Home Artikel Nachrichten Heft Suche Termine

Gehört: Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus 2014

von Simone Claudia Hamm, Kultur

Wer die hängenden Gärten von Babylon erstaunlich findet, wird die Ausstellung „Graben für den Sieg oder die Gärten des Überlebens“ der französischen Künstlerin Stéfanie Nava im DKW lieben. Hier kann man sich in aufwendigen Rauminstallationen die Mörchen von unten betrachten, amorphe Käferpflanzen entdecken und etwas über die historische Entstehung von Schrebergärten als Bevölkerungsversorgung in Kriegszeiten lernen. Hunderte Handzeichnungen bestechen durch ihre akkurate phantasievolle Detailverliebtheit und den ungewöhnlichen Präsentationscharakter, unbedingt sehenswert vom 25.1.-23.3.2014.
In der parallel stattfindenden Ausstellung „Von Andeutungen und Landschaften“ mit Arbeiten von August Wilhelm Schirmer und dem 1798 in Cottbus geborenen Carl Blechen stehen sich kultiviert gezähmte und wilde Natur gegenüber. Schirmers Landschaftszeichnungen für Pücklers „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ werden gekonnt gegen die spätromantischen Naturfarbschauspiele Blechens aufgewogen.
„Von Land und Leuten“ ergänzt den historisch modernen Zyklus mit ca. 100 Papierarbeiten und Fotos aus der Sammlung des DKW, welche vor allem Kolchose, Landleben und Landnutzung beleuchtet.
Abstrakt wird es bei Christine Hilscher, Stipendiantin der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, die in Sysiphosarbeit Leinwände in monoton, monochromen Kombinationen mit Pinselstrichen und wiederkehrender Mustern überzieht, zu sehen vom 25.1.-16.3.2014. Weitere Förderpreisträger des Landes Brandenburg werden im Jahresverlauf vorgestellt.

Das DKW zeigt vom 5.4.-22.6. Bildergeschichten aus DDR Heftchen „Atze und Mosaik“ welche die Auseinandersetzung mit der These Comic als Massenmanipulationsmedium thematisiert. Die Digedags bzw. Abrafaxe erlebten ihre unterschiedlichsten Abenteuer in der Zeitgeschichte und nahmen so bildungspolitischen Einfluss auf die Denkweise von jungen Lesern indem sie historische und damals aktuelle Ereignisse einbanden und werteten. Die Konzeption, Bilderauswahl und Präsentation beruht auf Forschungsergebnissen von Dr.Thomas Kramer (Berlin). Eine hervorragende Möglichkeit sich kritisch mit dem Thema Medien auseinander zusetzten.
„Helikopter unter den Fingernägeln“ zeigt eigenwillige surreale kreischbunte Plakate, Comiczeichnungen und Illustrationen von Henning Wagenbrecht, die teils an frühe Computergrafiken in CGA Farben erinnern. Durch die Beschränkung auf eine untypische Farbpalette und primitivistische Darstellungen erreicht er einen eindeutigen Stil und möchte laut eigener Aussage „einen Beitrag zur Streitkultur und gesellschaftlichen Willensbildung“ leisten, zu sehen vom 5.4. bis 15.6.

Weiter geht es philosophisch fotografisch mit „Noch ein Leben“ von Ludwig Rauch, einer umfassenden Einzelausstellung vom 5.4.bis 25.5. mit nachdenklich machenden Bilderserien, die die Widersprüchlichkeiten des Lebens zeigen, wie die Motive „Rentner“ bei der ältere Menschen auf der Straße fotografiert wurden und durch Nennung ihrer Berufe nicht mehr fremd sondern gesellschaftlich kategorisierbar erscheinen, differenzierbar werden und doch alle gleichzeitig „alt“, „ungebraucht“, „abgelegt“ und „einander ebenbürtig“ erscheinen, als hätten sie Ihren Daseinszweck verloren, so reduziert auf ihre ehemaligen Beruf und doch lächelnd in die Zukunft blickend.

„Die Kritische Kamera“ vom 6.6. bis 17.8. erscheint als bittersüße Mischung zwischen Aufklärung und Medienrummel. Die Serie „Bescheidene Helden“ zeigt die Gewinner des alternativen Nobelpreises fein säuberlich drapiert vor einem Thron, „certificate no 000358/“ veranschaulicht die Mitleid schürenden Folgen atomarer Verstrahlung. Wie wichtig sind uns Medien die Scandale aufdecken oder Prominente zeigen, bezahlen wir gern für ein gutes Bild oder unterstützen wir lieber die Sache an sich? Eine kontroverse Ausstellung die viel Platz für Diskussionen und die Erkundung von Wirklichkeits- bzw. Wahrheitsebenen bereithält.

Viel Freude beschert die alljährliche Ausstellung „Der Funke springt über“ vom 2.7. bis 24.8. mit außergewöhnlichen, beeindruckenden Exponaten aus den Kursen und Workshops des MUKK, die an Ausdruckskraft, Vielfalt und Qualität jeweils für sich ein Highlight sind und professionellen Arbeiten in keinerlei Hinsicht nachstehen. Aktuelle Kursangebote kann man auf der Internetseite des DKW finden.

Eine deutliche Veränderung ist auch die vermehrte Präsenz von Cottbusser Künstlern im zweiten Ausstellungshalbjahr nicht nur Mona Höke mit „Zwischentöne.Malerei“ vom 5.7. bis 31.8. auch die Künstlergruppe Mangan25 „Aktionsraum Finde Mangan!“ vom 22.11. bis 18.1. präsentieren ihre Werke, eine Zusammenarbeit mit dem Carl Thiem Klinikum unter dem Thema „Körper und Geist / Kunst und Medizin“ vom 30.8. bis 26.10. ist anlässlich des Jubiläumsjahres in Planung. Ein abwechslungsreiches Jahresprogramm contemporärer, regional angebundener, experimentierfreudiger
home - artikel - heftarchiv - nachrichten - impressum - datenschutz
folge uns: Facebook - Twitter
Blicklicht, www.kultur-cottbus.de © 2018 Blattwerk e.V. Cottbus