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Gesehen: Spielfeld Marie

BÜHNEacht 8, 08.06.2013

von Christiane Freitag, Kultur

Den Woyzeck-Stoff mal ganz anders aufbereitet, das hat Matthias Neubert, künstlerischer Leiter der BÜHNEacht diesmal nicht mit BÜHNEacht eigenem Ensemble, sondern mit zwölf Studierenden nicht nur des Theaterwissenschaftlichen Instituts der FU Berlin – dem GOGUE THEATER FREIRAUM. Dabei entstanden ist „Spielfeld Marie“. Wie der Name bereits vermuten lässt, haben sie sehr wohl im doppelten Sinne mit dem Woyzeck-Stoff gespielt. Sie bewegen sich durch Schneisen des überlieferten Textes, brechen aus, improvisieren, rebellieren und vibrieren im Schmerz derer, die dabei sind sich zu verlieren – so steht es in der Stückankündigung beschrieben und treffender kann ich es eigentlich auch nicht sagen. Das gesamte Ensemble übernimmt im Verlauf die verschiedenen Figuren im Wechsel oder auch mal parallel, und so wird die Geschichte des Gejagten Woyzeck zu einem Spiel multipler Personen. Woyzeck, der sich, um für Freundin Marie und ihr uneheliches Kind zu sorgen, zusätzlich zu seinem Ausbeutungsjob als Bursche des Hauptmanns, als Versuchskaninchen und für einen im wahrsten Sinne Hungerlohn von einem skrupellosen Arzt auf Erbsendiät setzen lässt und von selbigem böse behandelt wird. Darauf psychisch und physisch immer labiler schließlich seine Freundin Marie umbringt, schließlich betrüge sie ihn mit dem Tambourmajor. Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Art von Inszenierungen, in denen, salopp gesagt, alle mal alles spielen, schnell ihren roten Faden verlieren, das Eigentliche aus den Augen verloren wird und einen schier ratlosen Zuschauer zurück lässt. Nicht so hier! Den einen gelingt es zwar besser als den anderen sich in ihre jeweilige Rolle zu finden, dennoch wird das eigentliche Drama, werden die wesentlichen Konflikte überzeugend und authentisch herausgestellt. So ist Spielfeld Marie ein energiegeladenes, interessantes Stück, durchaus Büchners Woyzeck würdigt und ihm mehr als gerecht. Woyzeck mal ganz anders, hat funktioniert.
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