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Gesehen: 2. Philharmonisches Konzert

Staatstheater Cottbus, Großes Haus, 27. Oktober 2013

von Jens Pittasch, Kultur

† PHILIPP MAINTZ (*1977) estudio horizontal | Auftragswerk des Staatstheaters Cottbus | Uraufführung
† SERGEJ RACHMANINOW (1873-1943) Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 d-Moll op. 30 Klavier: Tzimon Barto
† NIKOLAI RIMSKI-KORSAKOW (1844-1908 ) Scheherazade op. 35


Dieses Programm des zweiten Philharmonischen Konzertes, gespielt vom Philharmonischen Orchester unter Leitung des Generalmusikdirektors Evan Christ, führte am Ende zu einem endlosen Applaus und zu großem Jubel. Dabei hatte ich nach dem ersten Konzert der neuen Saison darüber nachgedacht, nicht mehr wiederzukommen - schließlich steht kein Job hinter diesen Blicklicht-Betrachtungen, sondern reines Interesse an der Cottbuser Kultur-, speziell der Theaterarbeit und der Wunsch, das beschriebene Erlebnis zur Anregung für andere werden zu lassen. - Ein schöner, zumindest jedoch interessanter, anregender, motivierender Theaterabend erfordert im Nachgang viel Freizeit, um im unentgeltlichen Ehrenamt die Texte für´s Magazin entstehen zu lassen. Doch Zweifel waren aufgekommen, die Motivation in Frage gestellt. - Und nun dieses zweite Philharmonische Konzert, ein grandiose Abend und die erneute Gewissheit, dass es sich lohnt, etwas Geduld zu haben - mit sich und der Kunst.

Am Anfang also die Uraufführung. Eine waagerechte Studie (estudio horizontal), - da ich das Programm nicht vorher lese, sondern jeweils die Musik für sich sprechen lassen möchte, kenne ich zunächst nur diesen Titel und sehe auf der Bühne viel Schlagwerk, zusätzlich ausgestattet mit seltsamen Spiralen. Als alles beginnt, Töne zu entwickeln, habe ich sofort deutliche Erinnerungen an Siegfried Matthus´ „Cosima“. Sie wollen anders sein, diese jungen Komponisten und folgen doch Mustern, wie ein Händel dem nächsten oder jeder Bohlen.
Dann ist die Aneinanderreihung von Klangeffekten vorbei und wäre, lässt man den zwischenzeitlichen Aufschrei der Instrumente beiseite, als Absatz der „Cosima“ nicht im Geringsten aufgefallen.

Der schwere Flügel wird auf die Bühne gerollt. Gleich wird der ´Terminator der Tasten´ erscheinen. Wer nicht versteht, was ich meine, kann den Solisten Tzimon Barto mal mit der Bildersuche googeln. „I´ll be back.“ - und da ist er wieder, und das ist gut so. Denn wieder zaubert Barto, jongliert nicht mit dem Flügel sondern mit den Tönen, dass man meinen könnte, das zentnerschwere Klavier bestünde aus reinem Gefühl. Das Orchester ist Staffage in Rachmaninows Werk, Begleitmusik. Sehr schöne und wirklich schön dargebrachte Begleitmusik. Und doch nur eine Betonung dieses Einzelnen.
Gibt es etwas zum Stück zu sagen? Selbstverständlich, viel. Doch in diesem Moment passte es ganz einfach wunderbar zum ganz und gar traumhaften Oktoberwochenende, lichtdurchflutet, winddurchweht; Herbst, sommerlich warm noch, jeden Szenenapplaus verdienend, wie man es fast tun möchte, bei Tzimon Bartos Spiel - zwei Ausdrucksformen des selben Wunders, die pure Natur da draußen, ihr menschliches Abbild in den Noten, zum Leben erweckt von diesen großartigen Musikern. - Nach längerer Zeit ein Klassik-Kauftipp, leider nicht zu haben als Mitschnitt unserer Aufführung.
Was mag eigentlich Philipp Maintz denken, der Komponist des ersten Stückes, der im Saal sitzt, angesichts solcher mehrfacher, ganz unerhörter Meisterschaft? Natürlich ist es gut, wenn neue künstlerische Gebiete erobert werden können. Das tat auch Rachmaninow 1909. Und das Ergebnis sollte bei allen Nachfolgern zu einiger Demut führen.

Als Zugabe spielen Tzimon Barto und das Orchester noch einen Mozart, vorher wollte das Publikum ihn nicht verabschieden.

Nun Rimski-Korsakov. Sehr kraftvoll gleich die ersten Takte seiner Scheherazade. Ein kleines Geigensolo sucht darin, fast schwermütig, seinen Platz. Immer wieder sind es einzelne Stimmen, die die Motive der Violine aus den Tiefen des Orchesters aufgreifen. Die sich nicht nur behaupten in der Flut des Klanges, sondern ihn mitgestalten. Andere Zwischenspiele führen zu eigenen Aussagen. Sie finden ihren Weg ins Ensemble, werden aufgegriffen, variiert und vervielfältigt. Einen Solisten haben wir nach dem Rachmaninow verabschiedet, viele gewinnen wir nun hinzu. Mitglieder des Orchesters, die für kleine Zeiten nicht mehr Rädchen sind im großen Ganzen sondern den Ton angeben. Sie stecken ihre Köpfe aus den Körben der Schlangenbeschwörer in dieser besonderen Nacht der 1001 Nächte. Gebändigt nur von Evan Christ, der mit der Entfesselung der Kräfte seiner Künstler jedoch in diesem Konzert erst am Anfang steht .....

Soloaufgaben an diesem Abend leisteten Tzimon Barto, Elena Soltan, Frank Wiethaus , Bastian Brewing, Christoph Moser, Dagmar Klauck, Markus Götzinger, Reinhart Wronna,
Jürgen Probst und Wolfgang Dunst.
Und zum Abschluss, ich wiederhole mich: viel, viel, viel Jubel - endloser Applaus - grandios. Danke!
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