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Gesehen: „Carmen“- das Tanztheater

von Aron Schmidt, Kultur

Die Oper „Carmen“ ist ein wahrhaftig großes Stück und fast jede Interpretation ist einen Blick wert. Die Geschichte von Carmen ist durch ihre dauerhafte Frage, wie weit die Freiheit geht und wie sehr Liebe und Hingabe Menschen kontrolliert, ein auch heute noch brisantes Stück. Die detaillierte Beschreibungen von Lust und Verlangen sind durchaus einzigartig und verlangen eine große Professionalität. Auch die Vielfalt der Figuren ist groß und tiefgründig.
Das TanzArtTheater hat sich für eine Interpretation des Stücks als Tanztheater entschieden, einer Inszenierung in einer Kunstform des Tanzes, die weniger auf die strengen Bewegungsabläufe des Balletts setzt, sondern vielmehr auf eine theatralische Darstellung.

Das TanzArtTheater hat technisch alles richtig gemacht. Die Musik passt stimmig zu den Bewegungsabläufen und die Hauptfiguren sind eindeutig herausgearbeitet. Der Tanzstil ist leicht verständlich. Das macht es angenehm, einfache Situationen und Bilder zu verstehen. Die Kostüme sind hingegen für manche gewöhnungsbedürftig, die schwarze Kleidung wird nur mit kleinen Tüchern oder Ketten verfeinert. Das lenkt den Blick auf den Tanz.

Doch das angenehm Einfache ist auch der große Stolperstein des Stücks. Die große Stärke von „Carmen“, die Erotik, Lust und das Detail der Figuren, kommt deutlich zu kurz. Oft treten nur Carmen und Sergeant José auf. Der Rest der Tanzgruppe versucht ein Hintergrundbild zu schaffen, das nur manchmal eindeutig ist. Die weiteren (Neben-)figuren, bis auf Escamillo, sind kaum erkennbar. Auch die Verzweiflung Sergeant José´s ist nicht eindeutig. Der Umstand des Mordes wird auch nur demjenigen klar, der „Carmen“ kennt. Und das ist mein Hauptkritikpunkt: Ein Zuschauer, welcher die Geschichte von „Carmen“ nicht kennt, wird nicht verstehen, was passiert. Und Liebhaber der Oper werden kaum einen Wiedererkennungswert finden. Einzig und allein die Musik weist auf „Carmen“ hin.

Reichen „Carmen´s“ Musik, schlichte Kostüme und reiner Tanz aus? Ja, aber das Stück muss sich mehr Zeit für Details und einzelne Charaktere nehmen um sein volles Potential auszuschöpfen. So bleibt allerdings ein Stück übrig, welches weder Fisch noch Fleisch ist.

Trotz allem macht es Spaß den Tänzern zu zusehen. In den anderthalb Stunden kam keine Langeweile auf. Wer das Stück besuchen möchte sollte nicht mit der Erwartung eintreten, eine normale Interpretation von „Carmen“ zu sehen. Vielmehr ist es ein liebevolles Tanztheater über eine tragische Liebe und Freiheit, welches das TanzArtTheater für sich entwickelt hat. Wer sich ein eigenes Bild machen möchte, hat die Gelegenheit das Tanztheater „Carmen“ am 18. Februar 2017 in der Kammerbühne des Staatstheaters zu sehen.
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