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Gesehen: Martin Rütter – Der tut nix! Live!

12. November 2013, Stadthalle Cottbus

von Christiane Freitag, Kultur

Die Kommunikation über und mit Hunden befindet sich im globalen Vergleich in Deutschland auf einem recht hohen Niveau. Vor zehn Jahren wurden Hunde eben als Hunde wahrgenommen: Ein Hund musste freundlich und aufgeschlossen zu allen sein, alles dulden und generell hatte der eben zu hören und zu machen und überhaupt. Tat er das mal nicht, kamen nicht selten gewaltsame Erziehungsmethoden zum Tragen. Kaum ein Ansatz von der heute weit verbreiteten hundeverstehenden Erziehung. Überall sieht man nun Halter mit ihren felligen Vierbeinern üben – bewaffnet mit Schleppleine, Lieblingsspielzeug und dem fancy Snackbeutel am Gürtel werden Kommandos geübt und es wird die Mensch-Hund-Beziehung gestärkt. Es wird kommuniziert und sich respektiert. Da kommt allenfalls mal die Wasserflasche zum Einsatz, aber keine Tritte, Schläge, zu Boden drücken oder sonst was. Nun kann man sich fragen, was denn eigentlich zu dieser Entwicklung geführt hat?! Beziehungsweise müsste man sich anhand der Antwort eher fragen wer? Martin Rütter nämlich, Hundetrainer (oder Hundeprofi) von Beruf. Natürlich nicht er allein, sondern mit allen Hundeschulen seines eigenen Netzwerks und alle anderen, die nach ähnlichen Trainingsmethoden ausbilden und trainieren. Letzteres vor allem die Menschen – der berühmte Spruch. Bescheiden fing er an. 1995. Als Martin Rütter bei Erftstadt das Zentrum für Mensch und Hund eröffnete, nach der von ihm entwickelten D.O.G.S Methode (Dog Oriented Guiding System). Parallel arbeitete er fürs Fernsehen, trat dort als Experte in Sachen Hundewehwehchen auf. Zunächst beim WDR („Eine Couch für alle Felle“ von Bettina Böttinger), danach im ZDF als Ratgeber („Unterwegs mit dem Hundeversteher“) bis Rütter schließlich 2008 auf VOX seine eigene Sendung bekommt – „Der Hundeprofi“. Und da sich bekanntermaßen Tier„Zubehör“ gut vermarkten lässt, ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten. Das gepaart mit einer frech-witzig, rheinischen Frohnatur. Die ideale Plattform um medial den Umgang mit Hunden zu verändern, den Hunden eine Stimme zu geben. Neben der TV-Karriere bildet Martin Rütter aus, schreibt Bücher und ist mit einer Live-Tour unterwegs. Mit der aktuellen, „Der tut nix“, machte er am 12. November wiederholt Station in der Cottbuser Stadthalle. Wiederholt wegen großer Nachfrage beim Tourauftakt. Start der nächsten Gastpiel-Runde wird übrigens auch wieder Cottbus – das verkündet Hundeprofi Rütter gleich am Anfang seiner Live-Show. Und sie ist ein interessante Mischung diese Live-Show - aus Appell und Humor, aus Ernst und Ironie, leicht aber gleichzeitig und sehr, sehr inhalts- und lehrreich. Auf die Anfrage hin, wie denn sein Programm entsteht antwortete Rütter: „Ich baue keine Luftschlösser oder sauge mir etwas aus den Fingern. Ich schöpfe dabei aus dem Fundus, den mir meine nunmehr 20-jährige Tätigkeit als Hundetrainer bietet. Ich erzähle also Anekdoten aus meinem Hundetrainer-Alltag. Geschichten, mit denen sich die Zuschauer total identifizieren können, weil sie sich darin wiedererkennen.“ Letzeres beobachte ich auch häufig im Publikum. Da wird ertappt gelacht und da werden gegenseitig Finger aufeinander gerichtet, oft gefolgt von einem zischenden „Siehste!“. Es ist aber auch so verdammt logisch wie und was Martin Rütter da zu sagen hat. Vor allem, alles hat Hand und Fuß. Nichts wirkt gezwungen oder aufdringlich. Didaktisch zuweilen behutsam, zuweilen von Hinten durch die Brust ins Auge „bekehrt“ er seine Zuhörer, schärft deren Sinne für ihre Hunde, sensibilisiert sie für eine aufmerksamere Wahrnehmung und macht dabei eins klar – wer nicht kommuniziert hat schon verloren – oder wie es in den Wald hinein ruft, so kommt es auch heraus. Seien es nun die Erkenntnisse der Verhaltensbiologie oder der simple Vergleich zum Familienurlaub auf Mallorca, die komplexe Welt der Kommunikation zwischen Hund und Mensch ist von der Mensch-Mensch-Variante gar nicht so weit entfernt.
Und gemäß dem Motto „Humor ist immer noch die beste Waffe“ gelingt ihm so mit einer unglaublichen Nonchalance der Spagat zwischen Information und Unterhaltung. Vor allem aber lebt er das, was er da erzählt mit Leib und Seele, mit Haut und Haar und das macht ihn glaubwürdig, ehrlich und authentisch – einfach sympathisch. So antwortet er auf die Frage, ob es denn im Gegensatz zu den Situationen in denen er im Alltag erkannt und mit Fragen angesprochen wird auch andersherum Situationen gibt, in denen er Hundehalter anspricht: „Wenn es die Situation erfordert, tue ich das durchaus. Es liegt ja in der Natur der Sache, dass ich bei Begegnungen mit Mensch-Hund-Teams auch gleich die analytischen Antennen ausfahre. Dieser Impuls lässt sich nie ganz abschalten, das hat man im Blut. Ein professioneller Fußballtrainer könnte sich auch nie ein Spiel anschauen, ohne den analytischen Blick walten zu lassen.“
Ein informativer Abend mit einem großartigen Protagonisten, der vielen Hundemenschen in einigen Belangen die Augen geöffnet haben dürfte und so vielen Hunden ein besseres Leben ermöglicht. Tierschutz mal ganz anders!
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