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Spanischer Bürgerkrieg und soziale Revolution

1936 bis 1939

von Fabi Buchholz, Politik

80 Jahre ist es nun her, dass Franco gegen die noch Junge Republik in Spanien putschte. Es war Juli 1936 als die Faschisten versuchten, die 2. Republik Spaniens zu stürzen. Dieser Putsch löste in Spanien nicht nur den Bürgerkrieg, sondern in vielen Gebieten auch eine soziale Revolution aus. Es ist nach wie vor ein graues Kapitel in der Geschichte und Menschen aus den Generationen nach 1968 wissen kaum noch etwas über dieses Kapitel. Es war viel mehr als nur ein Krieg zwischen zwei Lagern der Bevölkerung Spaniens, es war auch der zarte Versuch, den Anarchosyndikalismus in Spanien auf zu bauen und gegen den Faschismus zu verteidigen.

Am 17. Juli 1936 putschte Franco mit seinen Generälen von Spanisch-Marokko aus. Innerhalb weniger Tage konnten sich die Faschisten auch Gebiete auf dem Festland sichern. Der Vormarsch kam genau dort zum Stillstand, wo sich die ArbeiterInnen fest gegen ihre Entrechtung stemmten. Zentren des Wiederstandes waren vor allem Madrid, Katalonien und dessen Hauptstadt Barcelona. In den Städten bildeten sich spontane ArbeiterInnen-Verbände, welche gegen das Militär kämpften. Zum Teil rannten sie unbewaffnet gegen das bewaffnete Militär an. Am 19. Juli 1936 verkündete Garcia Oliver in Barcelona: „Heute haben wir gesiegt, wir sind mit dem Militär fertig geworden!“. Dies war auch der Auftakt für eine soziale Revolution in Teilen Spaniens. Überall dort, wo sich die ArbeiterInnen spontan zusammen fanden, um sich gegen den Putsch zu wehren, ließen sie sich nicht die Chance einer proletarischen Revolution entgehen. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Anarchosyndikalistische Gewerkschaft CNT (Confederación Nacional del Trabajo), welche auch heute wieder aktiv ist. 1937 organisierten sich etwa 1,5 Millionen Menschen in der CNT.

Die ersten Schritte der anarchistischen ArbeiterInnen war die Umfunktionierung von Kirchen zu Gemeinschaftsräumen wie zum Beispiel Krankenhäusern. Die Menschen sahen in der Kirche und den Priestern ihren Feind – auch weil sie sich zu Beginn des Aufstandes auf die Seite der herrschenden Klasse gestellt hatten. Als aus den Kirchen heraus das Feuer auf die Revolutionäre eröffnet wurde, brachte es das Fass zum überlaufen. Als weiterer zentraler Schritt wurden die Wirtschaftszweige kollektiviert. Der Ruf nach „Land und Freiheit“ wurde Wirklichkeit. Verkehrsbetriebe, Telefongesellschaften, Fabriken, Kinos und Landwirtschaftsbetriebe wurden nun von den Arbeitern organisiert und betrieben. GroßgrundbesitzerInnen, die ehemaligen Herren, wurden verjagt, sofern sie Widerstand leisteten bekämpft, wenn Kooperationswille bestand, wurden sie in den Fabriken weiter beschäftigt, zu „normalen“ Löhnen und „normaler“ Arbeit.

Die Kollektivierung der Betriebe fand in Spanien zum Großteil auf einer freiwilligen Basis statt. Ein Augenzeugenbericht aus Aragon: „Von den 4000 Einwohnern des Ortes Alcoriza, traten 3700 freiwillig der anarchosyndikalistischen Kollektive bei. (...) Die neue Gemeinde wurde auf freiheitlich kommunistischer Basis aufgebaut. Wein und Gemüse wurden gratis verteilt. Jeder erhielt davon, soviel er wollte. Da Fleisch knapp war, gab es 150 Gramm täglich pro Person. Als man den Kommunismus einführte, verteilte man an jeden Kollektivisten ein Schwein und zwei Hühner. Damit hatten sie etwas für den eigenen Haushalt. Die Kaninchenzucht war frei. Das Geld war abgeschafft worden.“ So gab es dennoch Gebiete in denen die GroßgrundbesitzerInnen gewaltsam vertrieben wurden. Vor allem die Kolonne Durruti war dabei aktiv. Ohne diese Schritte wäre eine derartige Revolution wohl auch nicht möglich gewesen.

Die Kollektivierung trug schnell Früchte, auf dem Land wie auch in der Stadt. Die Wirtschaft wurde nun durch Räte der Gewerkschaften und ArbeiterInnen organisiert und führte rasch zu Verkürzungen der Arbeitszeit, höheren Löhnen und gesteigerter Produktivität. In Barcelona lebten die Menschen teilweise ohne Geld. Die Ernährung wurde durch die Gewerkschaft der Nahrungsmittelindustrie übernommen und die Bevölkerung in Speisehallen kostenlos versorgt. Kleinbetriebe schlossen sich in Verbänden zusammen, welche die Lohnzahlungen übernahmen, unrentable Betriebe wurden geschlossen. Auf Direktoren und deren hohe Gehälter wurde ganz verzichtet und deren Aufgaben von Räten übernommen. Bettler verschwanden aus dem Stadtbild, deren Versorgung wurde von Wohlfahrtsausschüssen der Gewerkschaften übernommen.

In den befreiten Gebieten wurde weniger für die bestehende Republik gekämpft, es ging in ihrem Kampf viel mehr um einen „Himmel auf Erden“. Es war nicht nur eine soziale sondern auch eine kulturelle Revolution und zum ersten mal verspürte die Bevölkerung Freiheit. Alle bisher vorhandenen, als unterdrückend empfunden Mechanismen waren verschwunden. Getragen von den Fortschritten im Land, entwickelte sich ein enormer Kampfgeist gegen Francos putschende Truppen.

Es war ein ungleicher Kampf, denn Franco fand schon schnell Unterstützung von faschistischen Staaten Europas. So zeigten sich die Achsenmächte als Verbündete Francos und unterstützten dessen Truppen, während sich die demokratischen Staaten zurück hielten und nicht eingriffen. Die Zweite Spanische Republik bekam lediglich Unterstützung aus der Sowjetunion und Mexiko. Nach Schätzungen kämpften etwa 16.000 deutsche Soldaten und rund 80.000 aus Italien auf Seiten Francos. Auch im Hinblick auf die Rüstung bekamen die spanischen Faschisten erheblich Hilfe von Hitlerdeutschland.
Auf der anderen Seite hatte die Unterstützung der Sowjetunion neben den internationalen Brigaden einen hohen Preis für die Republik. Die Kommunistische Partei gewann deutlich an Einfluss, was zur Folge hatte, dass die gebildeten Kollektive teilweise zerschlagen wurden, was wiederum den Kampfgeist der Milizen schmälerte. So wurden beispielsweise Stimmen laut, die ankündigten, nach dem Sieg über Franco werde mit den Anarchisten kurzer Prozess gemacht. Auch gewährte die Sowjetunion keine Kredite und die Republik musste auf die vorhandenen Goldreserven zurückgreifen (die teilweise noch aus dem spanischen Kolonialismus in Lateinamerika stammten).

Der politische Konflikt innerhalb der Bündnispartner gegen Franco spitzte sich 1937 in Barcelona zu. Anfang Mai kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den kremltreuen Kommunisten und Anarchisten der CNT/FAI sowie der linksmarxistischen POUM, welche die republikanische Seite deutlich schwächte. Es entstand eine Art Bürgerkrieg im Bürgerkrieg. Auslöser des Konfliktes war die Besetzung einer Telefonzentrale durch die Guardia Civil, welche unter dem kommunistischen Polizeiführer Rodriguez Salas stand. Die Anarchisten werteten dies als Angriff und es folgte ein spontaner Streik der Arbeiterschaft. Es wurden in der Stadt Barrikaden errichtet und es kam zu Kämpfen zwischen der Guardia Civil und den Milizen der POUM und der CNT/FAI. Die anachistische Kolonne Roja y Negra brach in Richtung Barcelona auf, lenkte aber nach Verhandlungen ein und kehrte an die Aragonfront zurück. Vier Tage dauerten die Unruhen an und wurden letzten Endes durch 6.000 Soldaten einer Sturmgarde aus Valencia zu Gunsten der kremltreuen Kommunisten beendet. In Anbetracht der Situation gab es nur Verlierer durch diese Unruhen.

Madrid war die am heftigsten umkämpfte Stadt. Die Faschisten starteten mehrere Offensiven gegen die Hauptstadt und stießen auf heftigen Widerstand der Republikanischen Kräfte. In der ersten Großoffensive kam die Kolonne Durruti zur Hilfe, aus Aragon nach Madrid. Durruti, eine zentrale Person in den Reihen der Anarchisten, ist bei den Kämpfen um Madrid gefallen. Madrid konnte zwar gehalten werden, wurde aber von der Versorgung abgeschnitten und von den Faschisten belagert. Die Zivilbevölkerung litt unter Lebensmittelknappheit und Kälte. Am 28. März 1939 brach die republikanische Front in Madrid vollständig zusammen und die Stadt ergab sich. Madrid war eine der letzten gehaltenen Städte, schon ein Tag später ergab sich Valencia und Franco verkündete am 01. April 1939 den Sieg.

Die anarchistische Revolution hatte in der Zerschlagung ihr Ende gefunden. Dennoch bleibt es eines der besten Beispiele der Geschichte für eine anarchosyndikalistisch organisierte Gesellschaft. Es waren schwierige Umstände für eine soziale Revolution. Die Revolution verlief parallel zu einem Bürgerkrieg gegen eine Übermacht und musste dazu noch mit Grabenkämpfen in den eigenen Reihen umgehen. Dennoch finden sich viele Beispiele, wie wir unser Leben und unsere Arbeit anders organisieren können und auch den Beweis: Eine andere Welt ist möglich!
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