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Gesehen: Stage Theater des Westens, Tanz der Vampire

von Christiane Freitag, Kultur

pictures/artikel/IMG_62063688.jpgMan kann von Musicals halten was man will, Tanz der Vampire gehört definitiv zu denen, die dann doch auch den letzten Musical-Kritiker überzeugen. Wer einseitiges Singe-Hüpfen erwartet, der hat weit gefehlt. Denn Tanz der Vampire ist mehr: aufwendige/s Show, Theater, Musical - und das alles in Einem.
Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen bzw. ist das noch nicht mal ansatzweise eine angemessene Beschreibung dieses Abends: Ich finde mich also in diesem architektonischen Kuriosum Stage Theater des Westens wieder. Düster beleuchtet ist der Saal, ein Vampir-Plastegebiss und kreisende Fledermaus-Schatten werden an den Vorhang projiziert. Wir sind zwei von über 65 Millionen, die das Musical seit 1997 gesehen haben. Was Roman Polanski 1967 als Film (Fearless Vampire Killers or Pardon Me But Your Teeth Are In My Neck) auf die Leinwand brachte, schaffte es 30 Jahre später in Wien auf die Bühne – ebenfalls mit Polanski als Regisseur. Seit dem ist das Musical auf Erfolgskurs (oder mittlerweile schon ein Klassiker), was wohl nicht zuletzt an der Musik liegt, ist schließlich „Total Eclipse of the Heart“, ein Song mit dem Bonnie Tyler einen riesen Hit landete, Grundlage des Musicals (Musik: Jim Steinman).
Tanz der Vampire erzählt die Geschichte des Vampirforschers Professor Abronsius (Veit Schäfermeier) und seines schüchternen Studiosus Alfred (Michael Heller), die zu Forschungszwecken nach Transsylvanien reisen. Es erzählt aber auch die Geschichte von Sarah (Amelie Dobler), die sich auf der Suche nach einem anderen Leben zum düsteren Graf von Krolock (Thomas Borchert) hingezogen fühlt. Und wie sich das für jedes gute Musical gehört, gibt es auch hier eine Liebesgeschichte, die von Sarah und Alfred nämlich, die sich auf dem Reisezwischenstopp von Abronsius und Alfred in Haus der Familie Sarahs kennenlernen.
Die bühnentechnische und szenische Umsetzung dieser Geschichte(n) ist einfach atemberaubend. Das Bühnenbild ist so genial wie spektakulär. (20 LKWs wurden benötigt um die Maschinerien und das Bühnenbild in mehreren Touren innerhalb von 4 Tagen anzuliefern). Oft ertappe ich mich dabei, wie ich staunend, wie ein kleines Kind im Saal herumschaue. Es trifft detailreiches Bühnenbild auf innovativ-raffinierte Licht und Ton-Technik – innerhalb von Sekunden entstehen neue Welten, die im Übrigen auch das Publikum mit einbeziehen. So können (künstliche) Vampirfinger schon mal die Schulter streifen oder das Knie berühren und zu einigen erschreckten Quietschern unter den Zuschauern führen. Beeindruckend sind in diesem Zusammenhang ein paar Inventarstatistiken. So gibt es für das Musical 230 handbemalte Kostüme, 200 Paar Schuhe, 80 Paar Handschuhe mit 800 künstlichen Fingernägeln, 300 künstliche Fingerkuppen, 150 Perücken für die 11kg Echthaar verwendet wurden, 2 Gebisse pro Darsteller, 3 Blutbeutel, die pro Vorstellung für die Vampirbisse verbraucht werden und so weiter…
Dieses wahre Bühnenkaleidoskop komplettieren die Darsteller und die Tänzer. In drollig-erheiternden und schaurig-gruseligen Szenen, wunderschön-romantischen Balladen und Duetten sowie aufwendigen Tanznummern hauchen sie opulenten Bühnenbild leben ein und beweisen, dass Musical nichts für Softies ist: So beträgt die Schminkzeit von z.B. Graf von Krolock ca. 1 1/2h, in denen auch seine Hände komplett geschminkt werden und er extralange Fingernägel aufgeklebt bekommt. Neben der langen Schminkzeiten vor der Vorstellung kommen noch 2-5-mal Umschminken währenddessen und sogenannte „Quick-Changes“ also das Wechseln des Kostüms und kürzester Zeit dazu. Täglich in ihre Vampircharaktere zu schlüpfen verlangt den Darstellern so einiges ab. Dass sie auch auf der Bühne alles geben, ist unverkennbar. Thomas Borchert, Amélie Dobler, Franz Frickel, Michael Heller, Jerzy Jeszke, Goele de Raedt, Sven Tummeleer, Stefan Büdenbender, Barbar Raunegger (Hauptrollen); Pierre Damen, Paula Ferreira, Csaba Nagy (Tanzsolisten); Christopher Busse, Florian Soyka (Gesangssolisten); Kym Boyson, Brett Hibbertd, Allan Kelly, Anna Lopusny, Sandra Milly, Toby Poole, Judit Szoboszlay (Tanzensemble); Elke Buyle, Zoltán Fekete, Judith Jandl, Kevin Köhler, Angelina Markiefka, Silvano Marraffa, Nina Ungerer, Linda Veenhuizen (Gesangsensemble) sowie Dirigent Shay Cohen und das Orchester des Stage Theater des Westens – alle diese Beteiligten haben die stehenden Ovationen dieses Abends mehr als verdient. Vielen Dank für diesen WOW-Abend.


Foto: STAGE THEATER DES WESTENS, Stage Entertainment
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