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Gesehen: Ein Abend Rüdiger Warnstädt

19. Oktober 2012, Staatstheater, Kammerbühne

von Christiane Freitag, Kultur

pictures/artikel/IMG_55145638.jpg„Der Mann der Mann, der mit den Blumen schmeißt“, überschreibt das Staatstheater die Lesung von Rüdiger Warnstädt. Und mehr weiß ich von ihm bisher auch nicht – nicht mehr, als dass er derjenige ist, der nach jeder Opernpremiere das Opernensemble mit Blumensträußen bewirft. Grund genug also mehr über den Urheber dieses mittlerweile schon fest etablierten Brauchs herausfinden. Ich gehe also zur Lesung und bemerke, was er zu erzählen hat und was ich über ihn heraus finde, ist wirklich spannend. Nicht nur ist er eine Kultfigur der Berliner Justiz (er war Amtsrichter - „Richter des Volkes auf einem einfachen Stuhl“ - des Kriminalgerichts Moabit - seine Verhandlungen waren regelmäßig „ausverkauft“). Nein, während dieses kurzweiligen, amüsanten, geistreichen, unterhaltsamen und sinnigen Abends, so die Worte Sigrun Morgenthals, eine Zuhörerin an diesem Abend, lerne ich ihn als erfahrenen, charmanten, wortgewandten aber auch frech-renitenten Herren kennen. Mit viel Wortwitz und der ein oder anderen Anekdote im Gepäck präsentiert er sein ungeahntes Talent als Autor und Geschichtenerzähler. Richter a.D. Warnstädt spricht aus seiner Vergangenheit, seiner Zeit mit Justitia, zwischen Ost und West und als Theaterliebhaber. Dabei schweift er immer wieder und weit vom Thema ab (der Lesung, für die er sich doch extra ein Acht-Punkte-Programm gemacht hatte) und scheut sich dabei vor allem nicht seine Meinung auszusprechen. Dies, wenn man seinen Geschichten glaubt, nicht nur in seinen Büchern, sondern immer und jederzeit, wenn ihm „dummes Geschwätz“ unterkommt.
So zeichnet sich während der zweistündigen Lesung dann eines ganz deutlich ab: er ist ein (Berliner) Unikat. Und als solches ist er alles andere als auf den Mund gefallen. Nur als Rüdiger Warnstädt am Ende selbst mit einem Blumenregen verabschiedet wird, erlebte ich etwas, dass wohl selten vorkommt: Da war er dann doch ein kleines bisschen sprachlos.


Foto: Sigrun Morgenthal
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