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Unser Ausflugstest

Burg - Das Spreewald-Thermenhotel

von Jens Pittasch, Cottbus

pictures/artikel/IMG_84193276.jpgZwischen dem Weiß der verschneiten Wiese, dem Trübweiß des Februarhimmels und vor dem Hintergrund des schwarz kahlen Waldes ist er fast zu übersehen, der schlichte, steingraue, funktional wirkende Neubau des Spreewald-Thermenhotels. Das wird sich wohl auch im Sommer, zwischen Blättergrün und Himmelsblau, nicht so sehr ändern.
Ähnlich, wie die Spreewaldtherme selbst sich trotz ihrer Größe doch fast versteckt. Leider finden sich Mut und Ideen der Thermen-Architektur nun im Hotelbau nicht fortgesetzt. Zumindest nicht außen. Wo die geschilderte Unauffälligkeit der einen Seite dem Schrecken über eine Art überdimensionierten Flughafen-Finger, auf der anderen Seite, Platz macht. Dieser weiße Stahl- und Plastikwurm auf Stelzen ist hier keine Fluggastbrücke, sondern als Barfußgang die Brücke zwischen Spreewald-Hotel und Spreewald-Therme.
Sicher ist diese Verfehlung nur einer der Punkte, weshalb sich viele Bewohner des Spreewald-Kurortes einig sind in ihrer Ablehnung. Und dabei vergessen, dass die Soletherme seit ihrer Eröffnung 2005 zu einem wesentlichen Faktor geworden ist, die fast totale Saisonabhängigkeit des Burger Tourismus zu überwinden. Ich erinnere mich noch gut, dass es vorher nahezu unmöglich war, an einem schönen Wintertag ein offenes Café, Restaurant oder gar Hotel zu finden. Anstürmende Besucher bei gefrorenen Fließen standen frierend im Freien und staunten über „Geschlossen“-Schilder an fast jeder Tür.
Das hat sich gründlich geändert, außer der Kannewischer-Gruppe die Therme und Hotel baute, fanden Andere den Mut, Konzepte zu überdenken, zu Modernisieren, Neues zu schaffen und Ganzjährigkeit zu versuchen. Etliche in Burg leben davon und klagen doch zugleich über mehr Autos und mehr Paddler.
Ganz klar, sind die Autos ein Problem. Autos sind es dann auch, was man im Näherkommen sofort sieht; 100 Stellplätze sind 100 Stellplätze (für 83 Zimmer, 55 Mitarbeiter). Einen möglichen Konferenzbetrieb mit weiteren 100 Personen mag man sich da lieber noch nicht vorstellen. Zur Hälfte kreisen PKWs das Hotel ein und sind unschöner Blickfang aus vielen Zimmern. Hier versteckt sich nichts, noch nicht. Denn zumindest von der Straße aus soll alles blickdicht bepflanzt werden. Sich die Fahrzeuge auf´s Grundstück zu holen und so überhaupt verstecken zu können, ist eine Entscheidung des Bauherren. Die Gemeinde wollte diese entlang der Ringchaussee aufstellen.
Doch sind das halt Notwendigkeiten. Kein Hotelgast wird einen P&R Parkplatz irgendwo im Wald akzeptieren. Und es sind Äußerlichkeiten, wir wollen nun ins Innere schauen.
Die vom Bauherren beauftragten 4a Architekten, Stuttgart, schufen einen Ort, der sein Äußeres sofort vergessen lässt, wenn man das Haus betritt. Und der hier auch gestalterische Verbindungen zur Therme herstellt, die außen so missglückten. Eine baukörperseitige Strenge trifft auf eine Raumgestaltung in Farben, Formen, Mobiliar, Material und Details, die sofortiges Wohlbefinden schafft. Gelangt man auf dem Weg zum Zimmer in den offenen Treppenraum, stellt sich ganz von selbst ein Lächeln ein, über die hier gefundene, so andere Lösung des üblichen Hotelflurs. Die nächste Freude folgt nach dem Öffnen des persönlichen Reiches der Gäste: nahezu perfekt gelungen ist die Synthese aus Funktion, Schönheit, Harmonie und Wohlfühlen.
Auf den Betten warten Bademäntel und Saunatücher, leichte Schuhe stehen davor und so geht es nach kurzem Erkunden durch den Barfußgang zur Therme. Die bekannten Transponder-Armbänder sorgen für sich öffnende Drehkreuze und die bargeldlose spätere Zahlung vom Gastronomie-, Sport- oder Wellnessangeboten. Der Eintritt zur Therme selbst, einschließlich Saunagarten, ist im Preis des Hotelzimmers für den gesamten Aufenthalt inklusive.
Nach einem Nachmittag zwischen Solewasser, Entspannungsliegen und Saunieren ist es Zeit, das Hotelrestaurant zu probieren und später für ein paar Schwimmrunden unter dem Nachthimmel zurück zu kommen.
Der Gastronomiebereich des Hotels umfasst mehrere, teils nur optisch unterschiedene, teils abgetrennte oder auch teilbare Räume, so dass auf unterschiedliche Anforderungen reagiert werden kann. So können Nutzer der drei (zusammenlegbaren) Konferenzräume ihre Teilnehmer beispielsweise versorgen, ohne zuviel Unruhe für Erholungssuchende zu schaffen.
Der an diesem Abend betriebene Teil ist schön, verdient jedoch etwas mehr Auflockerung in der Verteilung und Anordnung der Tische. So offen und aufgereiht könnte es auch gut eine Kantine sein.
Die wirklich sehr überschaubare Speisekarte signalisiert hohen Anspruch bei frischer Zubereitung, was die Beschreibungen der Gerichte und die entsprechend längere Weinkarte noch unterstreichen möchten. Zwei Kostproben sind schnell gefunden, für große Vorfreude bleibt dann allerdings erstaunlich wenig Zeit, viel zu wenig für eine frische Zubereitung. Das Ergebnis ist dann nicht sehr überraschend, es ist gut, kann den erweckten Anspruch aber nicht erreichen. Da will jemand, kann es aber nicht besser und ist zudem verliebt.
Nicht sonderlich verwöhnt also wieder Zimmer-Bademäntel-Barfußgang, schließlich gibt es in der Therme ja auch ein Restaurant. Das wirbt mit „Jung. Modern. Gesund.“, heimischen Zutaten, Frische, Gesundheit und Wellnessorientierung. Zumindest früher hielt es dieses Versprechen auch ein und war ganz anders, als eben Schwimmbadessen. Das ist es auch weiterhin, doch seit 2005 hat sich zu viel Alltag eingestellt und die Motivation zur ständigen Verbesserung ging ein Stück weit verloren.
Also lieber noch im warmen Wasser treiben und 22 Uhr hinüber ins Hotel.
Es bleibt noch die einladende Bar zu testen und das sehr schöne Zimmer fertig zu erkunden. Auswahl, freundliche und persönliche Bedienung und Preise der Bar sind zu empfehlen, leider zeigt sich der Nachteil der offenen Gestaltung, als nur vier hinzukommende, plautzige Gäste die anfangs angenehm loungige Stimmung verdarben. Apropos Lounge. Es sollte jemand den Verantwortlichen für die musikalische Berieselung eine zweite CD schenken oder zeigen, wie man eine neue Playlist erstellt. Und dies bitte auch mit Anspruch. Denn ob beim Eintreffen, Abendessen, an der Bar oder am Morgen: Es spielte stets das gleiche wirklich anspruchslose Gedüdel, das eher aggressiv macht, als entspannt. Auch ohne die vier Hinzugekommenen hätte uns das von der Bar vertrieben. Schlecht für Stimmung und Umsatz.
Eine Ecke weiter, im schon erwähnten Treppenhaus und eine Tür weiter, im eigenen Zimmer, stellt sich die gute Laune zum Glück schnell wieder ein, bleibt bis zum Morgen und wird richtig groß beim Anblick des Frühstücksbuffets. Es geht also doch. Und wie. Vielfalt, Frische, Ideen, Regionalität, Schauküche, Gesundes, Leckeres - man braucht eine Woche, um die Möglichkeiten zu kosten. Dazu die strahlende Spreewald-Winterwelt vor den Fenstern, was will man mehr?
Ach ja, und Check-Out ist erst um Zwölf. Also? Sie wissen schon was kommt? Richtig: Zimmer-Bademäntel-Barfußgang!
Als Fazit bleibt eine große Empfehlung für diese Art des Einfach-mal-Blau-Machens vor den Toren der Stadt für Cottbuser, für zwei bis fünf Tage zu jeder Jahreszeit für Dresdner, Leipziger und Berliner. Und für den richtigen Spreewald-Paddel- und -Rad-Urlaub sowieso.


Informationen & Kontakte:
„Spreewald Thermenhotel“
Ringchaussee 152, 03096 Burg (Spreewald)
Telefon: 035603-1885-0, Mail: info@spreewald-thermenhotel.de
Internet: www.spreewald-thermenhotel.de
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