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Gesehen: SHOW ME – Glamour is back

24. Mai 2013, Friedrichstadt-Palast

von Christiane Freitag, Jens Pittasch, Kultur

pictures/artikel/IMG_87481462.jpgSeit Oktober 2012 und noch bis Mitte 2014 heißt es im Berliner Friedrichstadt-Palast „SHOW ME – Glamour is back“.
Und eines sei vorweggenommen: Ohne dass mir der Untertitel vor der Vorstellung bekannt war, findet sich in meinen Notizen die sehr positiv gemeinte Anmerkung: „.. viel glamouröser..“. Gemeint ist der Vergleich zur Vorgängerproduktion „Yma – zu schön, um wahr zu sein“, über die wir im April 2011 berichteten.
Doch beginnen wir von vorn, und da stehen wir selbst am Eingang der riesigen Bühne.
Gemeinsam mit einem der beiden Bühnenmeister des Hauses, Peter Müller. Er wird uns Neues zeigen, die Veränderungen extra für „SHOW ME“, und Altes, die Bühnenunterwelt mit der besonderen Maschinerie, die im Kern seit 1984 störungsfrei ihren Dienst tut.
Sofort fällt auf, ganz anders, als bei „Yma“, findet „SHOW ME“ nicht auf quasi leeren 2.854,02 Quadratmetern vor raumhohen LED-Wänden statt.
Es wurde gebaut. Wie und was, erklärt sich besser später, in Verbindung mit den Bildern des Programms. Auch der Übergang zwischen Bühne und Saal wurde verändert, so dass sich die sehr interessanten, neue Center Stage Plätze ergeben haben. Dort sitzt man fast im Geschehen und sehr nah auch an der (fast) einzigartigen Wechselbühne, deren Innenleben wir bald kennenlernen dürfen. Gerade aber fährt neben uns ein Teil der zentralen Bühnenfläche schräg nach oben und dreht sich dabei. Eine Kippdrehscheibe mit fünf Metern Durchmesser, die später in der Show für einen der vielen besonderen Effekte sorgen wird. Parallel dazu die Info: „Vorsicht, die Bögen fahren.“ und schon sind wir umrahmt von riesigen Drittelkreisen. Was wir nicht sehen können, jedoch Peter Müller verrät: „In den Bögen ist übrigens ein Teil der LED-Flächen verbaut worden, die bei „Yma“ als Hintergrund eingesetzt wurden.“ Wo der andere Teil ist, werden wir überrascht feststellen, als die Vorstellung beginnt.
Ganz nach oben lenkt Herr Müller noch unseren Blick: „Sehen Sie den Ring? Das ist 20 Meter über uns. Von dort kommt nachher unser Wasserfall, 6.000 Liter pro Minute pumpen wir dort hoch.“
Und da, wo das Wasser herkommt, gehen wir nun hin. Das heißt, hinab. Eine Etage, noch eine, lange Gänge, Stahltüren, dann ein saalgroßer Raum - und doch kleiner, als ich erwartet hatte, für die Technik, die sich hier versteckt. Äußerst durchdacht und effektiv ist das System der Wechselbühne, konstruiert und gebaut von Ingenieuren des DDR-Kombinates TAKRAF. Nur noch ein weiteres Mal wurde eine solche Anlage hergestellt, die einem gigantischen CD-Wechsler ähnelt und in wenigen Minuten, während man gerade von einer Handlung im hinteren Teil der Bühne abgelenkt wird, aus einer Sandarena eine Spiegelfläche, ein Hubpodium, eine Scheibenpyramide oder das zwei Meter hoch ausfahrbare Wasserbecken zaubern kann. Aus dem dann die erwähnten 6.000 Liter je Minute 20 Meter höher zum Wasserfall ansetzen.
Doch das ist viel später, abends, wenn das Arbeitslicht von mehr als 1.600 Scheinwerfern abgelöst wird, fast 2.000 Gäste den Beginn der Show erwarten und wir die Auflösung des LED-Rätsels in Aktion erleben. Denn nicht nur in den Bogenelementen auf der Bühne sind diese versteckt, sondern als geniale Verlängerung in den Saal hinein. Nur bemerkt man sie dort erst, als aus der vermeintlichen Wandverkleidung plötzlich animierte Lichtwellen durch den Zuschauerraum wallen. Nicht nur bautechnisch, auch durch diesen besonderen Effekt werden also Besucher und Handlung näher zusammen geführt. Apropos Bühnenbau: Sehr deutlich ist die nutzbare Fläche zugunsten einer Abstufung der Bühne in drei Ebenen weiter nach vorn gerückt. Raumbreite Stufen und eine frei fahrbare Showtreppe machen Bilder, Szenen und Auftritte möglich, die um vieles glamouröser sind, als bei „Yma“. Vollkommen zu Recht also „SHOW ME - Glamour is back“.

Eben jener Glamour verzaubert dann funkelnd und glitzernd, atemberaubend und schön, artistisch und waghalsig in den folgenden zirka zweieinhalb Stunden Show das Publikum (Produzent: Dr. Berndt Schmidtz, Show-Konzept & Inszenierung: Jürgen Nass & Roland Welke). Andere Pressestimmen überschlugen sich bereits vor Lob und Superlativen, und auch wir sind schwer beeindruckt. Laut Friedrichstadt-Palast ist SHOW ME die größte und aufwendigste Produktion, die jemals realisiert wurde, eigentlich auch kein Wunder bei einem Budget von 9 Mio. Euro. Dass diese genau an den richtigen Stellen investiert wurden, diesen Beweis liefert SHOW ME: In 31 Szenen voller Fantasterei, knisternder Erotik und Exotik, Träumerei und Magie zeigen die 162 Mitwirkenden wie „Show“ geht. SHOW ME – der Name ist Programm. 60 Tänzerinnen und Tänzer ziehen hier alle Register des Show-Tanzes und vereinen in ihren Choreografien (verantwortlich u.a.: Jens Becker, Kiki Beittel, Nikeata Thompson oder Alexandra Georgieva) Jazz, Modern, Stepp, Hip Hop, Contemporary und/oder klassisches Ballett. In gewaltigen Szenenbildern tanzen sie atemberaubend schön und dies nicht unbedingt zwingend auf ebener Erde, sondern schon mal in 20m Höhe, im Wasser oder im Sand. Geradezu symbiotisch ergänzt werden diese Tanznummern durch die Artisten Acrobatic Troupe Shenyang, die zu Recht bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet wurden und hier die Show mit Schleuder- oder Bungee-Seilen- oder schwindelerregenden Tuchnummern bereichern. Durch Marion Crampe, die sich scheinbar schwerelos lasziv als Stangenakrobatin besonders von den Männern viel Applaus verdient, durch das Duo Aragorn die ungesichert, in 20m Höhe, tiefbeeindruckende akrobatische Wunder vollführen, durch Fan Yang und seine ungewöhnliche Seifenblasen Show, die leider für die hinteren Plätze schlecht sichtbar ist und schließlich durch Mauricio Franco, der pantomimisch galant von Umbaupausen ablenkt.
Für den musikalischen Rahmen der Show sorgt die 16-köpfige Show-Band des Friedrichstadt-Palastes (Musikalischer Direktor/Chefdirigent: Daniel Behrens, der übrigens knapp die Hälfte der Stücke (mit-)komponierte, Dirigent an diesem Abend: Detlef Klemm (alternativ: Thomas Teske)) deren Rhythmus-Gruppe ganz unüblich auf der hinteren Showbühne ihren Platz hat. Gesanglich runden mit ihren kraftvollen und energiegeladenen Stimmen Oscar Loya, Hauptdarsteller bei SHOW ME, sowie die Gesangssolistinnen Talita Angwarmasse, Gina Marie Hudson und Amber Schoop, die Vorstellung ab.
„SHOW ME wird alles in den Schatten stellen, was der Friedrichstadt-Palast je auf die Bühne gebracht hat […] Wir müssen unsere Zuschauer immer wieder überraschen, uns, unser Genre immer wieder neue erfinden und SHOW ME ist unsere Antwort darauf für das Jahr 2012.“ So schwärmt Kreativdirektor, Autor und Regisseur Roland Welke und so schwärmen auch wir mit, denn das ist den Machern von SHOW ME definitiv gelungen. Beim nächsten Stopp in Berlin empfehlen wir daher gern und mit bestem Gewissen den Friedrichstadt-Palast und seine einzigartige und glamouröse Show.


Foto: Robert Grischek
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