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Gesehen: Madame Pompadour

Premiere, 26.01.2013, Staatstheater Großes Haus

von Christiane Freitag, Kultur

pictures/artikel/IMG_65184001.jpgBunt, laut und auch geheimnisvoll ging es zu zwischen 26. Januar und 10. Februar im Staatstheater. Rot-blaues Licht, viel nackte Haut, schillernde Kostüme und Masken - es muss wohl das alljährliche Karnevalsspektakel sein, dass das Theater in diesen Ausnahmezustand versetzte: Schon eine Stunde vor Vorstellungsbeginn konnte man in den verworrenen Gängen des Hauses, auf dem Weg zum Saal, in Kellern, auf Treppen und in geheimen Räumen auf allerhand Kurioses treffen. Manchmal gruselig, manchmal skurril und manchmal auch verrucht-erotisch.
Doch wohin führte dieser Weg? Er führte zu keiner geringeren als Madame Pompadour (Gesine Forberger). Jene, die sich in eine neue Affäre mit René, Graf d’Estrades (Jens Klaus Wilde) stürzend, mit dem Polizeiminister Maurepas (Jörn E. Werner) und seinem durchaus cleveren Handlanger Poulard (Dirk Kleinke) herumschlagen muss, der nach dem Ende ihrer Karriere als Mätresse König Ludwig XV. (Andres Jäpel) trachtet. Heiter und turbulent geht es zu in dem Katz-und-Maus-Spiel, auf einer Bühne (Bühnenbild: Friedrich Eggert), die Ihresgleichen sucht: 1:1 und bis ins kleinste Detail wurden hier architektonisch Elemente des großen Hauses aufgegriffen und zu einem stimmigen und variablen Bühnenbild verarbeitet. Ebenso detailliert wie auch die Kostüme (Susanne Suhr): Überall etwas zu entdecken, jedes Kostüm mit wahrer Hingabe gestaltet. Optisch ergab sich so ein beeindruckendes Bild. Die Inszenierung Bernd Mottls (der auch schon Egmont in Cottbus auf die Bühne brachte) hätte das zwar nicht gebraucht, wurde so aber zu einem runden und zeitgleich opulenten Erlebnis. Sei es die wilde Partyszene, die romantische Liebesszene oder ein wildes Wortgefecht: Hier war mit Bernd Mottl einer am Werk, der offensichtlich sein Fach versteht und vor allem die SängerInnen und TänzerInnen zu Bestleistungen antrieb. Ob die gewitzt-kokette Madame Pompadour, der senil-tattrige König Ludwig, der verliebt-charmante Graf d’Estradas und seine vom häßlichen-Entlein-zum-schönen-Schwan-Ehefrau Madeleine (Debra Stanley), die aufgedreht-quirlige Belotte (Nora Lentner/Cornelia Zink), der verpeilt-´begabte´ Dichter Joseph Calicot (Heiko Walter), der etwas minderbemittelte Horch-und-Guck-Polizeiminister mit seinem ihm überlegen-cleveren Spitzel Poulard oder der Opernchor, der für seine loriot-esque Audienzszene verdientermaßen mehr als einen Szeneapplaus einheimste, alle wuchsen sie in diesem Stück über sich hinaus – der eine etwas mehr, der andere etwas weniger. In jedem Fall viele, denn außer Solisten und Chor waren auch das Ballett und etliche Statisten aufgeboten.
Ein klein wenig im Hintergrund bei allem Trubel die Musik des Philharmonischen Orchesters unter Leitung von Marc Niemann. Dies allerdings nicht geschuldet deren Spiel, sondern der relativen Anspruchslosigkeit der Komposition.
Leo Falls Operette Madame Pompadour war bereits 1922 ein Kassenschlager und war es auch 2013. Sie gehört zu den eher selten gespielten Operetten und hat doch ihren ganzen eigenen Charme und Esprit, sprüht nur so vor Witz, Eleganz und Erotik. Gut darin versteckt finden sich aber auch philosophische Überlegungen zur freien Liebe und gesellschaftskritische Andeutungen. Es handelt sich hier also in keinster Weise um ein reines ‚Lustspiel‘. Glücklicherweise ist von diesem doppelten Geist in der Cottbusser Inszenierung nichts verloren gegangen und so war das diesjährige Karnevalsspektakel im Staatstheater ein wahrhaft frivoles Erlebnis.


Foto: Marlies Kross
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