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Gesehen: (er)trinken

remiere 20.Mai 2016 , BÜHNE acht

von Ramona Göök, Kultur

„Wer ins kalte Wasser springt, taucht in ein Meer voller Möglichkeiten“. Dies könnte das Leitbild des Straßentheaters ENTRE VOUS der BÜHNE acht für ihre neue Performance (er)trinken beschreiben. Das Ensemble um Anja Schröter (Regie) wirft Fragen rund um das Thema Wasser auf und zeigt individuelle Sichtweisen über das Potential und die Gefahr, die von dem wichtigsten Element ausgehen. Denn das Konzept und die Inhalte der Performance wurden nicht durch die Regisseurin vorgegeben, sondern im Probenprozess durch die Schauspieler zusammen entwickelt. So entstehen sehr persönliche Geschichten die anrührend, anklagend und aufrüttelnd sind. Dieser Facettenreichtum von (er)trinken ist den Zuschauern noch völlig verborgen, während sie versuchen in dem ungewöhnlichen Bühnenbild ihre Plätze zu suchen. Die Performance versucht Schauspieler und Publikum miteinander zu verschmelzen, somit bilden Getränke- und Holzkisten, die verstreut im Raum verteilt sind, die einzigen Sitzmöglichkeiten. Besonders für die jungen Zuschauer, die an diesem Abend das Bild dominieren, eine willkommene Abwechslung. Auch werden die Zuschauer wiederholt in das Stück integriert, werden zum Teil der Performance, wenn sie die Klangwelt des Ozeans erzeugen und die Geräusche am Leben erhalten müssen. Solche Gruppendarbietungen wechseln sich immer wieder mit den ganz individuellen Beiträgen der Schauspieler ab. So reist Elisa Marquardt zurück in die Vergangenheit und erinnert sich an das Gefühl in der Ostsee zu baden. Die kindliche Naivität, mit der sie von diesem Erlebnis berichtet ist ein seichter Einstieg in das Thema, wie im weiteren Verlauf durch die Anklage von Charlotte Walter an Nestlé und die Gesellschaft in ihrem Umgang mit Wasser als Lebensmittel besonders deutlich kontrastiert wird. Ein schlechtes Gewissen bleibt bei einem Großteil des Publikums dabei sicher nicht aus. Hervorzuheben ist außerdem das umgedichtete Kinderlied „10 kleine Wassertropfen“, vorgetragen von Elke Noack. Der Kontrast zwischen ihrem liebevollen Gesang und dem kritischen Text ist ein besonderer Genuss. Erster Höhepunkt ist die bildliche Darstellung der Ausgrenzung einer Individualistin, gespielt von Sarah During und der damit verbundenen Folge, welche als Untergang der Titanic auf komische Weise auf die Spitze getrieben wird. - Das Ensemble von ENTRE VOUS zeigt eindrucksvoll die Themenvielfalt, die eventuell verborgen geblieben wäre. Zum Teil fehlt es den Darstellern jedoch auch an Präsenz und Kraft, weshalb das Stück stellenweise vor sich hin plätschert. Vielleicht aber auch, weil es mit einem Kraftakt endet, welcher gewisse Energiereserven erfordert. Es entbrennt ein erbitterter Kampf um die letzten Wasservorräte, bis auch der letzte Tropfen verschwendet ist. Gefolgt von einem (vielleicht hoffnungslosen) Versuch den Verdursteten mit dem Lebenselixier Wasser zurück zu holen. - (er)trinken ist eine sehenswerte Theaterperformance, die zum Nachdenken anregen soll, was ihr auch gelingt. „Die Schauspieler folgen keiner festen Choreografie, sondern sind angehalten sich frei im Raum und zwischen den Zuschauern zu bewegen und zu agieren.“, erklärt Anja Schröter. „Somit können, je nach Örtlichkeit, Stimmung und Publikum ganz neue Bilder und Eindrücke entstehen“.
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