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Gesehen: Move on! Classic & Clubbing

2. März 2013, dkw

von Jens Pittasch, Kultur

Volles Haus um Mitternacht. Einige Museen versuchen das, mit verschiedenen Konzepten und unterschiedlichem Erfolg. In Cottbus klappt es seit einigen Jahren immer dann richtig gut, wenn der Generalmusikdirektor des Staatstheaters Evan Christ tief in die Notenkiste greift und mit seinen Musikern diesen Ort der bildenden Kunst klassisch erklingen lässt. Aus Platzgründen vom Foyer unter der Treppe bis in den Nebenraum geschwungen sitzt das Philharmonische Orchester, in zwei Ebenen dicht umringt von Besuchern, bunt beleuchtet und alles reflektiert nochmals zu sehen im Glasdach. Eine sehr schöne Atmosphäre mit einem vorherigen und einem anschließenden Teil. Denn schon ab 22 Uhr können die Gäste die aktuellen Ausstellungen besuchen, in diesem Jahr, neben den großformatigen fotografische Porträts des Künstlerduos Clegg & Guttmann, besonders beachtenswert der Einblick in die Sammlungen des Hauses zum gleichen Thema. Die Beschreibung zu Clegg & Guttmann meint, dass diese „zum Aufregendsten gehören, was dieses Genre zu bieten hat“. Nun ja. Wer auf gestellte, unscharfe Großbilder steht, mag das so empfinden. Zum Glück kenne ich im Genre Fotografie, gerade auch in der Porträtfotografie, doch wesentlich Aufregenderes. Der gezeigte Sammlungsquerschnitt dagegen lohnte die genaue Erkundung.
Schlag Mitternacht ließ Evan Christ dann die Geister los, nach der „Feuer-Sinfonie“ von Joseph Haydn ging es in die ebenfalls sehr bildhaften und damit am passenden Ort gespielten Sätze der Orchestersuite „Der Bürger als Edelmann“ von Richard Strauss. Ein Hörgenuss, der im Sitzen noch wesentlich größer gewesen wäre. Im zugigen Foyer könnten es 20 Minuten weniger sein. So stieg das Grundrauschen durch zuvor eingestellte Gespräche und Getränkenachschubholer doch deutlich an. Ein ganz grundsätzlich wunderbarer Aspekt des Konzeptes ist es, dass Klassik hier nicht nur in anderem Rahmen präsentiert wird, sondern auch viele neue Hörer erreicht und begeistert. Deutlich wurde dies am satzweisen Applaus und den auch sonst etwas lebhafteren Beifallsbekundungen.
Alles könnte nun so schön gewesen sein - beziehungsweise eben weitergehen können - hätte nicht Madame Tinto den Clubbing-Teil der Nacht in einer Lahmtaktmischung erstickt, gegen die „Modern Talking“ geradezu avantgardistisch waren und selbst „Cascada“-Schnulli pure Vielfalt ist. Klar, es heißt „clubbing“, doch gibt es das wirklich auch ohne Sedativa. Und - ich wiederhole mich da (un)gern - das gibt es von Cottbusern wesentlich besser. Und um die Erwiderung, dass doch Leute tanzten, vorweg zu nehmen: Ja. Zum einen (Publikumsschelte, sorry) fehlte da einigen ganz sicher die Vergleichsmöglichkeit. Zum anderen eben trübe Miene zum lahmen Spiel. Ein paar Minuten haben wir´s auch probiert, wollten uns Madams Rumsbums aber nicht schöntrinken.
Trotzdem: Ein wunderbares Format. Ein großartiges Orchester. Bestens organisiert und realisiert. Vielen Dank an die Macher.
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