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Gesehen: ZOMBIES

Piccolo Theater Cottbus, Jugendgruppe Teens 3, 4. Juni 2013

von Jens Pittasch, Kultur

Jährlich einmal gibt es am Piccolo-Theater die „Spiel(t)räume“, Präsentationstage aller theaterpädagogischen Gruppen des Hauses. Und leider ist es uns nicht möglich alle Vorstellungen jeweils mehrerer Gruppen Kids & Teens zu besuchen. In diesem Jahr klappte es nur bei einer, den Teens-3 unter Leitung von Hauke Grewe.
Für seine elf Darsteller zwischen 14 und 17 Jahren gab es eine gemeinsam erarbeitete Vorgabe: „körperlos“. Je nach Anordnung und Betonung kann man das eine Wort in verschiedene, weitere Bedeutungen bringen, wie „Körper! Los!“ oder das „Körper-Los“.
Den Handlungsrahmen erarbeitet die Gruppe dann selbst, wie auch die eigenen Monologe selbst geschrieben werden. Der Spielleiter gibt an einigen Punkten Formen und Regeln hinzu, Hilfestellungen für Figuren und Anleitungen zu deren Darstellung.
Ideal finden sich dann die Jugendlichen im selbstgeschaffenen Stück und entwickeln es im Wechselspiel von Inspiration und Konflikt weiter. „Sich finden“ ist es, was da passiert und auch den Kern der Handlung bildet, der alle gemeinsam folgen und den individuellen Figuren Raum gibt. Viel Musik ist dabei, wenn Alltagsszenen in aller Kürze und doch Klarheit entworfen werden, Szenen mit Floskeln versus Tiefe, Rollenverhalten gegen Ehrlichkeit, Sein und Schein.
Natürlich ist es das, was Jugend umtreibt und Jungsein ausmacht. Da sind die einen, die fordern, Eltern und Schule. Da sind die eigenen Interessen, die so richtig weit entfernt zu sein scheinen von all den Erwartungen, dem Zwang und Druck. Was ist mit Spaß, was ist mit Freude, was mit Freunden und den eigenen Interessen?
Mitten im Stück fällt mir auf, wie schwierig es für die Piccolo-Spielleiter sein muss, sich Jahr für Jahr, Spielgruppe für Spielgruppe immer wieder vor diesem Déjà-vu zu sehen. Die Jugendlichen wechseln, ihre Probleme bleiben die gleichen. Direkt nach der Vorstellung frage ich Hauke Grewe danach. Im achten Jahr ist er Theaterpädagoge und Darsteller am Piccolo. Und der wichtigste Teil seiner Antwort erscheint so einfach, dass ich sofort verstehe, wie und woher sie eben immer wieder die Motivation ziehen und der Versuchung erliegen, nur noch zu funktionieren: „Ja, sicher sind die Probleme immer gleich, doch die Menschen sind eben doch sehr unterschiedlich, haben dann doch immer wieder andere Ansätze damit umzugehen, haben vor allem immer wieder und ganz individuelle, oft vorher unentdeckte Talente und Fähigkeiten. Wenn man diese Entwicklung sieht und begleiten darf, das ist nicht langweilig, da lernt man immer noch selbst dazu.“
Bei dieser Gruppe-Teens-3 jedenfalls muss man sich kaum Sorgen machen, dass sie zu Zombies werden, wie es am Ende ihres eindrucksvollen Spiels (fragend?) im Raum steht.
Man spürt, dass sie nicht nur auf der Bühne bereits Einiges gefunden haben, untereinander, für sich selbst, in der Schule, mit Eltern - im Leben halt, beim Erwachsener-Werden (und Kind bleiben). Etwas, das auch überregional Beachtung fand, so dass die Produktion für Ende Oktober zum 17. Internationalen Theatertreff in Lörrach (Baden-Württemberg) eingeladen worden ist.
Vielen Dank - stellvertretend für alle Theatergruppen und Theaterpädagogen des Piccolo-Theaters an: Julien Seifert, Jari Schaller, Pius Nitschke, Jonas Halecka, Annalena Hänsel, Catherine Klein, Kathleen Wrede, Josephine Meinhard, Gesa Habenicht (d'Heureuse), Maria Plötz, Dorothea Röger und Hauke Grewe.
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