpfen in Bewegung‘.
home - artikel - heftarchiv - nachrichten - impressum - datenschutz
folge uns: Facebook - Twitter
Blicklicht, www.kultur-cottbus.de © 2018 Blattwerk e.V. Cottbus