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Gesehen: UNTERM WEIHNACHTSBAUM

Premiere am 30. November 2013, Staatstheater Großes Haus

von Jens Pittasch, Kultur

Nun gab es am Staatstheater eine zweite Loriot-Würdigung.
Diesmal im großen Haus, mit ganz großem Aufgebot und --- unfreiwillig.
Denn hätte Vicco von Bülow, der Meister der Realsatire, ein abendfüllendes Programm auf die Beine stellen wollen, um uns unseren Umgang mit Weihnachten humorvoll-bissig unter die Nase zu reiben - es wäre wohl genau so geworden. - Eine Übertreibung jagt die nächste. Und wenn man denkt, es geht nicht mehr dicker, sieht man sich getäuscht. Nur - im Gegenteil zum „großen Loriot-Abend“ in der Kammerbühne, bei dem die Kopien der Originalsketche im Klamauk steckenbleiben, ist dieses Programm ernstgemeint. Ungewollt hält Regisseur Martin Schüler der Weihnachtstümelei den Spiegel vor. Wo Vicco von Bülow die Abgründe des Zwischenmenschlichen dem Lachen preisgibt, soll hier Weihnachtsstimmung entstehen.
Es ist also Samstagabend vor dem 1. Advent. Auf den Bühnenseiten stehen kleine, von Eis ganz und gar verhüllte Häuschen und eine Kirche. Die Schornsteine rauchen. Den gesamten Bühnenhintergrund überspannt ein glitzernder Sternenvorhang - vor den eine bunte, riesige Geschenkedose rollt. Musik setzt ein, das Philharmonische Orchester unter Leitung von Christian Möbius spielt den „Tanz der Zuckerfee“ und Jennifer Hebekerl, dem Spielzeug entstiegen, tanzt dazu. Erstarrt dann und wird kurz darauf zur Tanzpartnerin für Heiko Walter, der singend von einer weißen Weihnacht träumt.
Und so nimmt ein klischeehaftes Programm seinen Lauf, in dem alles irgendwie steif und aufgesetzt wirkt, wodurch der triefende Kitsch erst recht zur Karikatur gerät - und auch die Stellen überdeckt, in denen künstlerische Möglichkeiten immerhin anklingen oder zu sehen sind. Das betrifft positiv die Tänzer (nicht jeden), auch einige Solopassagen (besonders Hardy Brachmann), die vereinten Chöre des Staatstheaters und der Singakademie, ebenfalls Magdalena Werhuns Tanzkinder und das Philharmonische Orchester (bis auf barocke Blechblas-Ausrutscher).
Mag sein, dass es mit meinem Verständnis dieser Weihnachts-ART auch nicht weit her ist. Vielleicht aber, nur ganz möglicherweise, ist es einem Weihnachtsprogramm zuzumuten, nicht aus jeder Pore Glückseligkeit und Gloria zu schwitzen. Es verlangt ja keiner, als Handlungsorte die Cottbuser Tafel oder syrische Flüchtlingslager zu wählen, doch das Ganze näher ins Heute zu holen, wäre schon eine Idee gegenüber dieser ewigen Gute-alte-Zeit-Stimmung, die in den damaligen Originalen dieser Bühnenhäuschen wohl so gut auch nicht war.
Jesus jedenfalls, dessen Geburt als Vorwand herhalten musste, als ein heidnisches Datum in ein christliches verwandelt wurde, hätte vermutlich alle Macher, Mitwirkenden und Gäste aus unserem schönen (Musen-)Tempel gejagt (und dann noch die Tische und Buden des Weihnachtsmarktes umgestoßen), wie einstmals (ähnlich) in Jerusalem. Und uns dann alle daran erinnert, worum es ihm wirklich ging.
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