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Gesehen: ÜBERLEBENSKÜNSTLER. Nathans Kinder

9. April 2014, Staatstheater - Kammerbühne

von Jens Pittasch, Kultur

„Nathan der Weise“, wird sich mancher gedacht haben, verbunden mit, „oh je - muss das sein?“
Die Antwort nach dem Ansehen ist ganz klar: „Ja. SO muss das sein!“
Ariadne Pabst, Johannes Kienast, Matthias Manz (alt. Kai Börner), Gunnar Golkowski und Amadeus Gollner schleudern uns den alten Stoff in der neuen Fassung von Ulrich Hub, im eindrucksvollen Bühnenbild von Cordula Körber und in Catharina Fillers Regie derART entgegen, dass vom oft angestaubt, gern auch laienhaft dargebotenen Lessing-Original genau das Beste bleibt.
Ulrich Hub, selbst Schauspieler, hat „Nathan“ verdichtet und entstaubt, Wesentliches jedoch übernommmen. Cordula Körber stellt die Darsteller in eine Stadt, die aus Lautsprecherboxen errichtet wurde. Säulen aus Lautsprechern, Lautsprecherskulpturen, Lautsprecherebenen - geschickt beleuchtet werden sie zu den Häusern der Stadt über denen deren Klang leise schwebt, aus deren runden Augen man beobachtet wird, und deren Klangöffnungen allgegenwärtige Ohren und Münder sind. Die Stadt ist Jerusalem, ein Kreuzritter hat ein Mädchen aus einem brennenden Haus gerettet kurz nachdem er selbst, vom Sultan persönlich begnadigt, seiner Hinrichtung entgangen war.
Christ ist Ritter Kurt (Johannes Kienast), Jüdin meint Recha zu sein (Ariadne Pabst) und Nathans Tochter (Amadeus Gollner). Matthias Manz ist der Muslim Sultan Saladin und Gunnar Golkowski dessen katholischer Gegenspieler, der Bischof.
Drei der Weltreligionen und der brisanteste Ort ihres Zusammentreffens - seit fast tausend Jahren.
Die weitere Geschichte sollte bekannt sein. Es ist das Stück, in der des Sultans Finanznot ihn beim Juden Nathan Geld leihen lässt, der Bischof Ritter Kurt als Mörder Saladins und Saladin Kurt als Mörder des Bischofs anheuern will, Nathan auf die Frage nach der wahren Religion mit der berühmten Ringparabel antwortet, sich Recha und Kurt verlieben und Recha zudem erfährt, dass sie nicht Nathans Tochter sondern christliches Findel ist. Aufgezogen vom Juden nachdem Christen dessen Familie umbrachten.
Besonders das Wechsel- und Zusammenspiel von Ariadne Pabst und Johannes Kienast ist ein Erlebnis, einen faszinierenden Charakter gestaltet Multitalent Matthias Manz, umtriebig scheinheilig ist Gunnar Golkowskis Bischof, ein wenig blasser an diesem Abend bleibt Amadeus Gollner.
Gemeinsam vermitteln sie einen (leider) zeitlosen und in ihrer Darstellung besonderen Blick auf den Klassiker, auf das Stück des tiefen Misstrauens mit der immer gleichen Behauptung dem einzig wahren Gott zu dienen. Das beste Schachspiel aller Zeiten hat Catharina Fillers nicht nur ganz unmittelbar in Szene gesetzt, sie fand auch für die zentrale Rolle der Ringparabel, als dreiseitiges Patt und dreiseitige Chance - die Recha und Kurt als erste ergreifen - eine besondere Lesart. Sehenswert!
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