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„Da vorne wartet die Zeit“ von Lilly Lindner

Cottbuser Leseherbst

von Cynthia Böttger, Buch

Lesen und Leute in Cottbus: Zum 23. Cottbuser Leseherbst präsentierte die 28-jährige Autorin Lilly Lindner ihr neues Buch: „Da vorne wartet die Zeit“. Am 22. Oktober versammelten sich Lesebegeisterte im Hugendubel am Stadtbrunnen, um ihrer Wortgewandtheit zu lauschen.
Bereits 2011 erlangte sie mit ihrem Buch „Splitterfasernackt“ einen Bestseller, der ihr Erleben von Vergewaltigung, Prostitution und Todessehnsucht vereinigt. „Da vorne wartet die Zeit“ ist ein fiktionaler Roman über den Tod, die Unvorhersehbarkeit der Zeit und unterschiedliche Schicksale, die sich auf überraschenden Wegen miteinander verbinden.

Die Stadt am See.
Die Stadt am Waldrand.

Viele Menschen leben in dieser Stadt, viele Menschen sterben in dieser Stadt am Waldrand. Lilly Lindner führt uns in zwei Städte. Die Stadt am See spiegelt die Zeitlosigkeit, die Stadt am Waldrand die Zeit wieder. Im Buch begegnen wir vielen Menschen, vielen Geschichten und Schicksalen. Ein paar Beispiele: Alex und Max, zwei Kindergartenjungs, die ganz eng befreundet sind. Jedoch einer der beiden wird von einem betrunkenen Autofahrer angefahren und stirbt. Oder Jack Hunt, ein Kommissar, der seine Zeit mit der Suche nach den verschwundenen Frauen der Stadt am Waldrand verbringt. Die Personen des Buches sind besonders, eben meist nicht ganz „normal“. Jede dieser kleinen Lebensgeschichten verursacht Gänsehaut. Obwohl im Buch so viele sterben, handelt es doch auch nur vom Leben. „Ich wollte bewusst machen, wie sehr der Tod mit dem Leben Hand in Hand geht und wie wertvoll jedes Leben nur ist, weil es irgendwann zu Ende ist.“

Durch ihre Lesung im Hugendubel bot Lilly Lindner einen tiefen Einblick in ihr Innerstes, eine Mischung aus Emotionalität und Fragilität. So warf sie Seiten aus ihrem Buch „Bevor ich falle“ in die Massen, als wolle sie sich selbst von ihrem Schmerz lösen und diese Zeit hinter sich lassen. So, als möchte sie sich nun der Schönheit und den Freuden des Lebens zuwenden, denn sie verteilte an jeden Zuschauer ihrer Inszenierung Zettel, mit Worten wie „beauty“ oder „breathing“. Eine gute Miteinbeziehung des Publikums bot dann die rote Wolle. Ein roter Faden, der sich durch ihr Programm zog, aber auch ein Symbol ihrer verworrenen Gedankengänge, die hier und da mal abschweifen, jedoch immer wieder zum Ursprung zurückkehren. Um es mit Frau Lindners Worten zu sagen: „ Es gibt Orte in meinem Kopf, da war ich selber noch nicht, doch man sollte nie zu lange verweilen, weil man nicht weiß wann sie einen einholen.“

Das Cover hält sie bei ihren Büchern Blau-Schwarz. So ist dieses gleichzeitig relativ schlicht und eben auch nicht. Mittlerweile hat sie drei Bücher veröffentlicht, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während „Splitterfasernackt“ durch einen ungewöhnlichen Erzählstil und durch einen starken Erzähler, neue Wortschöpfungen und Wortspielereien hervorsticht, ist der zweite Roman „Bevor ich falle“ auffallend durch eine Art Depression. Thematiken wie Suizid, Erwachsenwerden, Schuld und Selbstverletzung stehen dort im Vordergrund der Betrachtung. Der dritte Roman „Da vorne wartet die Zeit“ ist nun absolut fiktional, der erste durch und durch erfundene Roman aus ihrer Feder. Für Lilly Lindners Worte braucht man Zeit, sonst fließen sie an einem vorbei. Ich habe mir die Zeit genommen und meiner Meinung nach ein Meisterwerk gelesen.
Lilly Lindner - Da vorne wartet die Zeit
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Droemer TB (1. März 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426306298
ISBN-13: 978-3426306291

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