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Erlebt: POLKA BEATS

Meine Verrückte Tante!

von Holger Bott, Kultur

pictures/artikel/IMG_87483204.jpgTante Christa war schon immer für eine Überraschung gut. Zu meinem 30.(!) Geburtstag hat sie mir ein Festivalticket geschenkt. Jedes Jahr schenkt sie etwas Besonderes, was Schräges, was aus dem Rahmen fällt. So musste es natürlich auch ein besonderes Festival sein.
Als ich ihren Geschenkbrief öffnete und in ihrem Gesicht ein schelmisches Grinsen sah, wusste ich nicht ob ich weinen oder lachen sollte. PolkaBEATS in Cottbus(!), zwei Karten für mich und meine Freundin Maike. Okay?!
Polka? Sie weiß doch ganz genau, dass ich auf Electro Swing stehe. Und, Cottbus – das klingt aus meiner Berliner Sicht auch nicht wirklich cool. Zu allem Übel war dieses Ticket ein Festivalpaket mit einer vorab Busfahrt durch den Spreewald. So eine Art Rheumadeckenverkauf mit angeschlossenem Ringelpietz. Hmm, was hatte ich meiner guten Tante nur getan? Wie sollte ich das alles Maike erklären? Peinlich. Dann hat Tante Christa noch darauf bestanden, uns persönlich am Sonnabend zum Hauptbahnhof zu bringen. Toll.
Also bestiegen wir in aller Herrgottsfrühe, um 8:41 Uhr, den Zug und gegen 10:30 Uhr einen bunt geschmückten Cabriobus, der direkt vor dem Cottbuser Bahnhof stand.
Na gut, die Busfahrt schien zu halten, was versprochen wurde. „Meet the Bands“ stand im Untertitel und eine Menge Musiker saßen im Bus, die bereits am Freitag auf diesen PolkaBEATS gespielt hatten. Auf den ersten Blick interessante Typen. Aus Schweden und Finnland, eine Band aus Nürnberg und ganz vorne Amis auch Chicago. Alles andere als Schnarchnasen, aus deren Unterhaltung eindeutig hervor ging, das am Vorabend in einem Klub, der BEBEL oder so heißt, zur Festivaleröffnung richtig die Luft gebrannt hatte. Heh Tante Christa – da könnte vielleicht was gehen.
Der Bus fuhr durch den Spreewald, steuerte mehrer kulturelle Vorzeigeorte an, und ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Das letzte Mal war ich vor 15 Jahren in der Lausitz und Maike noch nie. Das ist schon mal klar, da fahren wir wieder hin, mit mehr Zeit.
Am Abend dann das eigentliche Festival in der Alten Chemiefabrik. Der Weg dorthin war nicht so prickelnd, wir waren ja zu Fuß. Umgehungsstraße, dann Industriebrache auf dufte gemacht und der Name der Location auf das erste Hören auch nicht soooo einladend. Aber dann die Überraschung als wir das eigentliche Festivalgelände erreichten. Nix Chemie – das war eine Gartenparty in XXXXL. Alles wunderbar ausgestaltet, zwei Bühnen, die zwischen laut und leise, zwischen Folk und Tradition und Rock und Punk wechselten.
Wie gesagt alles nicht unbedingt meine Musik, aber umso überraschender für mich. Wir hatten großen Spaß und keine Minute lange Weile. Maike ist völlig ausgeflippt. Sie sagt das gleiche von mir. Na ja? Ich habe mir am Merchandising Stand insgesamt vier CDs gekauft. Hatte ich vorher auf keinem Festival gemacht. Maike hat für Tante Christa ein PolkaBEATS T-Shirt gekauft und sage und schreibe sechs Pins mit dieser PolkaBlume. Einen davon trage ich jetzt an meiner Motorradjacke.
Das Publikum war sehr gemischt, ganz junge, auch alte Säcke und dazwischen wir. Trotzdem passte alles gut zusammen. Tolle Leute. Hab’ irre Fotos gemacht.
Im nächsten Jahr kommen wir mit den Auto zu den PolkaBEATS, denn können wir bist zum Schluss bleiben. Es fiel uns richtig, richtig schwer den letzten Zug nach Berlin zu erwischen. So haben wir die letzte Band verpasst. Im Zug habe ich mir dann die Infos zu dieser Band ins Handy geholt und eine Kritik gefunden: "Mit röhrenden Gitarren, punkendem Schlagzeug, peitschenden Bläserriffs, slappendem Kontrabass und pumpendem Akkordeon blasen POLKAHOLIX der guten alten Tante Polka derart unter den Rock, dass sie nach kurzem Schock sogleich in tanzende Euphorie gerät."
Alles klar, jetzt weiß ich woher meine Tante Christa die Idee mit den PolkaBEATS Karten hatte.


Foto: Gabi Grube
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