Home Artikel Nachrichten Heft Suche Termine

Gesehen: Konzert junger Künstler

20.6.2012, Staatstheater

von Jens Pittasch, Kultur

Die traditionell letzte konzertante Aufgabe des Philharmonischen Orchesters ist ein Abend gemeinsam mit interessanten Nachwuchskünstlern. Die Schüler des Konservatoriums und der Hochschule Lausitz zeigen dabei nicht nur erstaunliche Leistungen, sie sorgen auch dafür, dass Instrumente zu Soloeinsätzen kommen, die sonst selten im Mittelpunkt stehen. Auch überraschen sie bei ihrer Werkauswahl gern mit wenig gespielten Komponisten.
Den Anfang macht in diesem Jahr ein himmelblauer Farbtupfer, Antonia Fischer an der Violine. Die junge Solistin spielt die anspruchsvolle Polonaise brillante (HENRI WIENIAWSKI) mit einer leichten Verstimmtheit, jedoch großem technischen Geschick.
Ein Riese mit Posaune betritt nach ihr die Bühne, einige Jahre älter, Ernst-Martin Budischin. Im ungewöhnlichen Stück aus dem Concerto for trombone (ALEKSANDER ARUTIUNIAN) erzählt seine Soloposaune eine Geschichte voll schöner und wirklich gefühlvoll-gut getroffener Stimmungen.
Gleich mit den ersten Tönen macht auch Franziska Borleis klar, dass sie etwas kann, am Cello. Vom Erlernen und Nachspielen ist sie schon einige Zeit beim Besserwerden und der eigenen Interpretation angekommen. Ihr Auszug aus dem Konzert für Violoncello und Orchester (DIMITRI KABALEWSKI) macht deutlich: sie hat eine Haltung zum Stück entwickelt und kann diese fein nuanciert ausdrücken. Sehr gut.
Das Fagott ist auch nicht gerade ein alltägliches Soloinstrument. Aufgrund der Tonlage und des Klanges haftet ihm etwas ewig Trauriges an. So wirkt auch diese Romanze für Fagott und Orchester (EDWARD ELGAR) eher in sehr nachdenklichen Tönen. Eine Atmosphäre jedoch, die Johann Mitzscherlich ganz souverän erzeugt und gekonnt vermittelt.
Ein deutlich größeres Instrument wird in den Mittelpunkt gerückt, die Harfe. Antonia Wirth ist unsere Solistin mit einem Satz des Konzertes für Harfe und Orchester A-Dur (KARL DITTERS V. DITFERSDORF). Präzise, gefühlvoll jagen ihre Finger über die Saiten. Mit ganz berechtigtem Selbstbewusstsein und viel Reife spielt sie mit dem großen Orchester, als ob sie das schon immer täte. Wirklich großartig.
Groß folgt größer, der Flügel. Großartig folgt phantastisch, Saessak Shin.
Die junge Pianistin entfesselt im Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 g-Moll (CAMILLE SAINT-SANS) einen Sturm, in den kurz darauf das Orchester einfällt und ihn unterbricht. Woraufhin das Klavier nun beginnt von aufwühlend, emotionalen Erlebnissen zu erzählen. Saessak Shin spielt nicht, das Klavier gehorcht ihren kleinsten, wie ihren größten musikalischen Ideen und Empfindungen. Ganz offenbar erleben wir hier ein Ausnahmetalent, und es müsste viel schiefgehen, würde aus dieser jungen Künstlerin nicht sehr bald eine bekannte Solistin.
Dramaturgisch gut gemacht, folgt vor der Pause kein weiterer Solist, zu stark wirkt die voran gegangene Leistung noch in uns, sondern das gesamte, gemeinsame Orchester aus Musikern des Konservatoriums, der Hochschule Lausitz und des Staatstheaters. Es erklingt Mozarts kleine Jupiter-Sinfonie in einer Weise, die - bis auf kleine, unwichtige Ausnahmen -fast keinen Unterschied zu einer Besetzung mit Profis hören lässt.
Wichtiger und wirklich ärgerlich ist da schon ein nervendes Rückkopplungspfeifen im Saal, das nicht erst diesen Teil des Konzertes immer wieder begleitet. Offenbar ausgelöst von der, vorbereitend für ein späteres Instrument, aufgebauten Verstärkung. Tontechniker, die das bemerken und korrigieren könnten fehlen offenbar. Peinlich.
Einen erneuten Farbklecks, im vielen Schwarz der Musiker, bringt nach der Pause Helene Wiethaus an der Gitarre. Jedoch spielt sie diese nicht als Begleitung zu einem Lied, nicht als Rock-Instrument und nicht zum Flamenco - sondern im munteren Dialog mit dem Orchester in einem klassisch-romantischen Werk, einem Satz des Concerto e-Moll (FRANCESCO MOLINO). Sehr talentiert gelingt ihr dieser anspruchsvolle, temporeiche und rhythmisch fordernde Part.
Den einzigen Gesangsbeitrag des Abends bringt Helen Schmidt mit dem aufwühlenden Gebet der Desdemona aus der Oper „Otello" (GIUSEPPE VERDI). Auch ihren Namen sollte man sich schon einmal merken. Es sind gelebte Empfindungen, die wir - in hoher Präzision vollkommen wunderbar gesungen - miterleben dürfen. Ein kurzes Meisterstück, das alle Achtung und Aufmerksamkeit verdient.
Die schwere Aufgabe nach dieser Leistung das Konzert fortzusetzen liegt bei Micha Hänel am Horn. Das Allegro moderato des Konzert für Horn und Orchester (FRANZ STRAUSS) ist dabei keine leichte Wahl. Wie ich generell höchsten Respekt vor denen habe, die Instrumente spielen, auf denen die Töne nicht „vorinstalliert“ sind. Micha Hänel macht das bereits sehr gut und würde mit etwas größerem Selbstvertrauen schnell noch besser werden.
Es war 2009, als ich über Emely Kubusch schrieb: „Wie jung kann man sein, um so viel Gefühl in Bogen und Saiten zu legen?“ - Heute, nun deutlich Jugendliche, hat sie nichts von ihrem Können verloren. Ihr Spiel jedoch hat sich hörbar verändert. Es schwingen Aufruhr mit und Herausforderung. ´Komm Leben!´, scheint sie durch die Klänge des Andante und Rondo ungarese (CARL MARIA VON WEBER) mit ihrer Viola zu rufen. Bemerkenswert.
Ein junger Mann mit einem der kleinsten Instrumente überhaupt, einer Blockflöte, betritt die Bühne. Obwohl eher aussehend wie ein Jungbanker wird Clemens Schröder schnell zum perfekten „Rattenfänger von Cottbus“ mit seinem wirklich verlockend-verführerisch, herausragenden Spiel eines Satzes des Concerto für Flöte, Streicher und Basso continuo (GIUSEPPE SAMMARTINI).
Martha Schützka am Cello hat die Ehre, diesen großartigen Abend zu beschließen. Das Impromptu (ALEKSAN DER ARUTIUNIAN) stellt einige Anforderungen an die Solistin, die sie in einer bemerkenswerten Leistung meistert.
Erneut wird uns nicht einfach eine schöne Erinnerung an das Konzert Junger Künstler bleiben, sondern vor allem eine große Freude darüber, was diese Jugendlichen für sich und alle mit ihrer Musik bereits jetzt bewegen und weiterhin bewirken können.
home - artikel - heftarchiv - nachrichten - impressum - datenschutz
folge uns: Facebook - Twitter
Blicklicht, www.kultur-cottbus.de © 2018 Blattwerk e.V. Cottbus