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Gesehen: SUGAR (MANCHE MÖGEN’S HEISS)

Sommertheater Open Air, Premiere 25. Juni 2016, Staatstheater Cottbus

von Jens Pittasch, Kultur

Marilyn Monroe, Tony Curtis und Jack Lemmon sind die Hauptdarsteller des 1959-er Films „Manche mögen’s heiß“, Billy Wilder führte Regie. Allesamt Legenden und der Schwarz-Weiß-Streifen ein Klassiker.
Dem entsprechend: Die Ouvertüre läuft, schon „tanzt“ es eine Reihe vor mir munter mit - im Sitzen.
Gut, ein Wunder ist es nicht, eine ganz große Big-Band spielt munteren Swing, das Philharmonische Orchester unter Leitung von Ivo Hentschel.
Vorhang auf: Kontrastprogramm, eine Trauerfeier - doch traurig geht´s auf dieser Feier dann garnicht zu. Wir schreiben das Jahr 1929, es herrscht die Prohibition und Gamaschen-Colombo betreibt hinter der Bestatter-Fassade einen Nachtclub. Tote gibt es zu dieser Zeit reichlich, auch Zahnstocher-Charlie zählt bald dazu, der Colombos Bar an die Polizei verraten hat. Die Musiker Joe und Jerry, unglücklich zu Zeugen geworden, flüchten sich als Frauen verkleidet in eine Damenband auf Tour.
Die Handlung kennen im Publikum fast alle, und so amüsieren sie sich köstlich, wissend und erwartend, was gleich passiert. Genau diese Erwartung bedient das Inszenierungsteam sehr genau. Wer den Film kennt und auf das neue Erleben alter Erinnerungen aus ist, ist hier richtig. Und wird auch gerade nicht störend finden, wie nah beispielsweise Heiko Walter seinen Jerry versucht an Jack Lemmons Vorlage zu stellen. Ein Vorhaben, das nicht zu erreichen ist und es vielleicht auch nicht so vordergründig sein sollte. Hardy Brachmann gibt den Joe, er wiederum ist etwas zu wenig auf der Spur von Tony Curtis. Viel weiter weg von Marilyn Monroe allerdings agiert Debra Stanley.
Für alle drei wäre es gut gewesen, ihren Figuren eine neue Eigenständigkeit zu geben, wie es sehr konsequent und erfolgreich Andreas Jäpel (Sir Osgood Fielding/Inspektor/Impressario) und Carola Fischer (Bandleaderin Sweet Sue) gelingt.
Es ist eine Gratwanderung, einen so erfolgreichen und bekannten Film auf die Bühne bringen zu wollen. Zwei Jahre arbeiteten unter anderem Peter Stone, Jule Styne, Bob Merrill und Neil Simon in den 1970-igern an dieser Aufgabe und schufen „Sugar“. Nach 505 Vorstellungen flog das Musical ein Jahr darauf aus dem Programm, für Broadway-Verhältnisse ein heftiger Misserfolg.
Regisseur Klaus Seiffert, der es nun in Cottbus versucht, ist im Genre äußerst erfahren. Mehr als 30 Musicals hat der Theaterwissenschaftler, Sänger, Tänzer und Schauspieler inszeniert - und in hunderten Vorstellungen selbst auf der Bühne gestanden. An seiner Seite ist Barbara Krott verantwortlich für die für diesen Zweck perfekte Umsetzung von Bühnenbildern und Kostümen.
Gespielt wird mit großem Ensemble. Die Damen und Herren des Opernchores und die Tänzerinnen und Tänzern des Balletts haben schöne Auftritte, meist gemischt - als Frauenband unter anderem, als Tanzgangster und mit klarem Höhepunkt beim Alt-Herren-„Ballett“. Etliche weitere Solisten sind im Einsatz und können oft mehreren Figuren eigene Gestalt geben.
Zu arbeiten ist noch an der tonseitigen Abstimmung zwischen verstärkten Sängern und Orchester, ein leider regelmäßiges Problem, wenn unser klassisch orientiertes Musiktheater auf Musical trifft.
Ein Fazit? Ambivalenz. - Man muss den übertriebenen Trubel und diese Art der Persiflage halt mögen und dann damit klarkommen, dass die Filmvorlage unerreichbar ist.
Sieben Mal gibt es im September die Chance, sich ein eigenes Bild zu machen.
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