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Den Strommarkt der Zukunft gestalten

von Simone Krüger, Öffentlichkeitsarbeit UIKW, Politik

Wie wird sich die Energieversorgung in Deutschland entwickeln? Welche Voraussetzungen müssen für die Energiewende geschaffen werden, und welche Konsequenzen folgen im Braunkohlesektor? Zu diesen Themen referierte Dr. Christian Hey, Generalsekretär des Sachverständigenrats für Umweltfragen, am 14. Januar an der BTU Cottbus-Senftenberg. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Studentengruppe Umweltinfokraftwerk und der Grünen Liga Cottbus, mit Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung. In seinem Vortrag mit anschließender Diskussion präsentierte Hey das im November erschienene Sondergutachten „Den Strommarkt der Zukunft gestalten“. Darin legt der SRU der Bundesregierung klare Vorschläge zur Energiewende vor.
Gerade hier in der Lausitz stellt der Strommarkt der Zukunft ein höchst brisantes Thema dar. Das große regionale Interesse spiegelte sich auch in der Besucherzahl wieder, mit über 170 Gästen war der Veranstaltungssaal bis zum letzten Platz gefüllt.

„Hundert Prozent erneuerbare Energien sind technisch möglich“, erklärte Hey zu Beginn seines Vortrags. Auch wirtschaftlich wird eine Umstellung auf erneuerbare Energien langfristig günstiger sein als eine konventionelle Energieversorgung. Bis 2050 soll es in Deutschland 100% erneuerbaren Strom geben, das fordert der SRU. Das Ziel der Bundesregierung, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion bis 2050 auf 80% zu erhöhen, sei nicht ausreichend, um die gesetzten Klimaschutzziele zu erreichen. Darüber hinaus sei es wichtig, Versorgungssicherheit und Kosteneffizienz zu gewährleisten. Der Übergang müsse ohne große Brüche von Statten gehen, so die Ziele des SRU.

Um sich an die neue Energieversorgung anzupassen, muss der Strommarkt der Zukunft flexibler werden. Da Sonne und Wind nicht immer im gleichen Maß vorhanden sind, wird es starke Produktionsschwankungen geben. Ein europaweiter Netzausbau ist daher sinnvoll, damit eine Überproduktion in einem Land zum Ausgleich eines hohen Bedarfs in einem anderen Land genutzt werden kann. Zudem soll überschüssiger Strom für Zeiten mit erhöhter Nachfrage gespeichert werden, beispielsweise in Pumpspeicherwerken.

Doch um tatsächlich bis 2050 eine vollständige Umstellung der Stromversorgung zu erreichen, muss der Sektor zunächst stark ausgebaut werden. Der SRU schlägt vor, das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) zu reformieren und eine gleitende Marktprämie vorzuschreiben. Durch diese erhalten Produzenten bei der Einspeisung von erneuerbarem Strom den Differenzbetrag zwischen ihren Produktionskosten und dem gegenwärtigen Marktpreis. Ein wertorientiertes Modell soll es den Betreibern von Anlagen zudem ermöglichen, verstärkt zu Zeiten mit großem Strombedarf zu produzieren.
Finanziert wird das ganze durch die EEG-Umlage, deren Skandalisierung in den Medien Hey kritisiert. Es sei notwendig, den Ausbau erneuerbarer Energien auf diese Art zu unterstützen. Denn durch das Markteinkommen allein können die hohen Investitionskosten nicht gedeckt werden, dafür ist der Börsenpreis für Strom zu niedrig. Doch Strom aus fossilen Quellen wie Braunkohle kann zurzeit auf dem Markt nur deshalb so billig angeboten werden, weil sich die externen Kosten wie Klimafolgen und Gewässerverschmutzung im Marktpreis nicht widerspiegeln. Klimaschädliches Handeln werde nicht bestraft, beklagt Hey, die EU-Klimapolitik würde an dieser Stelle noch nicht greifen. Doch sobald im EU Emissionshandel die Preise für den CO2-Ausstoß stark ansteigen, so kündigt Hey an, wird auch Kohle nicht mehr wettbewerbsfähig sein.

Das Thema Kohleverstromung behandelt Hey im letzten Teil seines Vortrags. „Ohne CCS hat die Kohle in der EU keine Zukunft“, stellte dort klar. Carbon Capture and Storage (CCS) ist eine umstrittene Technologie zur Speicherung von CO2 Emissionen, wie sie bei der Erzeugung von Kohlestrom entstehen. Jedoch wurden in den letzten Jahren europaweit fast alle CCS Pilotprojekte abgesagt oder verschoben, eine kommerzielle Einführung sei nicht absehbar und käme wahrscheinlich auch zu spät. Dadurch ist Kohleverstromung mit den deutschen Klimaschutzzielen nicht vereinbar. Darüber hinaus passt sie sich auch den Produktionsschwankungen der erneuerbaren Energien schlecht an. Schon jetzt hat dieser Systemkonflikt Überkapazitäten, starke Exportüberschüsse und kurzfristige Netzüberlastungen zur Folge. „Wir brauchen einen Kohleausstiegsplan“, so das klare Fazit von Dr. Christian Hey.
Die Präsentation ist abrufbar unter: http://uikw.wordpress.com/ und das Gutachten unter www.umweltrat.de
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