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Ist die Welt aus den Fugen?

Ein Kommentar zur Ukraine

von dh, Politik

Ein Freund kam aus dem Urlaub zurück und fragte, was denn so los gewesen sei. Die Antwort, dass die Russen in der Krim einmarschiert seien, war für uns beide irgendwie überraschend. Ich hatte mich zwar wie alle anderen täglich mehr und mehr daran durch die Nachrichten gewöhnt. Aber dieser Moment zeigte noch einmal den Bruch in der derzeitigen Entwicklung.

Doch die Vorgänge in der Ukraine weisen auch auf „uns“ selbst zurück, denn anhand der Geschehnisse werden fünf Punkte (wieder) deutlich:

1. Wirft es einen Blick auf das Mediensystem der Bundesrepublik, das eben nicht ausgewogen berichtete.
2. delegetimieren die derzeitigen Vorgänge die deutsche Außenpolitik auch nachträglich, wenn der Ex-Kanzler Gerhard Schröder Putin in Schutz nimmt, weil er im Kosovo ja auch einen völkerrechtswidrigen Krieg geführt habe.
3. wird vielen wieder bewusst, dass „wir“ (also NATO und EU) nicht zwangsläufig die Guten sind.
4. ist nicht jeder „friedliche“ Aufstand zwangsläufig gut, zumal er in der Ukraine (nach der Orangenen Revolution 2004 wieder) massiv von außen finanziert wurde. Mögen einige der unterstützenden Organisationen und Staaten auch durchaus hehre Absichten gehabt haben, ist doch klargeworden, dass
5. die angebliche westliche Freiheit eben auch immer an den Kapitalismus gekoppelt ist oder wird – und eine solche Revolution auch bedeutende neue Märkte und Investitionsmöglichkeiten eröffnet.

Und genau diesen letzteren Punkt fanden zumindest einige scheinbar so interessant, dass sie eine „Revolution“ eben auch aus diesen Gründen forcierten und dabei in Kauf nahmen, dass auch faschistische Kräfte an die Macht kamen.

Im September 2011 haben wir in der Blicklicht einen Artikel veröffentlicht, der mit den Worten schloss, dass nach den gewaltfreien Farbrevolutionen in Osteuropa und dem Kaukasus ein westlich kapitalistisches System mit repräsentativer Demokratie eingerichtet würde, was sicher nicht das beste System auf Erden ist, aber die Freiheitsgrade gegenüber vorherigen Diktaturen erhöht.
Schauen wir auf die derzeitigen Ereignisse in der Ukraine, so lässt sich diese Aussage deutlich kritisch hinterfragen – es lohnt sich also sicher, noch einmal einen Blick auf den Artikel anbei zu werfen.
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