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Gesehen: RITTER BLAUBART

Premiere 5. November 2016, Staatstheater Cottbus

von Jens Pittasch, Kultur

Am Cottbuser Staatstheater entschied sich nach dem Schauspiel auch das Musiktheater für einen munter „U“nterhaltsamen Auftakt. Opéra bouffe bezeichnet eine komische Oper. Jacques Offenbach greift für sein 1866 uraufgeführtes Werk auf das französische Märchen „La barbe bleue“ zurück.
Wie häufig in Märchen, ist der offensichtliche Inhalt dabei garnicht komisch. Ritter Blaubart begehrt stets eine neue Frau, wenn er deren Vorgängerin soeben geehelicht hat. Doch wie kommt es, dass diese immer passend dahinscheiden? Im Märchen gelingt es erst zwei Schwestern seinem Treiben Einhalt zu gebieten. Eine heiratet ihn nach Zögern, findet dann ihre Vorgängerinnen ermordet auf, ruft Schwester und Brüder zur Hilfe, diese töten Blaubart, die junge Frau erbt, ihre Brüder werden angesehene Offiziere, die Schwestern sind gute Partien und finden ehrenwerte Männer.
Für die Oper vereinfachten die Librettisten Henri Meilhac und Ludovic Halévy die Handlung auf die Abfolge der Frauen, bauten einige komischen Elemente ein - und ließen insbesondere alle am Leben. Dazu noch Verwicklungen und Enthüllungen, wie eine Schäferin, die sich als verlorene Prinzessin Hermia entpuppt und die Blaubart - kaum, dass er Boulotte geheiratet hat, bereits als deren Nachfolgerin auswählt. Erneut gilt es also, eine Ehefrau loszuwerden. Diesmal jedoch spielt sein Alchimist nicht mehr mit und Blaubart wird überlistet.
Für Cottbuser Opernliebhaber besonders schön ist, dass in wichtigen Rollen Künstler zu erleben sind, die oft in der zweiten Reihe stehen - und ein toller Neuzugang.
Eröffnet wird das Stück von Dirk Kleinke, auch er zunächst Schäfer, dann Prinz Saphir. Und wieder in jeder gespielten und gesungenen Lage einfach köstlich. Neu am Haus ist Liudmila Lokaichuk als seine Schäferin-Prinzessin. Beiden bieten gleich zu Beginn ein Turtelduett vom Feinsten und im Stückverlauf eine Vielzahl schöner Momente.
Dann Boulotte. Im Original Siegerin eines Schönheitswettbewerbs zur Rosenkönigin - und neuen Favoritin Blaubarts, in Cottbus ausgelost unter den Jungfrauen des Dorfes. Das junge Mädchen bei Regisseur Steffen Piontek ist Carola Fischer. Was für eine Wahl, was für eine großartige Wahl. Bereits 1999 in „Messeschlager Gisela“ gelang Piontek mit Carola Fischer als Marghueritta Kulicke ein Coup.
Die Boulotte ist beider Meisterwerk. Carola Fischer wirbelt umher, singt und spielt - fröhlich, listig, traurig und froh - dass es eine Freude ist. Sie ist besonders und kann halt Walküre ebenso, wie Dorfschöne. Und als Mädchen vom Lande macht es dann auch nichts, dass gesanglich nicht alles bis in Details perfekt ist.
So richtig ins Fettnäpfchen tritt Boulotte bei König Bobèche. Was sich Steffen Piontek und Ausstatter Mike Hahne für ihn ausgedacht haben, ist schon eine Herausforderung. Eine, die Matthias Bleidorn annimmt und wundervoll umsetzt. Am Premierenabend wirklich gesundheitlich übel beeinträchtigt, merkt man davon so ganz und garnichts und erlebt statt dessen einen Regenten, der auch so einige Beeinträchtigungen hat und dessen Person eine Gesamtkarikatur dekadenten höfischen Lebens darstellt.

In der Titelrolle zu erleben, urkomisch-durchtrieben, stimmlich allerdings unter Druck, Jens Klaus-Wilde. Andreas Jäpel als dessen Alchimist Popolani absolut, gewohnt souverän. Des Königs Frau gibt Gesine Forberger mit wenigen, jedoch überzeugenden Szenen. Heiko Walter ist des Königs Minister, Graf Oscar - eine Rolle, die ihm besonders gut steht und gelingt.
Die Verflossenen sind Debra Stanley, Rahel Brede, Katharina Dittmer, Uta Ecke und Julie Szelinsky.
Ein Höfling ist Christiane Henneberg, die Hofgesellschaft und Landleute gestalten - mit mehreren sehr guten Auftritten - die Damen und Herren des Opernchores.
Alles geschieht in liebevoll, verspielt, aufwändig schönen Kostüm- und Bühnenbildideen von Mike Hahne. Das Philharmonische Orchester unter Ivo Hentschel liefert die musikalisch brillante Begleitung und erhebt, besonders zu einer kurzen Umbaupause, auch eigenständig markante die Stimme.
Ja, es ist ein Unterhaltungsabend. Warum auch nicht. Einer mit gutem Ausgang für alle. Auf der Bühne sieben Hochzeitspaare an Stelle lauter Umgebrachter. Steffen Piontek hat im Cottbuser Ensemble genau die Partner, die es braucht, um Altes neu und mit einer gehörigen Portion Charme, Augenzwinkern, Glanz und Können ins Heute zu holen. Das gelingt rundum, als Genuss und Vergnügen.
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