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Gesehen: Marlene Jaschke – Auf in den Ring

Staatstheater Großes Haus, 16. Mai 2013

von Christiane Freitag, Kultur

„Auf in den Ring“ hieß es am 16. Mai im Großen Haus des Staatstheaters, „Wagners Nibelungenring in zwei Stunden“ oder „Oper für Dummies“ hätte es auch genauso gut heißen können. Der Abend dirigiert wurde von Marlene Jaschke, die als großer Opernfan nun extra zu diesem Zwecke den 16 Stunden und 32 Minuten langen Ring der Nibelungen auf sich genommen hat um festzustellen: „Das ist eine wahre Zumutung“ und das geht auch kürzer. Und so setzt sie in den folgenden zwei Stunden Richard Wagners Ring der Nibelungen auf den Prüfstand, untersucht die Oper auf Herz und Nieren, betrachtet die Oper aus Marlene Jaschke Perspektive. Eine ganz eigene, sehr eigene Würdigung Richard Wagners Werk und auch eine ganz eigene Form der Gesellschaftskritik. Spielend schafft sie es dabei auch von den hoch komplex-verwirrenden Vorgängen (und vor allem Verwandschaftsbeziehungen) im Ring auf beinahe banal Alltägliches überzuleiten – ihr Wellensittich Waltraut, ihre Freundin Hannelore und ihr Kollege Herr Tramstedt fehlen also auch in diesem Programm nicht – und wieder zurück. Marlene Jaschke, eigentlich ja Jutta Wübbe, die einst ihre Ausbildung auf einer Clownsschule in Drübberholz machte, versteht ihr Handwerk und dieser Spagat gelingt geradezu grandios: Während sie gerade eben noch Flosshilde, Woglinde und Wellgunde mit Slapstick charakterisiert, sich Ihren Siegfried mal eben aus dem Publikum angelt, Arien singt oder stilecht aus einem Horn ihr Wasser trinkt, unterbricht sie im nächsten Moment die Opernanalyse mit „hannelorischen Episoden“ oder um mit ihrem still-schüchternen Pianisten Volker Griepenstroh zu kokettieren.
Á la klein Erna wurschtelt sich Marlene Jaschke dabei in gewohnt schrullig-phlegmatischer Art durchs Programm. Da kann es dann schon passieren, dass das Nase-Schnauben mit selbst umhäkeltem Taschentuch geradezu zelebriert wird oder der ein oder andere neurotisch Tick zu spontanen Lachquietschern beim Publikum führen. Sie ist ein Phänomen diese Marlene Jaschke, diese Jutta Wübbe. Ob große Kunst oder einfach nur Klamauk - ihren Humor muss man mögen, aber ein Schmunzeln ist allemal drin und ein wenig kulturelles Kapital gibt’s gleich noch oben drauf.
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