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Gesehen: PIECES OF NYMAN & PURCELL PIECES

Doppelpremiere am 24. Mai, Staatstheater Cottbus

von Jens Pittasch, Kultur

Ballett ist für mich nah an der Bildenden Kunst - sind es nicht auch bewegte Skulpturen, lebendige Bilder? Und mit der Bildenden Kunst tue ich mich schwer. In ein riesiges schwarzes Rechteck mit weißem Punkt die Aussage hineinzudeuten: „Was will uns der Künstler damit sagen?“, finde ich zumindest verwegen. Es ist auch interessant, bei Ausstellungseröffnungen lange Betrachtungen hierzu von Kuratoren oder eigens geladenen Kunstwissenschaftlern zu hören und dann die anwesenden Künstlern zu fragen, ob sie wirklich im Sinn hatten, was gerade gesagt wurde ......
Dem Tanz also nähere ich mich verhalten.
Allerdings hatte bereits die Ankündigung der Ballett-Doppelpremiere einige Erwartungen geweckt. Ging es doch um Choreographien zu Musiken der sehr verschiedenen Briten Henry Purcell (~1659-1695) und Michael Nymen (*1944). Nymen ein moderner Minimalist und bekannt durch seine mehr als 20 Filmmusiken (u.a. „The Piano“, 1993); Purcell Barockmusiker - von Nymen allerdings in dessen Werk durchaus zitiert.
Ohne Zitate, dafür mit sehr hoher Eigenständigkeit und wundervollen Besonderheiten ausgestattet sind die beiden Cottbuser Ballettfassungen. PIECES OF NYMAN, in der Choreographie von Adriana Mortelliti, erlebte gar seine Uraufführung.
Auf der dunklen Bühne steht eine undurchdringliche Hecke, eine grüne Pflanzenwand. Und erinnert an „Der geheimnisvolle Garten“. Geheimnisvoll auch Nymans Musik, leider beeinträchtigt durch die nicht eben perfekte Wiedergabequalität der Einspielung.
In den grünen Ranken beginnt es sich zu bewegen, Silhouetten menschlicher Körper werden erkennbar, lösen sich heraus und beginnen einen befreiten Tanz. Kehren zur Hecke zurück, die sich als gar nicht so undurchdringlich zeigt. Geburten gleich entschlüpfen ihr weitere Planzenwesen, verbergen sich wieder darin, kehren zurück - erblühen in Rot, um schließlich erneut im Grün zu verschmelzen. Vom Äußeren wandelt sich das Bild nach Innen, in ein gleißendes Weiß, zur funktionalen Welt der Menschen. Auch hier erleben wir nun den Zyklus des Entstehens, Seins und Vergehens - sehen Ähnlichkeiten und ganz Anderes. Bestaunen Tanz auf Spitze, der daherkommt, wie schwebend, hören Klänge, die bereits in sich verzaubern und sich mit den bewegten Bildern in ein wundervolles Gesamtkunstwerk vereinen. - Mit lautem Jubel und großem Applaus bedanken sich die Gäste für diesen ersten Teil.
Alles ist nun in Samt-Brokat-Schwarz. Es erklingt Purcells Barockmusik. Irgendwie ein (schöner) Widerspruch zu beidem, die eher arabisch anmutenden Kostüme der Tänzer.
War PIECES OF NYMAN schon richtig gut, stellt sich PURCELL PIECES, nach der Choreographie von Niels Christe und unter Einstudierung von Annegien Sneep als absolut beeindruckend heraus.
Wie unsere nur acht Tänzerinnen und Tänzer die große Bühne verzaubern fasziniert (Greta Dato, Inmaculada Marín López, Denise Ruddock, Venira Welijan, Juan Bockamp, István Farkas, Stefan Kulhawec und Jason Sabrou).
Beide Bühnenräume gestaltete Thomas Rupert, während die Hecke (Wand) als „Anspielpartner“ den Spielraum jedoch etwas verengt, bietet der edle Saal im zweiten Teil erst die Plattform der dann auch entstehenden, großartigen Entfaltung für Solo- und Paartanz und Gruppenbilder in beeindruckendem Wechsel zwischen Geometrie und Freiheit.
Teils stehender Applaus und viele Bravo-Rufe - beides kaum endend - geben den Tänzern und Machern den berechtigten Dank.
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