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Gesehen: 8. Philharmonisches Konzert

Staatstheater Cottbus, Großes Haus, 26. Mai 2013

von Jens Pittasch, Kultur

Nun war es also erreicht. Das Finale der Wagner-Ehrungen zu dessen 200. Geburtstag.
In konzertanter Aufführung würde „Das Rheingold“ den Ring der Veranstaltungen schließen, deren Beginn in Cottbus vor genau 10 Jahren lag. Intendant und Operndirektor Martin Schüler hatte 2003 eben dieses „Rheingold“ auf die Cottbuser Bühne gebracht und damit zugleich seine besondere semiszenische Spielform der gesamten Ring-Tetralogie begründet.

Pur konzertant lag nun die Ehre bei Generalmusikdirektor Evan Christ, dem Philharmonischen Orchester und den Solisten, den Beginn dieses Zyklus nochmals erklingen zu lassen und ein großes Gesamtwerk des Musiktheaters abzurunden.

Der Abend jedoch begann mit dem modernen Werk „The Way Down is the Way up II“ des 1959 geborenen Komponisten Bernd Franke, dessen Cottbuser Fassung im Mai 2013 zur Uraufführung gekommen war.
Eine Klangkulisse baut sich auf, als würden 100 Domglocken mit Jahrmarkt, Flucht, Sturm und Angst gemischt und auch Tanz und Leichtigkeit hinzugefügt. Franke arrangiert reichhaltig, zu reichhaltig, um der Phantasie noch Raum für Interpretationen zu geben, in dieser Überflutung der Reize. Schließlich irrlichtert eine Sologeige (Elena Soltan) durch schwebende Hochtöne, sie verklingen und das kurze Stück ist vorbei.

Auftritt Rheintöchter und Alberich. Debra Stanley (Wellgunde), Cornelia Zink (Woglinde), Marlene Lichtenberg (Flosshilde, später Erda) und Jacek Strauch. Und schon geraten die Wasser des Rhein in Bewegung. Kaum hält es den großartigen Jacek Strauch am Notenpult so mitgerissen ist er von dem, was sein Zwerg Alberich in der Auseinandersetzung mit den Hüterinnen des Goldes durchlebt. Nur hingerissen kann man sein, von dem, was das Orchester spielt und diese Vier singen. Sie sind in phantastischer Form, es braucht kein Bühnenbild, keine Kulissen, keine Kostüme, so kann der Abend weitergehen. Und so geschieht es auch.
Carola Fischer (Fricka), Gesine Forberger (Freia) und - große Freude: Tilmann Rönnebeck (Wotan) setzen ebenbürtig fort, was großartig begann. Auch in ihnen sind ihre Figuren so präsent, dass sie nicht nur in Tönen hinaus wollen, sondern sich szenisch - quasi am Platz - entfalten. Ebenso geht es Andreas Jäpel (Donner/Alberich), Dirk Kleinke (Froh), Ingo Witzke (Fasolt), Hardy Brachmann (Mime) und Jörn E. Werner (Fafner).
Und Jens Klaus Wilde (Loge), der an diesem Abend eine ganz und gar außerordentliche Leistung zeigt.
Mit geschlossenen Augen dieser konzertanten Aufführung zu lauschen hatte ich mir an sich vorgenommen, doch dieser Idee nicht sofort nachgegeben - zum Glück! Zu sehenswert ist, wie alle Solisten ihren Figuren durch Gestik und Mimik, durch gegenseitige Ansprache und Reaktion zusätzliches Leben geben, die Grenzen der reinen Konzertform aufbrechend - und dies alles bei unglaublich gut aufgelegten Stimmen. Getragen, motiviert und immer wieder voran gebracht vom hochpräzisen und hochfeinen Orchester unter Leitung von Evan Christ.
Was für eine Lust, Leidenschaft und Freude, was für eine hohe Kunst. Nebel wallen, das Orchester rockt den Saal, Lichtstimmungen sorgen für weitere Eindrücke. Wagner hätte seine Freude an dieser Spielweise. Er schuf mit diesem Auftakt zum „Ring des Nibelungen“ etwas, wie den Nabel der Musikwelt; Martin Schüler und Evan Christ wurden mit ihren Interpretationen diesem Anspruch mehr, als gerecht - ich meine, es gelang ihnen dessen Erweiterung.
Ein grandioser Abschluss der Konzertsaison 2012/13 der besondere Erwartungen für die neue Spielzeit weckt. Den Ausblick darauf geben wir hier im Heft.
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