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Kultur & Technik-eine Vernissage von Melanie Gidius

Alles ist Kultur und Technik!

von Cynthia Böttger, Kultur

pictures/artikel/IMG_87480083.jpgMit diesem Satz endete das Interview mit Melanie (27), einer Mitstreiterin im Studiengang Kultur und Technik, die es sich zur Aufgabe gemacht hat das Wesen des Studiums in Bildern und Gegenständen festzuhalten. Die Idee zu ihrer Ausstellung ist schon vor über zwei Jahren entstanden, und wie sollte es anders sein in Cottbus, beim Treffen mit Freunden. Die Galerie Fango schien der rechte Platz um zwischen Kultur und Technik zu vermitteln und denen, die diesbezüglich ihren Horizont erweitern wollen. Erst recht da Sie dort ihr Praktikum absolvierte.

„Der Kulturbegriff ist in unserer Gesellschaft per Definition verankert, doch in unserer Generation besteht das Kulturverständnis darin das Privatleben zu kultivieren.“
Schon Pierre Bourdieu (frz. Soziologe) stellte eine Verbindung zwischen Ökonomie, Sozialem und Kultur fest. Die Offenheit im Umgang mit dem Kulturellen erhöhe sich, wenn man einen gewissen gesellschaftlichen Stand erreicht. Dieser Gedanke ist meiner Ansicht nach veraltet, da er von der jeweiligen Generation und den individuellen Maßstäben abhängig ist. Kultur sollte öffentlich und frei sein!

Für diese Ausstellung wird daher kein Eintritt verlangt. Es werden neun Gegenstände aus verschiedenen Zeitepochen vorgestellt. So wird ein Trabant zum Merkmal einer Generation. Das Aufleben von Charakteristiken einer Epoche wandelt sich zum Kultobjekt. So ist der Trabant auch heute noch ab und zu auf den Straßen zu sehen.
Den Spiegel findet Melanie abstrakt und mag dieses Ausstellungsstück besonders. Ihre Definition umfasst die Entdeckung und Verwendung mit der rhetorischen Frage an jeden, der sich vor selbigen stellt: Wie viel Kultur und Technik steckt in dir? Jeder ist Teil davon; abstrakt setzt sie Sex mit ein. Er ist von Kultur zu Kultur verschieden und selbst die Praktiken als solches variieren nach Kulturkreis, Vorlieben und Erfahrungen. Gerade aufgrund dieser Möglichkeit zur Vielfalt übt er eine Faszination auf sie aus, denn er regt dazu an über das Alltägliche hinaus zu denken und abstrakt zu werden.

Die Schreibmaschine und der Kopierer am Ende der Ausstellung sollen den Besucher zur Reflexion anregen weiter zu denken und den „Kultur und Technik“-Begriff für sich selbst neu zu definieren. Dahinter steckt die Aufforderung und Bitte dem inneren Kind freie Hand zu lassen. Meine Aufmerksamkeit wurde auf eine Kopie der Finger gelenkt, die kurz vor dem Druck weggenommen wurden. Was bleibt, ist die Assoziation von einem langen, runden Gegenstand mit einer Verdickung am Ende, ähnlich wie die Silhouette einer Seeanemone.
Die Schreibmaschine wird zum dadaistischen Werkzeug entfremdet und unter dem Begriff „Rehwildschußsimulationsmaschine“ an den Mann gebracht. Dazu spannt man ein Bild von einem Reh ein und versucht dessen Abbild abzuschießen. Diese Schreibmaschine stammt von Dr. Mario Harz und wurde für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Gewissermaßen ist es eine vereinfachte Form der Egoshooter. Doch muss man hier wirklich gewalttätig sein? Eher nein, denn es motiviert lediglich den Spieltrieb in uns. Ein Besucher sagte, er danke ihr für diese neue Sicht der Dinge, da es eine Rückbesinnung auf die Einfachheit ermögliche.

Melanie sieht sich in ihrer Rolle weder in der der Künstlerin, noch Wissenschaftlerin oder Journalistin, sondern nur als Initiatorin. Ihre Kombination von der Technik mit der Kultur erscheint einigen Personenkreisen vielleicht als abstrakt und unzugänglich, dennoch sind Worte reine Definitionssache. „Philosophie ist harte Arbeit am Begriff“ (Dr. Steffen Groß).

Der Appell besteht darin, das Verständnis zu erweitern, um Vorurteile zu minimieren. Jeder hat sein Interessengebiet und sollte diesem auch nachgehen. So gilt es, dem sozialen und kulturellen Engagement die gleiche Gewichtung beizumessen wie anderen Bereichen.


Eine Frage, die bleibt:
Wie viel Kultur und Technik steckt in Dir?
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