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Gesehen: Windhunde und Turteltauben

Kammerbühne, Premiere 23.2.13

von Christiane Freitag, Kultur

Szenen einer Ehe – so könnten man die Komödie „Windhunde und Turteltauben“, die am 23. Februar 2013 in der Kammerbühne Premiere feierte wohl ganz trefflich untertiteln. Acht Einakter des französischen Romanciers und Satiriker Georges Courtelines verband Regisseurin Milena Paulovics miteinander, verlegte sie in die Zeit des Wirtschaftswunders und ließ so dieses sympathische Stück entstehen. Allesamt handeln die Stücklein von Frau und Mann und vor allem von deren Miteinander, greifen aber auch die bisweilen grotesken Eigenheiten des Beamtenlebens auf – es geht eben um Windhunde und Turteltauben.
Zwischen den Wehen des Ehelebens der Boulingrins, dem Beamtenleben des Oliver Badins und dem kuriosen „Gast“ beim Kommissär geschieht es dann aber leider auch, dass man in dieser Inszenierung auf verschiedene Erzählstränge trifft, deren Zusammenhang sich nur schwer herstellen lässt, so dass man am Ende ein wenig ratlos darüber ist, was man da jetzt eigentlich gerade gesehen hat und warum.
Nichtsdestotrotz ist Windhunde und Turteltauben ein witziges, temporeiches und auch spontanes Schauspiel, das mit Situationskomik ebenso überzeugt wie mit großartigen und wandelbaren Schauspielern (Susann Thiede, Rolf-Jürgen Gebert, Gunnar Golkowski, Michael von Bennigsen), die auch ihren Spaß am Treiben auf der Bühne haben - zumindest können sie das ein oder andere Schmunzeln dann doch nicht ganz verbergen. Allen voran gefällt Susann Thiede, die wieder einmal beweist, welch unglaublich komisches Talent in ihr steckt. Aber auch Gunnar Golkowski, der als geiziger Ehemann, als auch als offenkundig Wahnsinniger so köstlich spleenig ist, Rolf-Jürgen Gebert, der vor allem als Kommissär oder als hilfsbereiter Unfallhelfer so wunderbar sympahtisch-amüsant ist und Michael von Benningsen, der als arbeitsscheuer Beamter und auch als Frau drollig-skurril ist - alle vier erzeugen eine Schauspielqualität und Bühnenpräsenz, die man bei vielen anderen Stücken sucht. Dieses heiter-komische Treiben findet in einer Kulisse (Ausstattung: Matthias Rümmler) statt, die ganz funktional mal als Büro und mal als Wohnzimmer benutzt wird – der Umbau erfordert lediglich das Verrücken einiger Stühle, einer riesigen Zimmerpflanze und das Hinein- und Herausrollen von Schreibtischen, Servierwägelchen und anderen Utensilien. Praktisch und gut. Einfach und schön.
Und so kann zumindest das Warum mit: Windhunde und Turteltauben ist in erster Linie ein Stück, das unterhält und mehr als nur Spaß macht, beantwortet werden.
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