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Gesehen: REVOLUTION - KONSTANTIN WECKER

24. Juli 2016, neue Bühne Senftenberg, Amphitheater

von Jens Pittasch, Kultur

Wahrlich ein Widerstandsnest wurde das Großkoschener Amphitheater an diesem Julisonntag. Konstantin Wecker wird keine Ruhe geben, ruft noch immer nach der nächsten Revolution, sitzt weiterhin als links-bohemer Stachel im beschaulichen Bayern und kam zur einzig ostdeutschen Station seiner „Revolution“ betitelten Konzerttour dieses Sommers an den Senftenberger See.
Und füllte dort die Ränge und begeisterte derart, dass die Zuschauer einfach nicht gehen wollten, bevor die Zugaben fast eine Stunde füllten - auf drei Stunden Konzertdauer insgesamt.
Konstantin Wecker singt, weil er Lieder hat, wie es gleich zu Beginn aus alten Zeiten hieß - gemeint ist, weil er etwas zu sagen hat - und weil es ihm seine hohe Musikalität möglich macht, mit Liedern weitaus mehr Menschen zu erreichen, als es nur mit - gern einmal wütenden, immer aber liebenden - Worten möglich ist.
Im Titelsong „Revolution“ heißt es: „Höchste Zeit Freunde, auch mal Bilanz zu ziehen,keine Angst - nicht um zu fliehen, sondern einfach mal so zwischendrin nachzufragen, wo ich stehe, wo ich bin. Über vierzig Jahre öffentlich geschwitzt, früher oft verbissen, heut´ auch gern verschmitzt, wunderbare Nächte mit Euch allen selbst in viel zu kalten Mehrzweckhallen, herrliche Konzerte voller Glück, die nimmt uns keiner, das kommt tausendfach zurück.“
Ein Rückblick, der zugleich klarmacht, vor allem auch ein Ausblick zu sein, denn: „Was ist da nur passiert in all den Jahren, und welcher Karren ist in welchen Dreck gefahren? Erinnert Euch an die Konzerte für den Frieden, wo sind die Hunderttausende geblieben, als wir noch standen gegen Abbau aller Rechte, die man sich mühevoll erkämpfte gegen Mächte, die damals doch anscheinend stärker waren, als man es wissen wollt´ in diesen Jahren? Kann es denn sein, dass nur noch Banken und Konzerne das Sagen haben, und wir hören gerne ihre Versprechungen und Lügen an, ist es doch leichter sich zu fügen, dann kann man sich weiterhin verstecken und bei Bedarf nach jeder Decke strecken? Was ist passiert? Wie konnte es so kommen? Hat man uns jedes Recht auf Mitsprache genommen?“
In Senftenberg springt an diesem Abend mehr, als ein Funke über, verstehen sie ihn sehr schnell, gibt es textsichere Mitsänger vor allem der älteren Lieder, stehen spontan Einige auf und recken die Faust, wenn es heißt: „Ach pfeifen wir auf alles, was man uns verspricht, auf den Gehorsam, auf die sogenannte Pflicht, was wir woll´n ist kein Reförmchen und kein höh´rer Lohn, was wir woll´n ist eine
REVOLUTION! REVOLUTION!“
Vor Jahrzehnten lief die einzige von ihm auf Amiga in der DDR erschienene LP bei mir auf Dauerschleife, hatten die Genossen Ost die Songs ihres scheinbaren Mitstreiter West in den realexistierenden Sozialismus gebracht, und ganz sicher nicht richtig hingehört oder auch nicht verstanden, worum es Konstantin Wecker damals, wie heute ging. Denn angepasster Uniformität, Einheitspartei und Gleichmacherei hätte er ebenso den Marsch geblasen, wie den Unbilden West.
Liegen doch seine Ideale ganz woanders:
„Und drum müssen wir uns wieder neu erdenken, uns vernetzen, uns mit uns beschenken, nicht gewaltvoll, doch gewaltig an Ideen, ohne Führer doch zusammenstehen, niemand muss sich an Befehle binden, und so wollen wir die Welt uns neu erfinden, ohne Gier und ohne Herrschaft, ohne Zwang, werden wir zusammen EIN Gesang, denn was wir woll´n ist nicht zu viel verlangt,
haben erst die Liebelosen abgedankt, ach Freunde pfeifen wir auf alles, was man uns verspricht,…“
Pfeifen wir drauf?!
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