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Gesehen: 4. Philharmonisches Konzert

Staatstheater Cottbus, Großes Haus, 15. Dezember 2013

von Jens Pittasch, Kultur

† ROBERT SCHUMANN (1810-1856)
Manfred-Ouvertüre op. 115
† SIEGFRIED MATTHUS
Traum einer Sommernacht | Konzert für Violine und Orchester (2012, Uraufführung der Neufassung); Viviane Hagner – Violine
† MAURICE RAVEL (1875-1937)
Tzigane | Konzertrhapsodie für Violine und Orchester; Viviane Hagner – Violine
† SIEGFRIED MATTHUS (*1934)
Gewitter in einer Sommernacht | Auftragswerk des Staatstheaters Cottbus | Uraufführung
† ROBERT SCHUMANN
Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 (Rheinische)


´Gerade noch´, beim Text zum 2. Philharmonischen Konzert (Blicklicht, 12/2013), verwies ich auf Siegfried Matthus als das Original, bei dem sich junge Komponisten kopierend bedienen.
Diesmal nun gibt es den echten Siegfried Matthus. Er ist selbst da, es ist auch Zeit für kurze Worte und schöne Erinnerungen „Wagners“ (der ich als kleine Rolle für ihn sein durfte) an den wirklichen Meister.
Marc Niemann hatte die musikalische Leitung für Matthus´ „Cosima“ in Cottbus. Heute nun steht unser 1. Kapellmeister zum letzten Mal in dieser Position einem Konzert des Philharmonischen Orchesters vor. Er wird zur neuen Spielzeit Generalmusikdirektor des Stadttheaters Bremerhaven.
Für sein Cottbuser Abschiedskonzert wählte Marc Niemann eine Fünffach-Kombination mit zwei Doppelpacks. Maurice Ravel umrahmt von zweimal Matthus, zweimal Schumann.

Eine Miniatur fast bildet den Auftakt, die Manfred-Overtüre. Schumann, übrigens im Wahnsinn gestorben, sprach über sein Werk vom: „ungeheuren, stillen, gepressten, lyrischen Wahnsinn" und meinte damit wohl nicht nur die zugrunde liegende Byron-Dichtung um Geisterbeschwörung und Faust-Kopie. Obwohl also im Kontext dramatisch kommt die Overtüre zunächst eher klassisch schön daher, als Normalkost nach dem Geschmack wohl der meisten Konzertbesucher. Doch dabei sollte es nicht bleiben, ganz und garnicht. Eine dissonante Achterbahnfahrt setzt an - und ist wie diese dann schnell vorbei, mit einem schwermütigen, traurigen Ende, das überleitet zum ersten Matthus.

„Traum einer Sommernacht“ ist sein Konzert für Violine und Orchester benannt, das er eigens für die Solistin Viviane Hagner schrieb und dessen Cottbuser Neufassung wir als Uraufführung hören. - Es beginnt wie der eine Lufthauch eines ansonsten ruhigen Tages dessen Stille hier Töne sind, die vielfältig sanft aus dem Orchester klingen, sich davon abhebend Viviane Hagners Geige, sich zum verspielten Wirbel steigernd, der keck die Blätter umhertreibt und in eine geheimnisvolle Tiefe strömt. Das Ensemble der Musiker deutet deren Aussehen und Charakter sparsam an, und wir ahnen mit den Klängen der Violine, was es dort zu erleben gibt.
Noch mehr Verborgenes gestaltet das Orchester, spannend ist das, wohlklingend, verzaubernd - moderne Musik zum Verlieben, großartig gespielt, sich zu einem (kleinen) Triumph aufschwingend und doch zurückhaltend - toll - ein Kauftipp, wäre diese Fassung überhaupt verfügbar.

Ravel - erneut mit Viviane Hagner.
Ernst und dunkel setzt ihre Violine ein. Erzählt mit recht besonderem Klang eine bewegende Geschichte, die nur ganz entfernt etwas mit Zigeunern (Tzigane) zu tun hat, dafür jedoch mit Zeiten und Episoden des Lebens, die wohl jeder schon erlebt hat und nachfühlen kann. Ganz tief hinein versetzt ist auch Viviane Hagner, bringt mit ihrem Instrument Wunderbares dieses Inneren hervor und blitzt dabei, mit kurz aufblickenden Augen, einen Huster derart an, dass dieser umgehend den Saal verlässt.
Das spät hinzukommende Orchester lässt Umgebungen der Handlung entstehen, bietet Betonungen und einen Ausklang.

Siegfried Matthus ist auch „Lieferant“ des neuen Auftragswerkes des Staatstheaters Cottbus, in der Folge der Uraufführungen neuer Musik, die zum Markenzeichen unseres Orchestergeschehens wurden. Das Stück heißt „Gewitter in einer Sommernacht“ und Matthus´ komponierten auch eben das: Es grollt fern, erste Unruhe zieht herauf, dann sind wir mitten drin in umherwirbelnder Musik. Donner und Wind sind einfach überall, Regen peitscht in Schwaden über das Land - dann kommen die Sterne wieder hervor, es tropft noch von den Blättern und Rinnen, der Mond scheint durch die abziehenden Wolken - ein wahrer Lichtblick im Reigen der Uraufführungen - die Nacht kehrt zurück zur Ruhe.
Danke Herr Matthus, danke Herr Niemann, vielen Dank Orchester.

Doch der Abend ist noch nicht vorbei.
Mit Robert Schumann verabschiedet sich Marc Niemann vom Cottbuser Konzertpublikum. Bremerhaven erhält in ihm einen GMD mit klarer musikalischer Handschrift und konzeptionellen Vorstellungen, die an der Wesermündung, im Eindruck von Gezeiten, Möven und Meer, zu interessanten Programmen führen werden. Und da es so aussieht, dass ich beruflich im Herbst das eine und andere Mal dort sein werde, freue ich mich bereits, das Küsten-Orchester unter seiner Leitung zu erleben.
Schumanns dritter Sinfonie, der „Rheinischen“, liegen Erlebnisse zwischen Köln und Düsseldorf zugrunde. In musikalischer Form erlebt der Hörer, den Eindruck, den der Dom auf Schumann machte, aber auch das rheinische Leben. Eine vollkommen faszinierende Komposition - wohl einer der Belege für das Wunder Musik - des Wunders Mensch.
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