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Gesehen: ROMEO UND JULIA

Ballett, Premiere am 5. Oktober 2012 (gesehen am 12.10.), Staatstheater

von Christiane Freitag, Kultur

pictures/artikel/IMG_55145861.jpgSo oft das Romeo-und-Julia-Thema auch schon verwendet wurde, so oft es schon für mehr oder weniger romantischen Kitsch genutzt wurde, man wird der Geschichte der tragisch Liebenden einfach nicht überdrüssig (ich zumindest). Und so freue ich mich besonders, dass das Staatstheater sie zurück auf die Bühne holt - und das dann auch noch in einer so bezaubernd gelungen-schönen Inszenierung (Choreografie: Ralf Rossa).
Ganz ohne großen Kitsch und viel Brimborium tanzen sich hier Romeo (Stefan Kulhawec) und Julia (Venira Welijan) durch ihr Schicksal - live begleitet von einem unüberhörbaren, ungewohnt kräftig-lautem Orchester (musikalische Leitung: GMD Evan Christ, der Musiker sogar in beiden Logen [Balkonen!] platziert).
Geliebt, gehasst, gekämpft und getanzt wird dabei zu Sergei Prokofjews Romeo und Julia Musik. 1935/36 (opus 64) komponierte er dieses, sein längstes, bekanntestes und bedeutendstes Ballett. Reiche und vielfältige Instrumentierung sowie rhythmische Komplexität machen dieses Werk zu einer Herausforderung für jedes Orchester und jedes Tanzensemble. Von jenen vermeintlichen Schwierigkeiten ist in der hiesigen Inszenierung nichts zu merken. Ganz im Gegenteil. Sicher und genau, exakt und präzise - das sind sowohl Tänzer als auch Orchester. JedeR einzelne TänzerIN brilliert in der eigenen Rolle, ob groß oder klein, tragisch oder komisch. Allen voran eine fast unheimlich ausdrucksstarke, anmutige und strahlende Venira Welijan als Julia. Alle Mitwirkenden machen diese Inszenierung nicht zu einem Romeo-und-Julia-Ballett unter Tausenden sondern zu ihrem Romeo-und-Julia-Ballett. Es tanzen in weiteren Rollen: Claudia Czyz, Jennifer Hebekerl, Inmaculada Marín Lopéz, Denise Ruddock, István Farkas, Aslanbek Kotsoev, Marek Ludwisiak, Thomas Mietk und Martin Zanotti. Sie alle erzählen die Geschichte in vielerlei Hinsicht neu - mal mit der Hektik eines Stummfilms, mal mit der Tragik eines Dramas und mal mit der Romantik eines Liebesfilms. Diese Inszenierung ist dabei so sympathisch, dass man sie nur lieben kann. Auch Kostüme (Nicole Lorenz) und Bühnenbild (Matthias Hönig) stehen dem in Nichts nach. Sie sind schlicht gehalten, überzeugen genau mit dieser Einfachheit und geben den ohnehin tollen tänzerischen Leistungen den letzten Schliff. So als könne es gar nicht anders sein. Und es ist genau diese Selbstverständlichkeit, mit der dieses Ballett besticht. Eine Selbstverständlichkeit im positiven Sinne natürlich, denn alles, so wie es ist - jeder Schritt, jede Bewegung, jedes Requisit usw. - erscheint genau richtig, so als gehöre es genau dorthin, wo es ist.
Diese Ballettinszenierung kommt von Herzen und geht auch auf direktem Wege dort hinein. Sie ist gleichermaßen herzergreifend wie -zerreißend, komisch wie tragisch, einfach wie komplex. Es ist diese Art von Inszenierung, in der einfach alles vom ersten Tanzschritt bis zur letzten Note stimmt, eine, in der nichts zu viel und nichts zu wenig ist, eine, mit Worten nicht zu beschreiben, eine, die einfach nur schön ist, eine, die einen glücklichen, zufriedenen und vor allem begeisterten Zuschauer hinterlässt.
Bravo!


Foto: Marlies Kross
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