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Gesehen: DER TEUFEL MIT DEN DREI GOLDENEN HAAREN

Premiere am 22. November 2013, Staatstheater Großes Haus

von Jens Pittasch, Kultur

pictures/artikel/IMG_23660430.jpgEin Theatermärchen - märchenhaftes Theater, und doch ganz anders, als nun mancher beim Wort „Märchen“ vermutet. Wäre es nun nicht schon da, müsste man diese Art des Märchen-Theater-Spiels erfinden. Ganz Märchen, ganz Theater, ganz heute - besser kann man es kaum machen. Beredetes, äh nein, in diesem Fall eher stilles Zeichen dafür: Ein Saal voller Kinder, die eben nichts mehr sagen, die vom ersten Augenblick an (da sägt sich einer von hinten durch eine bühnenbreite Bretterwand) aufmerksam, ja gebannt am Geschehen hängen. Das gibt es nur selten bei den quirligen Kleinen. Regisseurin Catharina Fillers, die in Cottbus bereits „Ronja Räubertochter“ inszenierte, ist mit ihren Darstellern, Musikern und dem ganzen Team ein großer Wurf gelungen. Ein Stück, das unbedingt auch Erwachsenen empfohlen ist, das besonders jedoch für Kinder den besten denkbaren Einstieg in die Welt des Theaters bietet.
Da einfach alles so ineinander greift, zueinander passt, miteinander wirkt, ist es fast ungerecht, Einzelnes oder Einzelne nochmals zu betonen - doch bei Johannes Kienast und Matthias Manz muss es einfach sein.
Matthias Manz ist Catharina Fillers Wundermittel, erneut brachte sie ihn mit, wie schon bei „Ronja“. Manz ist nicht nur musikalischer Leiter des Spiels, sondern als Multitalent auch Darsteller in fünf Rollen, Musiker an gefühlt jedem Instrument und „Waldklangmeister“. Mal mit seiner Band „Matze Mauz & The Wise Old Men“ (an Vielem zupfend Dan Baron, auf Vieles schlagend Heiko Liebmann), dann wieder integriert ins Spiel prägt Matthias Manz das Stück und krönt das Ganze als Teufel.
Und dann Johannes Kienast. In der Titelrolle des Hans („im Glück“; Ist das nicht ein ganz anderes Märchen - ach, egal.) ist er es, der ein Stück aus der Holzwand sägt, hindurchtritt - und dem von diesem Moment an - und mehr, als berechtigt - alle Sympathie und Unterstützung der Kinder gehört. Wie er den 16-jährigen Hans zeigt und seinen Weg von gerade-noch-Unbeschwertheit zu unbeschwert sein Schicksal selbst bestimmend, das ist nicht nur Schauspielkunst, es ist vor allem, das was es sein sollte: ein Lehrstück in Lebenskunst vollkommen ohne erhobenen Zeigefinger.
Nicht möglich wäre das ohne seinen Widerpart, den König, Amadeus Gollner. Als er auftritt, liege ich fast unter´m Stuhl und nun beim Schreiben kommen mir erneut fast Tränen des Lachens. Alles muss er alleine machen, der arme Mann - und wie das Amadeus Gollner macht, da biegen sich die Balken.
Auch er übrigens nicht nur in einer Rolle, sondern einer weiteren, so ganz anderen und anders gelungenen und einer dritten, im Ensemble.
Ebenfalls nicht möglich wäre Hans´ Entwicklung und Johannes Kienast´ Spiel ohne seine Prinzessin, Ariadne Pabst, die durch ihn überhaupt erst einmal mitbekommt, dass es noch eine Welt da draußen gibt, eine Welt in der es um mehr geht, als sich nur um sich zu kümmern, zugleich aber ohne eigene Meinung auf Frau Königin und Herrn König zu hören.
Königin, auch Hans´ Mutter und Städterin ist Angela Schlabinger. Den Vater, einen Räuber und Städter spielt Daniel Borgwardt. Als „Eltern“ können sie nicht so ganz mit „ihrem Sohn“ Johannes Kienast mithalten, sind insofern jedoch für das Verhältnis Eltern-Kind vermutlich so, wie auch die Erfahrung der Kinder im Saal ist (oder sein wird).
Im Wald und in der Hölle trifft Hans auf zwei Frauen, die ihm weiterhelfen. Die eine haust mit den Räubern, die andere ist des Teufels Großmutter. Beide spielt Kristin Muthwill, und besonders in der zweiten Rolle gelingt ihr eine höllenhaft-wundervolle, den Kindern sicher auch sehr verständliche Figur.
Überhaupt nicht möglich aber, oder zumindest viel weniger eindrucksvoll, wären Hans´ und seine Abenteuer ohne die genialen, wundervoll, eben theaterzaubernd, umgesetzten Bühnenideen und Ausstattungsdetails von Cordula Körber (Bühne) und Susanne Suhr (Kostüme). Dabei verfällt Cordula Körber keinesfalls der Versuchung, es überall rauchen, blitzen, verschwinden, erscheinen, hallen und knallen zu lassen. Doch all das macht es, wundervoll unaufdringlich, überlegt und genau eingesetzt, wie nebensächlich, zugehörig halt - Theaterzauber der Theater zaubert.
Ein tolles Stück, so könnte Theater ruhig immer sein.
Übrigens: Sie selbst können dazu beitragen, dass Hans, den Teufel und all die anderen auch Kinder sehen, deren Eltern den Theaterbesuch nicht selbst ermöglichen können. Künstler, Mitarbeiter und Gäste des Staatstheaters spenden für die Aktion „Der spendierte Platz“ des Staatstheaters Cottbus und der Initiative Weltsicht. Bitte beteiligen Sie sich: Informationen gibt es im Theater.
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