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Gesehen: Captain Jack Sparrow trifft Batman

Legendäre Filmmusik-Hits aus 50 Jahren, Staatstheater Cottbus, Großes Haus, 13. April 2014

von Jens Pittasch, Kultur

Mit guten Fortsetzungen erfolgreicher Filme ist das so eine Sache. - Mit guten Fortsetzungen erfolgreicher Filmmusikkonzerte offenbar auch.
Anfang 2011 landete unser amerikanisch-Cottbuser Generalmusikdirektor Evan Christ einen Volltreffer mit dem John-Williams-Sonderkonzert. „Der weiße Hai“, „Star Wars“, „Harry Potter“, „Indiana Jones“ oder „E.T.“, jeder kennt die Klänge. Noch stärker, als mit den Familienkonzerten lockte unser, für sein Programm prämiertes Philharmonisches Orchester neue Besucher ins Theater. Kinder lagen ihren Eltern in den Ohren und viele aus beiden Generationen hörten und sahen erstmals einen klassischen Klangkörper live.
Klar, dass der Erfolg nach einer Fortsetzung rief, und eine einfache Wiederholung stand sicher im Widerspruch zu den Erwartungen; den eigenen und denen der Besucher.
„Filmmusik-Fan Evan Christ kennt natürlich noch viele weitere legendäre Stücke, die er dem Publikum präsentieren möchte.“, ist zum neuen Konzertprogramm zu lesen, und er selbst erklärt anmoderierend, diesmal Werke deutscher Komponisten oder zumindest mit einem musikalischen oder persönlichen Bezug zu Deutschland ausgewählt zu haben.
Los geht es mit „Pirates of the Caribbean „, gern Hans Zimmer zugeschrieben, jedoch eigentlich von dessen Assistenten Klaus Badelt und sieben weiteren Komponisten geschrieben.
- Eines hier eingeschoben: Alle folgende Kritik bezieht sich auf den Vergleich mit dem gewohnten Niveau unseres Philharmonischen Orchesters. An diesem Abend ist die Musik anders, ist das Publikum anders und steht Evan Christ irgendwie neben sich, was sich auf seine Musiker überträgt. Überwiegend werden die Zuhörer des Konzerts meine Aussagen also nicht teilen können und haben nichts Kritisches bemerkt - doch sollte man deshalb mit zweierlei Maß messen? -
„Fluch der Karibik“ also: Die Snare (kleine Trommel) schleppt, auch sonst ist rhythmisch viel Luft nach oben - ich staune. „Den Pepp des Originals vermisst man leider“, notiert Christiane. Dieses Original übrigens stammt überwiegend aus dem Computer. Zumindest Synthesizer-Fan Zimmer arbeitet lieber mit seinen elektronischen Musikern, als mit echten. Einsatzprobleme sind da eher unwahrscheinlich.
Ebenfalls anteilig von Hans Zimmer ist das nächste Stück, „Eptesicus“ aus “Batman Begins”.
James Newton Howard, Ramin Djawadi und Mel Wesson wirkten an der Komposition mit. Asynchronität im Orchester hier zu Beginn, Schwung und Aufmerksamkeit fehlen.
In seine Zwischenmoderationen hat Evan Christ kleine Geschichten und Hintergründe zur Entstehung der Filmmusiken eingebaut, allerdings hätte ihm von den Sprach-Fachleuten am Haus vielleicht jemand Moderationskärtchen schreiben sollen, denn seine zig ineinandergefalteten A4-Blätter tragen wesentlich dazu bei, dass er sich weder auf Musik noch auf Text, weder auf das Publikum noch sein Orchester konzentrieren kann.
Und so schleppen sich die Titel irgendwie gewollt dahin und klingen klassisch ungewohnte Instrumentierungen, wie E-Bass und Schlagzeug eher bemüht.
Den anderen Beitrag an der Unstimmigkeit liefert das Programm selbst. Es sind halt nicht die großen, allseits bekannten Kompositionen - offenbar im Bewusstsein dieses Problems dann doch auch John Williams - und sofort klingt alles ganz anders. Dagmar Klauck (Flöte) und Charles Schap (Horn) liefern in „Jurassic Park“ sehr Gutes und ihre Orchesterkollegen ziehen nach, wenn auch noch nicht mit gewohnter Emotion und Präzision.
Offenbar war dies der Schalter, denn nach der Pause steigern sie sich weiter.
Thematisch sind nun gruselig, mit „Psycho“ von Bernard Herrmann, nur die Streicher am Werk. Klanglich scheint es, haben gleich mehrere der Cottbuser Composers-in-Residence Anleihen bei der bemerkenswerten Musik von 1960 genommen.
Dann gleich nochmal John Williams, „Fourth of July”, mit Frank Würtzl an der Trompete. Alles gelingt nun wesentlich überzeugender, als im ersten Teil des Abends.
„Che Valiers De Sangreal“ aus „Da Vinci Code“ (Hans Zimmer) wird zum bisherigen Höhepunkt, mit leichten perkussiven Einschränkungen.
Interessant ist, was Evan Christ zum nächsten Titel berichtet, denn von Erich Wolfgang Korngolds Filmmusik zu „Kings Row“ (1942, mit Ronald Reagan!) hat John Williams sein „Star Wars“- Motiv geklaut.
Eindrucksvoll, wenn auch noch nicht ganz versöhnlich, bald darauf der Abschluss mit Musik aus „Gladiator“ (Hans Zimmer, Lisa Gerrard) ... das heißt der Abschluss ist es noch nicht ganz, denn stürmischer Beifall führt zu einer (ersten) Zugabe. Und die hat sich gewaschen; nicht wiederzuerkennen erklingt, quasi als Rehabilitation, „Fluch der Karibik“ - „DIE AUFGEWECKTE“. Nun noch mehr Applaus und großer Jubel und die zweite Zugabe, wie mit einem anderen Orchester (und in leicht anderer Fassung) - es geht also doch: Wow!
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