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Gesehen: Heinz Rudolf Kunze – Vor Gebrauch Schütteln

Staatstheater Großes Haus, 1.4.2013

von Christiane Freitag, Kultur

„Dein ist mein ganzes Herz, du bist mein Reim auf Schmerz …“, „Marlow, ich fleh sie an, retten sie Mabel“ - so kannte ich Heinz Rudolf Kunze bisher und darauf habe ich ihn (leider) auch reduziert. Diese vermeintlichen Altlasten hängen ihm wahrscheinlich in vielen Köpfen nach - völlig zu Unrecht! Denn Heinz Rudolf Kunze ist mehr als „nur“ Sänger eingängiger Popmelodien aus den 80/90ern (2010 feierte er übrigens 30-jähriges Bühnenjubiläum). Vielmehr ist er ein ganz grandioser Musiker mit eigenem Stil fernab von jeglichem Schlagerkitsch und zugleich Autor vieler bissig-ehrlicher Texte, die im Prosawerk „Vor Gebrauch schütteln“ festgehalten sind. Auszüge daraus las er am 1. April im Staatstheater. Seine Lesung im Staatstheater war, bezogen auf die Person Heinz Rudolf Kunze, so in jeder Hinsicht eine Offenbarung für mich – ist er doch ein wahrer Wort- und Klangpoet. In seinen Texten stecken so viel Klugheit, Biss, Ehrlichkeit, Satire, Authentizität, Philosophie aber auch Zauber, Magie und Wahrheit und … herrje, diese Liste ließe sich beinahe endlos fortführen. Er prüft die unsrige Lebenswelt auf Herz und Nieren respektive Sinn und Verstand. Das, was er dabei herausfindet ist zwar amüsant, erheiternd und saukomisch doch auch anregend und intelligent. Seien es absurde Szenarien, fiktive Dialoge, lyrische Kurzzeiler oder philosophische Abhandlungen – er trifft den Nagel auf den Kopf, ist Querdenker, schrullig aber einzigartig und originell wie man es selten erlebt. Unsere Welt ist mindestens genauso verrückt wie seine Texte…oder doch die Texte so verrückt wie diese Welt? So oder so, Heinz Rudolf Kunze jongliert meisterhaft mit Gedanken und Worten und nimmt dabei so gar kein Blatt vor den Mund. Chapeau!
Kongenial musikalisch unterstützt wird er von Jan Drees, der ausgestattet mit Gitarre und bratpfannenähnlicher Klang- und Loop-Station ebenfalls wahre Wunder vollbringt und so für eine großartige Symbiose aus Lesung und Musik sorgt.
Und dann lässt Heinz Rudolf Kunze das Publikum doch nicht gehen, ohne selbst gesungen zu haben, greift zur Gitarre und hat Titel vorbereitet, die wie selbstverständlich die Brücke schlagen zwischen der Zuschauer-Erwartung, ´Hit´s zu hören´ und der Herausforderung, uns bei Herz und Verstand zu packen.
Ein unerwartet toller Abend und Gott sei Dank kein Aprilscherz. Ein Könner verabschiedet sich und sein Buch sei jedem empfohlen, bis er erneut vorbeischaut.
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