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Ringvorlesung Medizin, Ethik, Technik

Interview

von Christiane Freitag, Bildung

Prof. Hans Friesen vertritt derzeit die Professur für Kulturphilosophie an der BTU Cottbus. Gemeinsam mit dem Lehrstuhl für allgemeine Technikwissenschaften, der von Prof. Karsten Weber vertreten wird, und dem leitenden Oberarzt Dr. med. Andreas Linsa vom Carl-Thiem-Klinikum Cottbus richtet er in diesem Wintersemester die Ringvorlesung an der BTU aus.

Das Thema dieser Ringvorlesung lautet Medizin Ethik Technik. Was führt zur Wahl dieses Themas?
Mit diesem Thema kann man die Stellung und Bedeutung der modernen Medizin in der heutigen pluralistischen Gesellschaft sehr gut verständlich machen. Das Thema Gesundheit wird in unserer derzeitigen Gesellschaft zwar einerseits als einer der zentralsten Aspekte eines lebenswerten menschlichen Lebens betrachtet, andererseits aber rückt in der letzten Jahren immer mehr die Frage der Gesundheitskosten und deren zukünftige Finanzierbarkeit in den Vordergrund der Öffentlichkeit. Über die sicherlich gewichtigen ökonomischen Probleme, die von allen Beteiligten mit der Politik diskutiert und schnellstmöglich gelöst werden müssen, spielen in diesem Kontext weiterhin Fragen der Gewichtung unserer Vorstellungen über den Wert des menschlichen Lebens eine entscheidende Rolle. Insbesondere durch den Einsatz neuer medizintechnischer Verfahren werden seit einigen Jahren völlig neue moralische Probleme aufgeworfen. Bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, schwerer Demenz und apallischem Syndrom etwa stellt sich immer wieder die Frage, ob das mit technischer Unterstützung therapeutisch Machbare für den Patienten wirklich sinnvoll ist und auch ethisch angemessen vertreten werden kann. Nicht nur Ärzte und Pflegende im klinischen Alltag stehen damit vor schwerwiegenden Herausforderungen, sondern auch die Patienten und deren Angehörige.

Neben Dozenten der BTU werden auch Lehrende anderer Hochschulen und Ärzte des Carl-Thiem-Klinikums Vorträge halten. Auf welche Themenschwerpunkte können sich die Hörer einstellen?
Die Medizinethik ist eine Bereichsethik, für die nicht mehr ausschließlich die Philosophen zuständig sind; sie erfordert die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Medizinern. Mit unserer Ringvorlesung soll dazu ein Beitrag geleistet werden. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen das Arzt-Patient-Verhältnis, die Patientenselbstbestimmung, der Gesundheitsbegriff, die normativen Fragen der Gesundheitstechnik, das Hirntodkriterium, die Organtransplantation sowie die ökonomischen Fragen des Krankenhausmanagements.

Welches Publikum soll mit der Ringvorlesung angesprochen werden? Was macht die Ringvorlesung, Ihrer Meinung nach, für diese Gruppen interessant?
Die Themen der Medizinethik gehen allen Menschen etwas an, weil jeder krank werden kann und dann auf medizinische Hilfe angewiesen ist. Die Ringvorlesung soll die verschiedenen Themenstellungen der Medizinethik aber nicht nur den Studenten der BTU Cottbus vermitteln, sondern insbesondere auch interessierten Bürgern aus der Cottbuser Bevölkerung. Vor dem Hintergrund der wachsenden Herausforderungen durch die medizintechnischen Fortschritte werden von den Referenten verständlich ausformulierte Orientierungshilfen sowohl für die Studierenden als auch für interessierte Bürger dargestellt.

Haben Sie selbst einen Bezug zum Thema?
Ich selbst beschäftige mich seit vielen Jahren schon mit der Angewandten Ethik. Diese Form der Ethik bewegt sich im Übergangsbereich zwischen der allgemeinen philosophischen Ethik und unterschiedlichen Problemfeldern (wie Medizin, Wirtschaft, Umwelt etc.) und erfordert spezifische, d.h. interdisziplinär gewonnene Problemlösungen. Als Philosoph suche ich also immer wieder den Kontakt zur Medizin, um durch den interdisziplinären Austausch neue überzeugende ethische Problemlösungen angesichts der weiter wachsenden medizintechnischen Fortschritte zu erzielen.

Wann beginnt die Ringvorlesung und wo findet sie statt?
Die Ringvorlesung findet jeden Mittwoch von 19.30 bis 21.00 Uhr im Hörsaal 2 der BTU Cottbus statt. Sie begann am 17. Oktober und endet am 06. Februar 2013
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