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Gesehen: Dusa, Stasi, Lil & Fisch

BÜHNEacht , Premiere, 6. April 2013

von Christiane Freitag, Kultur

Anorexie, typische Geschlechterrollen, unerwiderte Liebe, Kindesentführung, Geschlechter(-un-)gleicheit, dominierende Männer, Scheidung, die unaufhörlich tickende, biologische Uhr, Versagensängste, (unerfüllter) Kinderwunsch, Angst vor dem Alleinsein, LebenskünstlerInnen, Prostitution als einzige Chance … ganz schön viele Probleme auf einmal und dann auch noch in einem Stück: „Dusa, Stasi, Lil & Fisch“ (Originaltitel: zunächst „Dead Fish“, dann „Dusa, Fish, Stas and Vi“) heißt es, ist geschrieben von der britischen Bühnenautorin Pam Gems, erstmals 1976 in London aufgeführt und seit April an der BÜHNEacht zu sehen (Regie: Matthias Neuber). In selbiger nimmt man dazu mitten in der typisch weiblich gestalteten WG der vier Protagonistinnen Dusa (Elisa Marquardt), Stasi (hier als Kurzform von Nastasia; Claudia Ludwig), Lil (Ypsi Cuipack) & Fisch (Karoline Leder) und ihrer Probleme Platz – mittendrin statt nur dabei lautet hier also die Devise: Alle vier kämpfen mit ganz eigenen Sorgen und Ängsten. Dusa ist frisch geschieden, ihr Mann hat die gemeinsamen Kinder entführt, Stasi arbeitet als „Masseuse mit gewissen Extras“ um sich ein Meeresbiologiestudium auf Hawaii zu finanzieren, Lil hat ein Essproblem und Fisch wirkt äußerlich zwar sehr stark, setzt sich für Frauenrechte ein, ist innerlich aber verletzlich und von Liebeskummer gelähmt. Im Verlauf spitzen sich die Schicksale zu, lösen sich auf bis allerdings eines davon tragisch endet. Bis es jedoch dazu kommt, geht es aller Widrigkeiten zum Trotz größtenteils recht lustig zu. Intime Frauengespräche, laute Musik, Tanzorgien oder ein gemeinsamer Filmabend, immer alles mit einem Augenzwinkern, immer wieder unterbrochen von tiefgründig-nachdenklichen Mono- und Dialogen, die die ganze Vulnerabilität der Frauen offenlegen, zeigen wie es innen drinnen aussieht, hinter der starken Fassade. Die vier Darstellerinnen geben dabei ihren Rollen, jeweils sehr ausdrucksstark, ihren ganz eigenen Charakter und Charme. So sehr, dass man irgendwann gar nicht mehr anders kann, als die vier einfach von Grund auf ehrlich sympathisch und liebenswert zu finden. Viel ist es zwar nicht, das man über die Figuren herausfindet, das was man jedoch erfährt ist intensiv, authentisch, glaubhaft und vor allem mitreißend gespielt. Man lacht mit ihnen, weint mit ihnen, hat mit ihnen Angst und freut sich mit ihnen – und vor allem würde man in einer der Szenen am liebsten aufstehen und mittanzen. Nicht zuletzt ist das wohl der Platzierung quasi inmitten des Geschehens geschuldet, die diese Inszenierung zu einer ganz besonderen macht. Mit Dusa, Stasi, Lil & Fisch ist der BÜHNEacht ein Stück gelungen, das unbedingt sehenswert ist. Ein Stück, das man mit den Figuren erlebt und durchlebt. Einfach toll.
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